Anlage auf Immobilienportal angeboten

Käufer für Arhöna-Pferdehof in Mansbach gesucht

Soll verkauft werden: Das Hauptgebäude der Ferienanlage Arhöna im Ortskern des Hohenrodaer Ortsteils Mansbach. 
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Soll verkauft werden: Das Hauptgebäude der Ferienanlage Arhöna im Ortskern des Hohenrodaer Ortsteils Mansbach. 

Die Freizeitanlage Arhöna im Hohenrodaer Ortsteil Mansbach steht zum Verkauf. Auf Immobilienportalen im Internet wird sie derzeit für 380 000 Euro angeboten.

Mansbach – Das Exposé des alternativen Pferdehofs mit Seminarzentrum umfasst das aus dem 17. Jahrhundert stammende Haupthaus im Ortskern und weitere Gebäude mit Seminarräumen sowie Zimmern und Zirkuswagen für Feriengäste. Aufgeführt beziehungsweise abgebildet sind in dem Inserat aber auch Reithalle und Außenplätze am südlichen Ortsrand. Anders als die Beherbergungs- und Seminarbauten befindet sich diese Reitanlage allerdings nicht auf eigenen, sondern auf von privaten Eigentümern gepachteten Grundstücken. Der aktuelle Erbpachtvertrag läuft bis 2039.

Eigentümer der Freizeitanlage sei ein vom Idealismus motivierter Verein, der in den vergangenen Jahren trotz Jahresumsätzen von 60 000 oder 80 000 Euro keine großen Einnahmen erzielt habe, heißt es im Exposé. Die Vereinsmitglieder seien deutschlandweit verstreut, der Vorstand sehe keine Möglichkeit, die angefangenen Projekte weiterzuführen und zu betreuen.

Tatsächlich gehören die Arhöna-Immobilien inzwischen offenbar jedoch der Berliner Dreamco GmbH. Deren Geschäftsführer Rainer Klee rechnet nicht mit einem schnellen Verkauf, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Ihm und dem früheren Betreiber Uwe Weinzierl gehe es vielmehr darum, einen Betrieb in Mansbach aufrecht zu erhalten. Die Anzeige im Internet diene deshalb vor allem dazu, die Anlage ins Gespräch zu bringen, um dann mit möglichen Interessenten ein passendes Betreibermodell auszuloten.

Der Betrieb vor Ort sei derzeit zweigeteilt und liege in den Händen zweiter unterschiedlicher Firmen und Personen: Den Gäste- und Seminarbereich betreibt demnach die Arhöna Touristik e.V. und Co. KG, geführt vom Verein Arhöna e.V.. Zuständig für den Pferdebereich sei die Reitanlagen Arhöna KG. Beides laufe gut und mit kleinem Plus.

Auf gepachtetem Gelände errichtet: Die Arhöna-Reitanlage am südlichen Ortsrand von Mansbach.

„Wir selbst haben keinen Verkaufsdruck“, betont Klee. Insbesondere in den Bereichen Kultur, Seminar und Tagung könne man aber einiges mehr aus der Anlage machen, als derzeit mangels eigener Ressourcen angeboten werde.

„Alle Verantwortlichen sind über 60 Jahre alt, sodass wir langfristig einen Nachfolger suchen, der den Urlaubsbetrieb übernehmen und weiterführen will“, erklärt Andrea Dettlaff, Teamleiterin für Rezeption/Büro vom Arhöna-Vorstand. Zum Verkauf stünden nur Fachwerkhaus, Seminarhaus und Pension im Ortskern. Das Reitgelände solle hingegen weitergeführt werden.

Zwar sei die gesamte Ferieneinrichtung zum Verkauf ausgeschrieben und würde, Interessenten mit den entsprechenden finanziellen Möglichkeiten vorausgesetzt, auch komplett abgegeben, teilt Rainer Klee mit. „Aus eigener Erfahrung der Vergangenheit wissen wir, dass es fast unmöglich ist, dass eine Person das schafft oder eine Familie. Man muss im Grunde Allroundtalent sein. Also Landwirt, Pferdeversteher, Koch, Hotelier und Animateur, alles in einem“, verdeutlicht der Dreamco-Geschäftsführer, der sich deshalb auch offen für Teillösungen oder Modelle wie Pacht oder Mietkauf zeigt. Der Berliner Unternehmer berichtet von einem breiten Spektrum von Menschen, „mit unterschiedlichen Leidenschaften“, die sich auf die Anzeige gemeldet hätten. „Wichtig ist uns, dass jemand etwas mitbringt, das den jetzigen Betrieb ideal ergänzt“, unterstreicht Klee.

Bereits verkauft sind laut Klee drei weitere Gebäude aus dem Arhöna-Umfeld – darunter auch das sogenannte Blaue Schloss an der Buttlarstraße. (Jan-Christoph Eisenberg)

Aussteigerprojekt und Zentrum für Pferdetraining

1989 kam der Kabarettist und Autor Uwe Weinzierl aus Berlin in die Vorderrhön. Er suchte dort die Ruhe und entdeckte schließlich seine Leidenschaft für Pferde. 1996 hob er das Projekt Arhöna aus der Taufe. Die alternative Kultur-, Freizeit- und Tourismuseinrichtung entwickelte sich zu einem Zentrum für Pferdetraining nach der Natural-Horsemanship-Methode, die umgangssprachlich auch „Pferdeflüstern“ genannt wird.

Bekannt wurde der Reiterhof in der Region durch die damals jährlich veranstalteten Pferdefeste im Sommer. Im Arhöna-Umfeld entstand aber auch eine sozialtherapeutische Wohneinrichtung und es gab Versuche, den örtlichen Tierpark aufzuwerten. Nach Meinungsverschiedenheiten mit seinen Mitstreitern kehrte Weinzierl Mansbach 2011 den Rücken. Er machte sich in Mecklenburg-Vorpommern als Pferdetrainer selbstständig, blieb aber Arhöna-Teilhaber und -Vorstandsmitglied.

Um dabei zu helfen, den Mansbacher Pferdehof nach wirtschaftlichen Problemen wieder auf gesunde Füße zu stellen, kehrte Weinzierl 2018 vorübergehend in die Vorderrhön zurück. Für diesen Neustart der bis dahin als Verein und haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft geführten Anlage holte er seinen Schulfreund, den Berliner Unternehmer Rainer Klee, ins Boot, der sich auch finanziell beteiligte.

Die zwischenzeitlich aufgebaute Zucht spanischer Pferde wurde damals wieder aufgegeben. Stattdessen sollte Arhöna mit neuer Geschäftsführerin als Zentrum für Horsemanship-Seminare etabliert werden, was nach rund einem Jahr jedoch scheiterte. In jüngerer Vergangenheit soll es unter Aktiven vor Ort zum Zerwürfnis und in dessen Folge auch zu juristischen Auseinandersetzungen mit dem Verpächter der Reitanlagen-Grundstücke gekommen sein.

Gründer Uwe Weinzierl hat sich nach eigenem Bekunden inzwischen weitgehend aus dem Projekt Arhöna zurückgezogen. ( jce)

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