Kammer schließt Notwehr aus

Streit eskaliert: 22-Jähriger tötet Vater der Ex-Freundin – Gericht fällt Urteil

Das Landgericht Fulda hat einen 22-Jährigen wegen Totschlags verurteilt.
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Das Landgericht Fulda hat einen 22-Jährigen wegen Totschlags verurteilt.

Nach einem Tötungsdelikt im Kreis Fulda, bei dem ein 22-Jährigen den Vater seiner Ex-Freundin erstochen hatte, steht nun das Urteil des Landgerichts fest.

Fulda/Buchenau – Der 22 Jahre alte Angeklagte, der am Rosenmontag (15.02.2021), den Vater seiner Ex-Freundin im Streit mit 14 Messerstichen und -schnitten getötet hat, muss wegen Totschlags für acht Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil, gegen das Revision möglich ist, hat Donnerstagmittag (02.09.2021) der Vorsitzende Richter der 1. Strafkammer am Landgericht in Fulda, Josef Richter, gesprochen.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass nach Abwägen aller Indizien, der Angeklagte nicht in Notwehr gehandelt hat. Nachdem das spätere 41 Jahre alte Opfer durch seine Tochter erfahren hatte, dass diese durch ihren Ex-Freund im vergangenen Dezember oder Januar im Schlaf sexuell missbraucht worden war, versuchte er, die Angelegenheit am Tattag zu klären. Dabei eskalierte die Situation am späten Abend in dem von allen drei bewohnten Haus in Buchenau.

Landgericht Fulda schließt Notwehr aus – Mann nahm Tot des Opfers billigend in Kauf

Zunächst war der Angeklagte von dem 41 Jahre alten Opfer verbal provoziert und erniedrigt worden. Er solle doch seine Wut rauslassen und endlich zuschlagen. Das alles wurde von dem 41-Jährigen auf Video festgehalten. Wenig später folgte dann ein weiteres Zusammentreffen der beiden Männer in einem Schlafzimmer im Obergeschoss, bei dem wohl über den zügigen Auszug des Angeklagten gesprochen werden sollte.

Dort habe es nach Auffassung der Kammer wieder Provokationen durch den alkoholisierten 41-Jährigen gegeben. Der Angeklagte habe nun zum Messer gegriffen und sofort auf sein Gegenüber eingestochen. Der 41-Jährige habe aufgrund der Enge in dem Raum keinerlei Chance zur Verteidigung gehabt. Der Angeklagte habe vielmehr die Tötung billigend in Kauf genommen. Gegen eine reine Notwehrsituation habe laut Josef Richter auch die Tatsache gesprochen, dass weder Angeklagter noch Opfer über Abwehrverletzungen verfügt hätten, wie sie bei einem dynamischen Kampfgeschehen üblich seien. „Es war ein völlig einseitiger Kampf“, so der Richter.

Auch die Vielzahl der Stiche, darunter vier, bei denen sogar Knochen absplitterten, würde klar gegen eine Notwehrsituation sprechen. Ebenso die Tatsache, dass die Stiche und Schnitte auf beiden Seiten des Körpers gesetzt wurden. Die volle Schuldfähigkeit des Angeklagten sah das Gericht auch mit Blick auf das psychiatrische Gutachten gegeben. Der Psychiater hatte keinerlei Anzeichen für eine etwaige psychische Störung erkannt. (Mario Reymond)

Das bedeutet Revision

Die Revision im Strafprozess ist ein Rechtsmittel gegen Urteile eines Strafgerichts. Während in der Berufung die Beweisaufnahme wiederholt werden kann, ist eine erneute Beweisaufnahme in der Revision ausgeschlossen. Das Revisionsgericht prüft nur, ob das Urteil verfahrensrechtlich ordnungsgemäß zustande gekommen ist. Sind die Tatsachen fehlerhaft festgestellt worden, werden sie durch das Revisionsgericht aufgehoben.(red)

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