Kapitän hilft Flüchtlingen: Vortrag in Rotenburg über Seenotrettung

Wie funktioniert eine Seenotrettung und was erlebt der Kapitän eines Rettungsschiffs: Um diese Fragen seinen Schülern zu beantworten, lud Lehrer Andreas Grunwald (links) den Schiffskapitän Reinhard Schmitz in die Jakob-Grimm-Schule ein. Foto: Meyer

Rotenburg. Reinhard Schmitz, der als Kapitän eines Schiffs Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet hat, war zu Gast an der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule - mit einem bewegenden Vortrag über die Seenotrettung.

Mucksmäuschenstill lauschten die Schüler dem Vortragenden Schmitz und sahen die Bilder auf der Leinwand: darauf Menschen, dicht gedrängt in kleinen Schlauchbooten, dahinter nur der Horizont.

Die Retter

Die Sea-Watch II ist ein 35 Meter langer früherer Fischtrawler (Schiff zum Fischfang) und seit vergangenem Jahr im Rettungseinsatz. Von Malta aus brechen wechselnde 15-köpfige Crews aus Freiwilligen zu zweiwöchigen Missionen auf, um vor der libyschen Küste Menschen in Seenot zu retten.

Dort spüren die Besatzungen Flüchtlinge auf, treten mit ihnen in Kontakt, bauen behutsam Vertrauen auf, verteilen Schwimmwesten und nehmen die Menschen schließlich an Bord.

Die Schleuser

Schleuser würden Menschen hier in untaugliche Schlauchboote mit Außenbordmotor verfrachten und auf die Reise schicken - wissend, dass die Überfahrt auf diese Weise praktisch unmöglich ist, berichtete Schmitz.

Er sei mit Menschen in Kontakt gekommen, die vor der Abfahrt Zweifel bekommen hätten und dann von den Schleusern ins Boot geprügelt worden seien. Nach der Rettung zerstören die Helfer die Boote, damit die Schleuser sie nicht wiederverwenden können.

Die Geretteten

Schmitz las Passagen aus seinem Tagebuch vom Juli vor. Innerhalb von zwei Wochen rettete das 15-köpfige Team 6500 Menschen aus Schlauch- und Holzbooten. Schmitz war dabei, als Männer der libyschen Küstenwache versuchten, eine Rettungsaktion zu verhindern. Mit Knüppeln prügelten sie auf die Flüchtlinge ein, die noch im Schlauchboot waren. Die gerieten in Panik, Menschen ertranken.

„Wann hat dieser Wahnsinn ein Ende?“, las Schmitz vor. 5200 Flüchtlinge seien im Jahr 2016 nach offizieller Zählung im Mittemeer ertrunken, erklärte Kapitän Schmitz. Wie hoch die Dunkelziffer sei, könne er nicht abschätzen.

Der Vortrag

Andreas Grunwald, Lehrer für Politik und Wirtschaft, hatte Schmitz eingeladen. Über Jobcoach Hartmut Schmidt, der Schmitz bei einer Fortbildung kennen gelernt hatte, war der Kontakt zustande gekommen. Knapp hundert Schüler der Oberstufe lauschten dem Vortrag und zeigten mit ihren Fragen hinterher, dass sie nicht nur interessiert, sondern auch gut informiert sind.

Schmitz plädierte den Schülern gegenüber für legale Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge, um den Schleppern damit endlich das Handwerk zu legen.

Wie der Kapitän zu dieser Aufgabe gekommen und ist und was unser HNA-Reporter über den Vortrag denkt, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagausgabe und im E-Paper unserer Zeitung.

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