Karl Grenzebach war 37 Jahre den Bösen auf der Spur

Blick fürs Detail: Karl Grenzebach war bei der Kriminalpolizei in Bad Hersfeld zuständig für die Spurensicherung. Nach 37 Jahren Dienst für die Gesetzeshüter geht er nun in Rente. In unserem Foto macht er Fingerabdrücke mit Rußpulver sichtbar. Foto: Künemund

Bad Hersfeld/Hönebach. 37 Jahre war er bei der Polizei. Jetzt hatte Karl Grenzebach aus Hönebach seinen letzten Arbeitstag. Im Wochenendporträt berichtet er von seinen Erlebnissen.

Behutsam streicht Karl Grenzebach mit Rußpulver über einen Fensterrahmen. Sein Werkzeug: ein Pinsel, dessen Haare dünner sind als die eines Menschen. Fingerabdrücke werden sichtbar. Denn die schwarze Farbe bleibt am Hautfett haften. Mit einer speziellen Klebefolie sichert der 65-Jährige die Spur.

„Das war meine Hauptaufgabe“, erklärt der Kriminaltechnische Assistent bei einer Demonstration, „dazu kam das Sichern von DNA, Haaren, Fasern und Werkzeugspuren.“ Jetzt hatte Grenzebach nach 37 Jahren Polizeiarbeit seinen letzten Arbeitstag für die Kriminalpolizei Hersfeld-Rotenburg. Ab Januar ist der 65-Jährige nach Urlaub Rentner.

Wie es sich anfühlt, wenn er das letzte Mal als Angestellter durch die Tür der Polizeidirektion geht? „Mau - nach so langer Zeit bin ich mit dem Haus verwachsen - ich werde immer mal zu Besuch kommen“, sagt Grenzebach.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und der Arbeit als Buchhalter wagte der Hönebacher vor 37 Jahren den Schritt, sich beruflich umzuorientieren. „Zur Polizei zu gehen war richtig. Es hat immer Spaß gemacht, und die Menschen haben uns stets viel Vertrauen entgegengebracht“, sagt Karl Grenzebach. Außerdem habe er dort mehr Ruhe gehabt. „Der Job als Buchhalter in einem Industrieunternehmen war sehr stressig.“

Seit 1995 Spurensicherung 

Nach 17 Jahren als Fernschreibangestellter im Schichtdienst wechselte der gebürtige Niederaulaer 1995 zur Kriminalpolizei, als Spurensicherer. „Weil ich schon immer technikaffin war“, sagt Grenzebach.

Dass diese Tätigkeit zu ihm passte, stellte sich schnell heraus. „Ein Spurensicherer braucht viel Ruhe, Geduld und Blick fürs Detail“, sagt Karl Grenzebach, „und diese Eigenschaften habe ich mitgebracht.“

Im Lauf der Zeit habe er sich angewöhnt, sich in die Täter hineinzuversetzen. „Um zu wissen, wo an einem Tatort ich nach Spuren suchen musste, stellte ich die Fragen: Wo kam der Täter her? Was hat er gedacht? Wo lang ist er geflohen?“, erklärt Grenzebach. Das gehe bei Kapitalverbrechen an die Substanz. „Wenn jemand mit einer Schusswunde im Kopf vor mir lag, war es schwer, das auszublenden und meiner Arbeit nachzugehen“.

Am Tatort des Kannibalen 

In diesen Momenten betrachtete er sachlich Tatort und Spuren. „Es fällt schwer, aber nur so konnte ich mein Bestes geben, um auf die Spur von Verbrechern zu kommen.“ Sein bekanntester Fall war der „Kannibale von Rotenburg“. Doch Grenzebach sagt auch, dass nicht alles spurlos an ihm vorbeiging: „Es reichen zwei Stichworte, und ich habe den Tatort vor Augen.“

Fortan kommt Karl Grenzebach morgens nicht mehr an die Arbeit, um „eine Wundertüte zu erleben“, wie Grenzebach sagt. „Ich wusste nie, was es an dem Tag zu tun gibt.“ Langweilig wird ihm aber nicht. „Ich habe drei Enkel, mit denen ich viel Zeit verbringen möchte“, sagt er.

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