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Karnevalistin in Vollzeit: Nadine Sauer gehört zum Iventar des OCV in Obersuhl

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Von: Jenny Breiding

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„Zweifach närrisch“: Nadine mit dem OCV-Orden.
„Zweifach närrisch“: Nadine mit dem OCV-Orden. © Jenny Breiding

Seit sie denken kann, ist Nadine Sauer im Einsatz für den Karneval. 1995 geboren, wächst sie in Obersuhl auf und lernt dort den Karnevalstanz von der Pike auf kennen. „Meine Mama ist durch meinen Opa seit der Kindheit dabei, sie hat verschiedene Tanzgruppen trainiert und selbst auf der Bühne gestanden“, sagt sie.

Obersuhl – Nadine Sauer ist Bankkauffrau. Ihre Ausbildung machte sie bei der Sparkasse in Bad Hersfeld, bei der sie momentan in der Revision tätig ist. Dazu absolviert sie eine Weiterbildung zur Bankbetriebswirtin – für sie der einzige Grund für eine Abwesenheit bei Trainingseinheiten und Vorstandssitzungen des OCV.

Nadine packt beim Treffen mit der Zeitung ein kleines Fotoalbum aus, das sie von ihrer Schwester Anabelle nach dem 50-jährigen Vereinsbestehen geschenkt bekommen hat. Die bunt gestalteten Seiten zeigen Fotos aus den Jahren seit 2004. „Damals war ich das erste Funkenmariechen des Vereins“, sagt sie stolz und zeigt auf die Fotos aus 2005. Die Nähe zu ihrer Mutter, die gleichzeitig auch ihre Trainerin war, machte den Verein von Anfang an zu einem familiären Umfeld.

Ab 2012 wurde Nadine dann selbst zur Trainerin. Sie betreute zunächst das Jugendballett, die Altersgruppe zwischen Kinder- und Hofballett. Die Präsidentengarde für Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren gründete und trainiert sie nun seit 2016. Gewöhnlicherweise beginnt das Training hierfür im Sommer eines jeden Jahres. Obwohl die Auftritte der Gruppe erst im Januar stattfinden, beginnt das Training bereits viel früher. Vorerfahrungen oder besonderes Talent seien für eine Teilnahme aber nicht nötig. „Ich krieg’ das hin, dass jeder Garde lernt“, sagt sie schmunzelnd.

Die Rolle der Trainerin empfindet die 27-Jährige als deutlich aufregender als die eigenen Auftritte auf der Bühne. „Ich fiebere jedes Mal aufs Neue mit“, sagt sie. Doch nicht nur die Garde liegt ihr am Herzen. Auch das Trainieren von Tanzpärchen und Funkenmariechen fallen in ihren Tanzbereich.

Sobald eine Saison beendet ist, widmet Nadine sich der nächsten – sie hat einen sehr hohen Anspruch an die Vorbereitung ihrer Tänze. „Da geht es direkt wieder ans Lieder raussuchen. Die Tänze zur neuen Saison müssen früh und gut geplant werden“, sagt sie. Dass sie ihre Freizeit gänzlich dem Verein widmet, ist für Nadine selbstverständlich. „Es macht mir so viel Spaß“, wiederholt sie immer wieder.

Doch trotz aller Leidenschaft und Hingabe wurde auch der Obersuhler Carneval Verein mitsamt der Tanzgruppen ab Frühjahr 2020 schwer von der Pandemie getroffen. Nadine wirkt beim Erzählen sichtlich betroffen. „Es hat sich etwas verändert, die Motivation ist nicht mehr da“, sagt sie. Tanzgruppe und Teilnehmer waren durch die strengen Corona-Auflagen gezwungen, sich anzupassen.

Tanzen beim Karneval in Obersuhl: Nadine Sauer (von links) mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Anabelle.
Tanzen beim Karneval in Obersuhl: Nadine Sauer (von links) mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Anabelle. © Breiding, Jenny

Doch auch hier scheute sie keine Mühe. Weil das Training der Garde zunächst nicht mehr in Präsenz stattfinden konnte, übertrugen Nadine und ihre Schwester die Übungsstunden in Echtzeit über das soziale Netzwerk Instagram. Im Anschluss an die Einheiten konnten Teilnehmerinnen Videos von ihren Ausführungen senden, um das Feedback der beiden Trainerinnen zu bekommen. Viel Aufwand für eine Gruppe, die aufgrund der Schwierigkeiten immer kleiner wurde. „Ohne meine Schwester hätte ich das nicht geschafft“, betont Nadine.

Als das Training unter strengen Auflagen wieder stattfinden durfte, kam Nadine eine Idee. „Wir haben alle Regeln in einem Video festgehalten. Das war einfach und gut verständlich für alle“, berichtet sie. Vor allem ihr Freund, den sie als Mitglied einer Band beim Karnval kennenlernte, unterstützt sie in allen technischen Angelegenheiten.

In der heißen Phase des Karnevals, die im Januar beginnt, sei das Bürgerhaus wie ein zweites Zuhause. „Da findet man das Konfetti und Glitzer auch außerhalb des Bürgerhauses überall“, sagt sie lachend. Obwohl nach den letzten drei Jahren einige Mitglieder ihrer Tanzgruppe abgesprungen sind, verliert Nadine die Lust an der Sache nicht. „Für dieses Jahr planen wir ganz normal. Falls alle Stricke reißen, gibt es aber auch einen Plan B.“

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