Heftige Kritik aus Ludwigsau

Kartierungsarbeiten: Neuer Ärger über die Bahn

Thank you for travelling Deutsche Bahn: Unser Archivfoto zeigt einen ICE auf der Strecke Kassel - Fulda auf einer Brücke bei Melsungen. Von dieser Strecke soll die neue Bahntrasse abzweigen, wo, ist noch offen? Foto: Uwe Zucchi/dpa.

Hersfeld-Rotenburg. Kartierungsarbeiten der Deutschen Bahn im Rohrbachtal haben Proteste der Gemeinde Ludwigsau hervorgerufen. Die Bahn versichert eine ergebnisoffene Trassensuche.

Die Deutsche Bahn AG hat mit ersten Umweltuntersuchungen im Zuge des geplanten Bahnprojekts Fulda-Gerstungen begonnen. Unter anderem war jetzt eine Mitarbeiterin eines externen Umweltplanungsbüros zu Biotopkartierungen im Rohrbachtal unterwegs. In der Gemeinde hat das massive Verärgerung und Zweifel an der angeblich ergebnisoffenen Suche nach einem Trassenverlauf ausgelöst. „Der Vorfall lässt nur den Schluss zu, dass es mit der von Ihnen versprochenen Offenheit so weit nicht her sein kann,“ heißt es in einem geharnischten Schreiben von Ludwigsaus Bürgermeister Wilfried Hagemann an den Projektleiter Dr. Alexander Nolte. Hagemann warnt darin vor „apokalyptischen Folgen“, die eine mögliche Trasse durch das Rohrbachtal hätte. Auf Anfrage unsere Zeitung versichert eine Bahnsprecherin, dass es sich bei den Untersuchungen nur um „routinemäßige Datenerhebungen handelt, die als wichtige Grundlage für die Ermittlung der am besten geeigneten Streckenvariante benötigt werden.“ Man wolle frühzeitig mit diesen über ein ganzes Jahr laufenden Untersuchungen beginnen, um keine Zeit zu verlieren. Die Bahn bereite derzeit das Raumordnungsverfahren vor, bei dem es darum gehen wird, im gesamten Suchraum die beste Streckenvariante zu ermitteln. Hierbei spiele natürlich auch die Umweltverträglichkeit eine wichtige Rolle, erklärt die Bahnsprecherin. Bürgermeister Hagemann beruhigt diese Antwort der Bahn AG indes nicht. „Die spielen nicht mit offenen Karten und nehmen uns gar nicht ernst“, sagt er. Hagemann, der auch am sogenannten Beteiligungsforum der Bahn teilnimmt meint, diese Einschätzung teilten viele der dort vertretenen Gruppierungen. Sorge bereiten ihm auch Überlegungen, wonach ein möglicher neuer ICE-Haltepunkt zwischen Friedlos und Reilos liegen könnte. Die Bahn erklärt, sie plane weiter ergebnisoffen, die geplante Süderweiterung des Suchraums eröffne neue Chancen.

FRAGEN UND ANTWORTEN

Das Bahnprojekt Fulda-Gerstungen ist das wohl wichtigste Bauvorhaben in unserer Region. Die Bahn AG beantwortet auf Anfrage unserer Zeitung einige wichtige Fragen:

Warum ist das Projekt überhaupt so wichtig?

Ziel ist es, zusätzliche Kapazität und Fahrzeitreduzierungen auf dem Korridor Frankfurt–Fulda–Erfurt–Berlin zu ermöglichen. Schon jetzt fahren hier 300 Züge des Nah-, Fern- und Güterverkehrs. Verkehrsprognosen sagen eine weitere Zunahme des Schienenverkehrs voraus. Mit dem Neubau soll die bestehende Strecke zwischen Fulda und Bebra entlastet werden und die Fahrzeiten der Züge im Fernverkehr deutlich verkürzt werden. Kritiker meinen indes, die Fahrzeitverkürzung von etwa 12 Minuten auf der Teilstrecke rechtfertige den Aufwand nicht.

Angeblich geht die Bahn mit einem „weißen Blatt Papier“ in die Planung. Stimmt das?

Die Bahn beteuert das. Gleichwohl wird auf Basis einer „Referenzvariante“ diskutiert, die aber nur eine grobe Orientierung geben soll. Die endgültige Trasse soll im Zuge der Bürgerbeteiligung unter Abwägung von Faktoren wie Topografie, Raumordnung, Fahrzeit, Kosten-Nutzen-Analyse, Umweltschutz, Siedlungsgebieten und technischen Überlegungen abgewogen werden.

Wie realistisch ist der grobe Kostenrahmen von unter einer Milliarde Euro für den Teilabschnitt?

Der erste Kostenrahmen beruht auf den Berechnungen des Bundes im Bundesverkehrswegeplan 2030, der die Kosten anhand der grob geplanten Referenzvariante errechnet. „Wie hoch die Kosten genau sein werden, können wir zum derzeitigen frühen Planungsstand noch nicht sagen. Wir wissen ja noch gar nicht, wo die Trasse verlaufen wird, wie lang sie sein wird, wie viele Tunnel und Brücke gebaut werden müssen“, erklärt die Bahn..

Wie könnte ein möglicher Zeitrahmen aussehen?

„Wir arbeiten intensiv daran, dass eine Antragskonferenz, in der der Untersuchungsrahmen für das mehrere Jahre später startende Raumordnungsverfahren abgestimmt wird, im Sommer 2019 stattfinden kann“, sagt die Bahn. Dabei ginge es dann um „Grobkorridore“ , in die mögliche Linien gelegt werden, die miteinander verglichen werden, um die beste Lösung für den Verlauf der neuen Bahngleise zu ermitteln. All das soll „sehr transparent und unter Einbeziehung des Beteiligungsforums erfolgen“. Bis zur Raumordnung könnten dann noch mal rund vier Jahre vergehen. Auf einen Termin für den Baubeginn will sich die Bahn nicht festlegen. Das könnte aber gut und gern bis 2030 dauern.

Welche Rolle spielen die Pläne zur Haldenerweiterung bei K+S und das Biosphärenreservat Rhön für den Suchraum?

Das Biosphärenreservat Rhön sowie Kali + Salz spielen eine wichtige Rolle bei der Festlegung des Raums, in dem mögliche Korridore für Streckenvarianten gesucht werden. Das Biosphärenreservat Rhön berührt derzeit die östliche Suchraumgrenze und wird entsprechend beachtet. Die Haldenerweiterung von K+S bei Hattorf befinde sich außerhalb des derzeitigen Suchraums und sei somit aktuell nicht relevant, teilt die Bahn mit.

Wird der ICE weiter in Bad Hersfeld halten?

„Wir planen ergebnisoffen“, sagt die Bahn. Ein Halt am Bahnhof Bad Hersfeld ist genauso möglich wie ein neuer Haltepunkt in der Region Hersfeld-Rotenburg. Wichtig ist, dass die Bahn überhaupt hier hält, damit die Region einen Nutzen von dem Projekt hat. Dadurch, dass der Suchraum nach Süden erweitert wurde, bieten sich neue Chancen zur Ausfädelung aus der Schnellfahrstrecke Fulda-Kassel. Klar ist aber, dass ein Haltepunkt in Bad Hersfeld auch mehr Zugverkehr und damit Lärmbelastung für die Stadt bedeuten würden. Viel Diskussionsstoff also für das nächste – nicht öffentliche! – Beteiligungsforum, das am 26. März in der Stadthalle stattfindet.

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