Hotelplanung in Meeschendorf

Keine Alternative für ehemalige Ferienanlage des Landkreises Hersfeld-Rotenburg: Jufa Hotels steht unter Druck

So stellt sich Jufa das Ergebnis vor: Statt eines Langhauses mit Anbau sollen nun drei Gebäude entstehen - wie auf der Planungsdarstellung zu sehen ist.
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So stellt sich Jufa das Ergebnis vor: Statt eines Langhauses mit Anbau sollen drei Gebäude in Hufeisenform entstehen.

Dem geplanten Familienhotel von Jufa auf Fehmarn droht ein Bürgerentscheid, der den bisherigen Fortschritt des Projektes am Südoststrand in Meeschendorf kippen könnte.

Hersfeld-Rotenburg – Dem Unternehmen aus Österreich bleiben wenige Monate, um auf dem Gelände der ehemaligen Ferienanlage des Landkreises Hersfeld-Rotenburg für Baurecht zu sorgen. Dann schließt sich das Zeitfenster durch eine Naturschutzregelung.

Doch was passiert, wenn die Hotelpläne scheitern: Bekommt der Landkreis sein per Erbpacht auf 75 Jahre abgetretenes „ranziges Cremeschnittchen“ möglicherweise früh zurück?

Stichwort: „Ranziges Cremeschnittchen“

Über die Zukunft der letzten verbliebenen kreiseigenen Erholungsstätte in Meeschendorf auf Fehmarn nach dem Verkauf der Rießerkopfhütte bei Garmisch-Partenkirchen und der Anlage in Schwaltenweiher im Allgäu wurde im Landkreis Hersfeld-Rotenburg lange und erbittert diskutiert. Der Verkauf der defizitären Ferienstätte für 2,18 Millionen Euro war nach einem aufwendigen Bieterverfahren bereits für 2018 geplant, scheiterte im Juni aber an einer Kehrtwende im Kreistag. Die kulinarische Metapher „ranziges Cremeschnittchen“ von AfD-Fraktionschef Peter Fricke stammt aus der Debatte. Gemeint ist: Während die einen die Ferieneinrichtung mit ihrem 80er-Jahre-Charme in Toplage behalten und sanieren oder zumindest nicht für den angebotenen Preis verkaufen wollten (Cremeschnittchen), betonten andere das jährliche Defizit, das Meeschendorf dem Landkreis bescherte sowie die geringe Nutzung (ranzig). Der Erbpachtvertrag mit Jufa Hotels über 75 Jahre war ein Jahr später der zweite – und diesmal erfolgreiche – Anlauf, die Anlage loszuwerden.

Das Hotelunternehmen beschwichtigt auf Anfrage unserer Zeitung: Einen Rückzieher soll es nicht geben – allerdings haben die Österreicher auch noch keine Alternative zum derzeitig geplanten Familienhotel.

„Es gibt überhaupt keine Bestrebungen, aus dem Erbpachtvertrag auszusteigen“, sagt Jufa-Sprecher Martin Seger-Omann. „Wir sind seit 30 Jahren gut damit gefahren, dass wir uns an Verträge halten – auch, wenn es mal schwierig wird.“ Doch das Unternehmen mit Hauptsitz in Graz, das über 60 Hotels und Ressorts in vier europäischen Ländern betreibt, hat zusätzlich wie der Rest der Branche mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Derzeit seien 1000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Wir kämpfen an allen Fronten, auch wenn Fehmarn mit Sicherheit im Fokus steht. Aufgrund der Kürze der Zeit und durch die vielen Corona-Herausforderungen gibt es daher noch keine Alternativplanung.“

Gestartet war das Bürgerbegehren gegen das Familienhotel im Dezember, bereits Anfang Januar wurde die doppelte Zahl der benötigten Unterschriften für einen Bürgerentscheid erreicht. Der Hotelbau wird abgelehnt, der positive Beschluss der Inselpolitik soll aufgehoben werden. Bis dahin lag das Projekt laut Seger-Omann im Zeitplan. Jufa hatte auf Kritik an den Dimensionen des Hotelbaus („zu lang, zu hoch“) reagiert. Doch auch die Zustimmung im Bau- und Umweltausschuss war zuletzt knapp ausgefallen: Mit sieben zu vier Stimmen gab das Gremium Anfang Dezember grünes Licht für die weitere Planung.

Die Österreicher sind überzeugt, viele Bedenken auf der deutschen Insel zerstreuen zu können – wenn Corona es denn zulassen würde. „Durch das Reiseverbot ist es extrem schwierig“, sagt der Hotelsprecher. „Ohne Corona wären wir im Herbst dort gewesen und hätten uns noch einmal vorgestellt.“ Österreich gilt derzeit größtenteils als Risikogebiet. Zuletzt sei das Unternemen im Frühjahr 2020 auf Fehmarn vertreten gewesen.

Sieht ihr Campingplatz-Konzept bedroht: Katherin Kleingarn in Meeschendorf auf Fehmarn. Im Hintergrund die Gebäude der ehemaligen Ferienstätte des Landkreises – dort soll ein Familienhotel entstehen.

Der Widerstand der Kritiker, bei dem etwa die Betreiberin des benachbarten Campingplatzes und Naturschützer zusammenkommen, trifft Jufa hart. Es schwingt mit, dass einem ausländischen Investor auf Kosten der Fehmarner einfach das Feld überlassen wird. „Wir waren schon nachhaltig und regional, bevor das alle plötzlich für sich entdeckt haben“, sagt Seger-Omann. In Österreich werde das Unternehmen dafür ausgezeichnet, in der Branche von anderen Hotelketten für das Engagement belächelt. Hinter Jufa Hotels stehe eine gemeinnützige Stiftung, betont der Sprecher – die gemeinnützige Privatstiftung der Jugend und Familiengästehäuser macht 64,9 Prozent des Unternehmens aus.

Martin Seger-Omann vermutet, dass sich viele Unterschriften des Bürgerbegehrens nicht direkt gegen die Hotelpläne, sondern gegen andere Reizthemen auf der Insel richten, etwa den Bau eines umstrittenen Drogeriemarktes in Burg.

Die Rückmeldung aus Fehmarn sei derzeit: die politische Stimmung ist schwierig. Der Eindruck in Österreich: „Wir sind in ein Fahrwasser mit anderen Strömungen geraten.“ Im März steht auf Fehmarn die Bürgermeisterwahl an.

Es gibt fünf Kandidaten, das Schlagwort Massentourismus dürfte auf der Ostseeinsel zu einem wichtigen Wahlkampfthema werden.

Das sagt der Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Bereits im Oktober 2019 hatte der Landkreis auf Anfrage unserer Zeitung betont, dass es im Erbpachtvertrag mit Jufa Hotels komplexe Klauseln zum Rücktrittsrecht gebe, die einen leichten Ausstieg des Vertragspartners verhinderten. Der Betreiber müsse alles versuchen, das vereinbarte Konzept umzusetzen. Zum Hintergrund: Das Land Schleswig-Holstein hat bereits 2016 mit einem Naturschutzgesetz einen 150 Meter breiten Küstenschutzstreifen an Nord- und Ostsee festgelegt. Dort gilt Bauverbot, etwa für Hotels, Ferienhäuser, Cafés und Campingplätze. Die Ausnahme: Es gibt vor Ort bereits Bebauungs- beziehungsweise Flächennutzungspläne oder diese werden bis zum 23. Juni 2021 rechtskräftig. Dieser Banngürtel für den Naturschutz bedroht auch die Hotelpläne in Meeschendorf und war bei Vertragsabschluss bekannt. Auf erneute Anfrage, ob im Falle eines erfolgreichen Bürgerentscheids und dem Scheitern der Hotelpläne ein Rückzug von Jufa Hotels aus dem Vertrag möglich sei und der Landkreis daher mit Sorge nach Fehmarn Blicke, heißt es jetzt aus dem Landratsamt: „Diese Fragen sind reine Spekulationen, an denen sich die Kreisverwaltung nicht beteiligen wird.“ 

Von Clemens Herwig

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