Keine einfache Kinderkrankheit: So bekämpft man den Keuchhusten

Das Mittel der Wahl: Bei Keuchhusten verschreibt der Hersfelder Hausarzt Dr. Martin Ebel Clarithromycin oder ein ähnliches Antibiotikum. Foto: Janz

Hersfeld-Rotenburg. Keuchhusten oder Pertussis ist keine einfache Kinderkrankheit. Der hochansteckende Husten, der früher 100-Tage-Husten genannt wurde, kann sich lange hinziehen.

Mit Hausarzt Dr. Martin Ebel aus Bad Hersfeld, der 2015 mehrere Fälle behandeln musste, beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Keuchhusten.

?Wie unterscheidet sich Keuchhusten von einem „normalen“ Husten?

!Die Krankheit beginnt in der Regel mit grippeähnlichen Symptomen wie Schnupfen, leichtem Husten, Schwäche und gegebenenfalls einem leichten Fieber. Nach etwa zwei Wochen tritt der Keuchhusten dann in ein neues Stadium ein: „Auffällig sind die stakkatoartigen Hustenattacken, die mit normalen Mitteln kaum zu behandeln sind“, sagt Martin Ebel.

?Wie lange kann die Krankheit dauern?

! Keuchhusten wurde früher auch „100-Tage-Husten“ genannt. Nicht umsonst, sagt Ebel: Die Krankheit dauert deutlich länger als eine normale Bronchitis, etwa vier bis sechs Wochen. Ohne entsprechende Behandlung kann sich das Abklingen der Hustenanfälle sogar länger hinziehen.

?Wie lässt sich der Keuchhusten genau feststellen?

!Möglich ist die Diagnose über Abstriche von Hustensekret. Während diese Methode jedoch recht ungenau ist, bietet eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen das Keuchhustenbazillus Bordetella pertussis eine sicherere Bestätigung. Auch Antikörper gegen Stoffwechselprodukte des Erregers lassen sich im Blut nachweisen. Sie sind es auch, die die hartnäckigen Hustenattacken verursachen.

?Wie wird die Krankheit behandelt?

!Standard ist eine Antibiotikatherapie mit Makroliden, sagt Ebel. Clarithromycin, Erythromycin oder Azithromycin weisen zurzeit eine gute Wirksamkeit bei Keuchhusten auf, während andere Antibiotika gegebenenfalls kaum eine Wirkung entfalten. Nach fünf Tagen Antibiotika-Therapie ist der Patient nicht mehr ansteckend.

?Mit welchen Hausmitteln kann man die Symptome lindern?

!Hilfreich können Inhalationen, Dampfbäder, warme Wickel und Einreibungen sein. Auch Bettruhe unterstützt die Heilung. „So richtig effektiv sind im Anfallstadium der Krankheit aber doch eher Medikamente, die den Hustenreiz unterdrücken“, sagt Ebel. Sie müssten allerdings vorsichtig und gezielt angewendet werden, vor allem wenn die Nächte zur Qual werden.

?Kann die Krankheit auch schwerwiegend verlaufen?

!Schwerwiegende Komplikationen sind selten, Keuchhusten kann aber in Einzelfällen sogar tödlich verlaufen. 2003 verursachte der Erreger weltweit rund 300 000 Tote, vorwiegend allerdings in Entwicklungsländern. Gerade bei Säuglingen kann es zum Atemstillstand kommen oder sich eine Lungenentzündung entwickeln. Bei älteren Kindern und Erwachsenen sind auch Hirnblutungen möglich.

?Wie kann man Keuchhusten vorbeugen?

!Säuglinge können bereits ab dem zweiten Lebensmonat geimpft werden. Dieser Impfschutz sollte dann immer wieder aufgefrischt werden. Für Erwachsene empfiehlt die Ständige Impfkommission ebenfalls eine Impfung in Kombination mit Tetanus und Diphterie, die auch von den Krankenkassen übernommen wird. Der heutige Impfstoff ist gut verträglich, da er ohne Lebenderreger auskommt, sagt Ebel: „Das ist wie ein Fahndungsfoto: Das Immunsystem merkt sich sozusagen nur das Gesicht des Bazillus. Wenn dann der echte Erreger kommt, wird er schnell erkannt und bekämpft.“

Von Marcus Janz

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