Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist ein intensiver Betreuungsaufwand notwendig

Keiner soll aufgegeben werden

Hersfeld-Rotenburg. Auf individuelle Betreuung des Kunden, der einen Arbeitsplatz sucht, setzt man bei der Kommunalen Vermittlung in Arbeit (KViA) im Landkreis Hersfeld-Rotenburg seit der Zulassung als Optionskommune, betont Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz.

So werden zum Beispiel die Leistungen für Langzeitarbeitslose tatsächlich aus einer Hand erbracht. Es gibt keine Fallmanager und Leistungssachbearbeiter und Arbeitsvermittler: Stattdessen übernimmt der Fallmanager seinen Klienten nach einem persönlichen Gespräch mit den Ausbildern und Sozialpädagogen der Werkakademie und ist dann für alles Weitere zuständig: Für die passgenaue Vermittlung in Ausbildung, Arbeit oder Maßnahmen, für Kontakte zu internen oder externen Helfernetzwerken (zum Beispiel Sucht- oder Schuldnerberatung) und für die Berechnung der Leistungen. So könne auch auf die persönliche Situation der Menschen eingegangen werden, anstatt nur nach Vorschriftenkatalog zu arbeiten.

Je mehr Langzeitarbeitslose jedoch in Arbeit vermittelt würden, desto größer würde der Betreuungsaufwand für diejenigen, die übrig bleiben, und bei denen es oft eine Fülle von Vermittlungshemmnissen gebe, erläutert Künholz. Sie seien oft schon sehr lange arbeitslos, hätten häufig Sucht- und psychosoziale Probleme. Diese Menschen einfach aufzugeben, ihnen nur ihr Geld zu zahlen und sie ansonsten sich selbst zu überlassen, das kommt für Elke Künholz aber nicht infrage. Obwohl allgemein davon ausgegangen wird, dass es einen Anteil von zehn bis 20 Prozent bei den Langzeitarbeitslosen gibt, der praktisch nicht vermittelbar ist.

Künholz setzt dagegen auf Betreuung und Hilfenetzwerke, um zu erreichen, dass die Klienten am Ende in der Lage sind, in Teilzeit zu arbeiten. „Das stärkt das Selbstwertgefühl der Menschen“, sagt sie.

Im Landkreis gibt es zusätzlich sogenannte „Social Coaches“, die bei Bedarf die Langzeitarbeitslosen auch zu Hause aufsuchen. „Das verlangt Aufbauarbeit und kleine Schritte“, weiß auch Uwe Brall, Leiter des Zentralen Fachbereichsservices.

Er weiß aber auch, dass es erfahrene Arbeitsverweigerer gibt, die nicht einsehen, warum sie nicht, ebenso wie ihre Eltern und Großeltern, von öffentlicher Hilfe leben sollten. „Das ist aber eine sehr, sehr kleine Gruppe“, betont Brall.

Vorrangiges Ziel sei jedoch, die Anzahl der unter 25-Jährigen ohne Ausbildung zu senken, betont Künholz. Das sei auch vom Land so vorgegeben. Befremdlich findet sie daher, wenn Geld zur Unterstützung der Verbundausbildung oder der Ausbildung in Teilzeit gestrichen werden soll, das hier einen wichtigen Beitrag leistet. (zac)

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