WELT-DOWN-SYNDROM-TAG Matthias Krenz arbeitet in der Kita in Friedlos

Rituale, die Kinder glücklich machen

Das Bild zeigt Matthias Krenz. Er hat das Down-Syndrom und ist zurzeit in der Kita in Friedlos beschäftigt. Begeistert von dem jungen Mann ist die kleine Ivy, die ebenfalls das Down-Syndrom hat.
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Matthias Krenz liebt die Arbeit mit Kindern. Er hat das Down-Syndrom und ist zurzeit in der Kita in Friedlos beschäftigt. Begeistert von dem jungen Mann ist die kleine Ivy, die ebenfalls das Down-Syndrom hat.

Der 31-jährige Matthias Krenz hat das Down-Syndrom. Er arbeitet in der Kita in Friedlos - und ist für Kinder und Kollegen eine große Bereicherung.

Friedlos – Matthias Krenz liebt seine Arbeit in der Kindertagesstätte „Piratennest“ in Friedlos sehr. Es gehört zu seinen Ritualen, jeden Morgen und jeden Mittag durch alle Räume zu gehen und alle persönlich zu begrüßen bzw. zu verabschieden. Matthias Krenz hat das Down-Syndrom und ist deshalb in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung beeinträchtigt.

Für die Kita ist er jedoch eine große Bereicherung, betont Erzieherin Nina Güldner. Der junge Mann kam zunächst für ein dreimonatiges Praktikum ins Piratennest. Inzwischen hat er dort einen Jahresvertrag. Betriebsintegrierte Beschäftigung nennt sich das Modell, das in Kooperation mit der Werkstatt für behinderte Menschen läuft. Ziel ist die Integration von Menschen mit Behinderungen in den regulären, den ersten Arbeitsmarkt.

22 Stunden in der Woche arbeitet Matthias Krenz im „Piratennest“. Er spielt mit den Kindern, schaut mit ihnen Bücher an, malt und bastelt und macht mit ihnen Späße. „Ich will die Kinder glücklich machen“, sagt der 31-Jährige. Und das gelingt ihm offensichtlich gut. „Die Kinder nehmen ihn ganz toll an und finden es gut, dass er sich so viel mit ihnen beschäftigt“, sagt Nina Güldner. Gerade Ivy die ebenfalls das Down-Syndrom hat, habe ein sehr gutes Verhältnis zu Matthias Krenz.

Die beiden teilen zudem ein Ritual. Auch Ivy ist es ein Anliegen, erst einmal alle zu begrüßen, wenn sie morgens in die Kita kommt. Sie sei bei allen beliebt und immer mittendrin im Geschehen, berichtet Güldner. Die Dreijährige sei sehr empathisch und kümmere sich um Kinder, die weinten oder aber auch Neuankömmlinge. „Da hilft sie den Kindern sehr beim Eingewöhnen“, haben die Erzieherinnen festgestellt.

Großen Wert legt Ivy auf ihre Selbstständigkeit. Was sie alleine machen kann, das will sie auch tun. Sie spielt nicht nur gerne mit den anderen Kindern, sondern auch alleine, sieht sich Bücher an oder spielt das, was sie erlebt mit ihrer Puppe oder mit Stofftieren nach. Die werden dann gefüttert, gewickelt und schlafen gelegt, an den von Ivy gedeckten Tisch gesetzt oder getröstet – ja nachdem, was das kleine Mädchen gerade beschäftigt.

Zunehmend besser klappt es mit der Kommunikation. Ivy kann zwar gut verstehen, aber selber kaum sprechen. Mit Hilfe der Gebärdensprache, die Ivy auch schon zuhause mit ihrer Mutter Simone Dahlmann-Pearce geübt hat, können sich die Erzieherinnen, Matthias Krenz und die anderen Kinder mit der Dreijährigen verständigen.

Matthias Krenz kennt die Gebärdensprache noch aus seiner eigenen Schulzeit in Bebra, erzählt er. Über die Chance, im Kindergarten richtig arbeiten zu können, ist der 31-Jährige froh. Früher war er bereits eine Zeit lang am Klinikum beschäftigt – in der Küche, der Wäscherei und bei den Reinigungskräften. Auch das hat ihm viel Spaß gemacht, vor allem, wenn er die großen Bodenreinigungsmaschinen fahren durfte. Aber die Arbeit mit den Kindern findet er noch besser. Dass er auch beim Aufräumen oder in der Küche helfen muss, stört ihn gar nicht. (Christine Zacharias)

Down-Syndrom, Trisomie 21

Down-Syndrom oder Trisomie 21 wird verursacht durch eine Veränderung im Erbgut des Menschen. Statt 46 Chromosomen haben die Betroffenen 47, das 21. Chromosom ist dreifach vorhanden. Das zusätzliche Chromosom bringt das Gleichgewicht der Erbinformationen durcheinander. Folge sind körperliche und geistige Einschränkungen. Kinder mit Down-Syndrom entwickeln sich ganz unterschiedlich, sie können aber auch viel erreichen. Darauf will der Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März aufmerksam machen. Zahlreiche Organisationen setzen sich zum Beispiel dafür ein, dass Föten mit Down-Syndrom nicht automatisch abgetrieben werden. Derzeit liegt die Abbruchrate von Schwangerschaften bei einer Trisomie 21 bei über 90 Prozent. (zac/Quelle: br.de)

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