Kinderpornos gespeichert - Lehrer zu Geldstrafe verurteilt

Rotenburg. Zu einer Geldstrafe ist ein Rotenburger Lehrer verurteilt worden. Das Amtsgericht Rotenburg sah es als erwiesen an, dass der 61-Jährige Bilder, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, aus dem Internet heruntergeladen hat.

Richterin Stefanie Froitzheim verurteilte den Lehrer gestern wegen "Besitz-Verschaffung kinderpornografischer Bilder" zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 50 Euro.

Nach Einschätzung der Richterin zeigen vier von zehn Bildern, um die es in der Verhandlung ging, definitiv den sexuellen Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren. Auf einem Bild werde sogar ein sehr schwerer Missbrauch gezeigt. Anwalt Sven Schoeller hatte zuvor betont, keine Person auf den Bildern sei unter 14 Jahre.

Der Angeklagte habe sich selbst in den Besitz dieser Bilder gebracht. Das sei in der Beweisaufnahme nachgewiesen worden, betonte die Richterin. Auf dem Computer und dem Laptop seien zwar keine Originalbilder mehr vorhanden gewesen. Sie fanden sich nur noch in Miniaturformat in der Systemdatei Thumbs.db. Im Regelfall sei es aber so, dass dann ursprünglich auch die Originalbilder auf dem Computer gespeichert gewesen seien, erklärte die Richterin. Die Originale seien gelöscht worden.

Dafür spricht nach Angaben der Richterin auch, dass der Angeklagte bei seiner polizeilichen Vernehmung selbst von Originalbildern gesprochen habe, nach denen er gesucht und die er sich angeschaut habe, um zum Schutz seiner Schüler die Abgründe des Internets kennenzulernen.

Es wurden auf seinem Computer aber nicht nur die zehn Bilder gefunden, sondern tausende von Nacktbildern in der Datei Thumbs.db. Teilsweise seien diese Bilder nach heutiger Rechtsprechung auch Kinderpornos. "Die Masse der Bilder zeigt, dass das Interesse des Angeklagten nicht rein pädagogisch gewesen ist", sagte die Richterin.

Auch den Einwand des Verteidigers Sven Schoeller, die Bilder könnten aus Versehen von dem Speicher-Medium eines anderen auf den Computer seines Mandaten kopiert worden sein, hielt die Richterin für nicht schlüssig.

Auf dem Computer waren nach ihren Angaben auch sechs Internet-Favoriten gefunden worden, die auf Seiten mit kinderpornografischem Inhalt weiterleiten. Das zeige das gesteigerte Interesse des Lehrers an solchen Bildern.

Bei "Besitz-Verschaffung" kinderpornografischer Bilder ist eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe möglich. Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist.

Der Anwalt hatte auf Freispruch für seinen Mandanten plädiert. Er sprach von einem unfairen Verfahren und will das Urteil "sehr wahrscheinlich" anfechten. Auch der Angeklagte selbst betonte nocheinmal, er verabscheue den Missbrauch von Kindern, auch auf Bildern.

Von René Dupont

Vom Vorwurf der Nötigung freigesprochen

Beim zweiten Anklagepunkt konnte das Amtsgericht Rotenburg der Staatsanwaltschaft Fulda nicht folgen. Richterin Froitzheim sprach den angeklagten Lehrer vom Vorwurf der Nötigung einer Schülerin frei. Der Lehrer hatte der Schülerin eine DVD mit persönlichen Aufnahmen erstellt und geschenkt. Als sie die DVD später zurückgeben wollte, hatte der Lehrer sie aufgefordert, anderen nichts von dem Geschenk zu erzählen. Nach Angaben der Schülerin hatte er sie dabei fest am Arm gepackt und mit aggressivem Unterton gesprochen. Es sei nicht nachzuweisen, dass der Lehrer damit eine Drohung aussprechen wollte, dass ein Weitersagen Folgen haben werde, betonte die Richterin. Staatsanwalt Müller-Odenwald hielt den Lehrer in beiden Anklagepunkten für schuldig. (dup)

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