Kinderstube am Ufer der Ulster

Neue Storchen-Nisthilfe des Nabu bei Philippsthal wird schon angenommen

Aus Winterquartier eingetroffen: Dieses Storchenpaar hat die Nisthilfe am Ufer der Ulster bei Philippsthal bezogen.
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Aus Winterquartier eingetroffen: Dieses Storchenpaar hat die Nisthilfe am Ufer der Ulster bei Philippsthal bezogen.

Kaum fertiggestellt, sind bereits die ersten Mieter eingezogen: Auf der neuen Nisthilfe an der Ulster bei Philippsthal ist jetzt ein Storchenpaar eingetroffen.

Philippsthal - Dieter Siebold, Vorsitzender der Ortsgruppe Dreienberg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), vermutet, dass es sich bei den Tieren um Jungstörche handelt, die aus den Winterquartieren in Südspanien und Westafrika zurückgekehrt sind. Der Naturschützer hofft, dass die Schreitvögel die Plattform in den nächsten Wochen zum Nest ausbauen und noch im April mit der Brut beginnen. „Manchmal brüten Jungstörche aber auch noch nicht. Sie prägen sich aber den Horst ein und brüten dann ein Jahr später“, erklärt der pensionierte Biologielehrer.

Ob die beiden Philippsthaler Störche in einem der umliegenden Storchenhorste geschlüpft sind oder aus weiter entfernten Regionen stammen, ist noch nicht bekannt. Beide Vögel tragen jedoch Ringe. Mit dem Spektiv, einem starken Beobachtungsfernrohr, will Dieter Siebold nun versuchen, die Ringnummern zu entziffern, um so das Alter und die Herkunft der Tiere nachvollziehen zu können.

Nachdem die Weißstörche in den 1980er Jahren aus fast ganz Hessen verschwunden waren, hat sich ihr Bestand inzwischen wieder erholt. Landesweit verzeichnete der Nabu im vergangenen Jahr 832 Brutpaare mit über 1611 Jungtieren – die meisten davon in Süd- und Mittelhessen, wo laut Nabu-Landesverband nun keine neuen Nisthilfen mehr benötigt werden.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wurden im vergangenen Jahr 14 Weißstorch-Brutpaare gezählt, 2019 waren es zwölf. In den Wiesenauen und Dörfern in Nord- und Mittelhessen gibt es laut Nabu-Landesverband noch viele geeignete Lebensräume für die Wiederausbreitung des Storches – so wie die Ulster-Aue bei Philippsthal. Den Standort der Nisthilfe direkt am Ufer – in Sichtweite der K+S-Abraumhalde und unweit der Landesgrenze zu Thüringen – hatte die Nabu-Ortsgruppe ausgewählt, weil die Störche von dort aus auf den umliegenden extensiv genutzten Wiesen auf Futtersuche gehen können. Zum Nahrungsspektrum der Schreitvögel, die volkstümlich auch als Adebar oder Klapperstorch bekannt sind, zählen unter anderem Kleinsäuger, Froschlurche, Eidechsen, Schlangen, Fische, große Insekten und ihre Larven sowie Regenwürmer und gelegentlich Aas. Die neue Nisthilfe, ein Holzmast mit einer Plattform aus witterungsbeständigem Robinienholz und Weidengeflecht, hatte die Nabu-Gruppe erst im vergangenen Winter mit Unterstützung regionaler Firmen aufgestellt (unsere Zeitung berichtete).

Von Jan-Christoph Eisenberg

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