Dina Kroß und Willi Gebhardt freuen sich auf Heiligabend mit ihren Familien

An die Kindheit erinnern

Mit Weihnachtsstern, Engel und Kerze: Cristina Theresia Kroß, genannt Dina, links, und Willi Gebhardt, rechts, fühlen sich im Kreisaltenzentrum Rotenburg richtig wohl. In der Mitte Leiterin Bettina Wolf. Foto:  Kohlhaase

rotenburg. Das Zimmer strahlt Gemütlichkeit und Geborgenheit aus, es ist schön eingerichtet und lädt sofort zum Verweilen ein. Keine Geschenkehast, keine Hektik - hier ist Weihnachten bereits angekommen. Eine Tischdecke, ein Engel, eine Kerze und ein leuchtend roter Weihnachtsstern - im Zuhause von Cristina Theresia Kroß, genannt Dina, ist es besinnlich. Erst seit sechs Wochen lebt die aus Weiterode stammende 85-Jährige im Kreisaltenzentrum Rotenburg.

„62 Jahre habe ich in Frankfurt-Nordend gewohnt, zehn Minuten zu Fuß von der Hauptwache. Ich habe zunächst bei der Bahn gearbeitet, später im Einzelhandel und war dann ab 1955 Hausfrau“, erzählt Dina Kroß. Vor sechs Jahren verstarb schließlich ihr Mann, vor sechs Wochen ist sie dann nach Rotenburg gezogen. „Das ist so ein schönes Städtchen“, sagt sie mit einem Lächeln.

Vor allem aber hat die 85-Jährige in der Vorweihnachtszeit schnell Anschluss gefunden. Besonders gern unterhält sie sich mit Willi Gebhardt, der ebenfalls noch nicht so lange im Kreisaltenzentrum wohnt. „Ich habe das Maurerhandwerk gelernt und war später als Kesselwärter tätig. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich dann aber früher in Ruhestand gehen“, erinnert sich der Rotenburger.

Zeit verbringen

Seine Frau habe damals zu ihm gesagt, er solle doch in Rente gehen. „Dann hätten wir wenigstens noch ein bisschen Zeit zusammen. Im vergangenen Jahr ist sie dann gestürzt“, erzählt der 80-Jährige mit einem traurigen Blick. Sie lag im Koma und war nicht mehr ansprechbar, ehe sie dann im Juli 2008 verstarb. Wenig später hätten beide noch ihre Goldene Hochzeit feiern wollen. Im September vergangenen Jahres zog er dann ins Kreisaltenzentrum.

Heute Abend hat Willi Gebhardt aber Grund zur Freude, dann nimmt ihn seine Tochter mit nach Hause, wo mit Schwiegersohn und zwei Enkelkindern herzlich gefeiert wird. „Im Elternhaus erinnere ich mich immer sehr an meine Kindheit, an wunderschöne Weihnachten“, erzählt er. Aber er denkt auch an viele Heiligabende mit seiner Frau, die immer sehr schön waren.

Dina Kroß wird von ihrer Nichte abgeholt und feiert heute Abend in Weiterode. „Ich habe noch viele Bekannte in Frankfurt, und die werden mich vielleicht auch ein wenig vermissen. Mit meiner besten Freundin telefoniere ich aber jede Woche, und sie hat gesagt, mich im neuen Jahr besuchen zu wollen“, sagt die 85-Jährige, die gemeinsam mit Willi Gebhardt bereits eine wunderschöne Weihnachtsfeier im Kreisaltenzentrum erlebt hat. Am 1. Weihnachtstag besucht sie dann den Sohn ihrer Nichte in Kassel.

Keine Einsamkeit

Von Einsamkeit wollen beide nichts wissen, auch wenn sie abends nach den Feierlichkeiten wieder ins Kreisaltenzentrum zurückkehren müssen. „Wir basteln hier, machen Gymnastik und fühlen uns richtig wohl. Das ist wie eine neue Familie“, weiß Dina Kroß. Und außerdem hat sie ein gemütliches Zimmer, das auch nach den Weihnachtsfeiertagen noch einlädt zu einem Plaudernachmittag. Vielleicht mit Willi Gebhardt, denn viel zu erzählen haben sich die beiden ja immer.

Von Torsten Kohlhaase

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