Wochenendporträt: 79-Jähriger aus Gershausen ist Hans im Glück

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Eine seiner Leidenschaften: Als Umwelttrainer bringt Hans Fink aus Gershausen Kindern die Natur näher. Unser Bild zeigt den 79-Jährigen beim Obstbaumschnitt in seinem Garten in Gershausen.

Gershausen. „Ich habe eigentlich immer Glück gehabt", betont Hans Fink. „Hans im Glück", fügt er mit einem schelmischen Lächeln hinzu. In Kürze wird der Gershäuser 80 Jahre alt.

„Das sagt zumindest mein Ausweis“, sagt er achselzuckend. Das hält ihn aber nicht davon ab, sich für andere zu engagieren. Im Gegenteil.

Seit etwa einem Jahr kümmert sich der 79-Jährige um die Bewohner der Kirchheimer Flüchtlingsunterkunft. Er half den Migranten beim Deutsch lernen: „Ich habe ihnen einfache Begriffe beigebracht: Das ist ein Tisch, das ist ein Stuhl das ist ein Baum“. Fink hat die Flüchtlinge zum Wandern und Volleyballspielen eingeladen und alte Fahrräder organisiert.

„Wir haben sie nicht gerufen. Aber sie sind da. Deshalb müssen wir ihnen helfen“, ist er überzeugt. Menschen in Not zu unterstützen, das sei er seit seiner Kindheit in den Kriegs- und Nachkriegsjahren so gewohnt, als die Flüchtlinge vor der Tür gestanden und die Evakuierten aus den Großstädten noch im Haus gelebt hätten. Sprüche wie „die Ausländer kosten doch nur Geld“ ausgerechnet von denen zu hören, die einst selbst als Heimatvertriebene nach Kirchheim kamen, macht den Rentner nachdenklich.

Für Fink selbst hatte nach Kriegsende schlagartig das Berufsleben begonnen. Der Vater war gefallen, mit 14 Jahren musste er den elterlichen Hof führen. „Wenn man die Felder mit einem Kuhgespann bestellen musste, dann hat man einen Jugendtraum“, erzählt der 79-Jährige. Den hat er sich erfüllt und im Alter von 56 Jahren das Reiten gelernt. Zwei Pferde stehen im Stall neben dem Wohnhaus, noch immer sitzt der Gershäuser regelmäßig im Sattel. Nach der Landwirtschaftsschule und verschiedenen Gelegenheitsjobs arbeitete er als Vertreter für die Viehverwertungsgenossenschaft.

Mit Mitte 30 entschloss Hans Fink sich zu einer Kaufmannslehre. Lange blieb er nicht in diesem Beruf: „Eigentlich wollte ich nur eine Fahrgelegenheit für meine Cousins zur Behindertenwerkstatt organisieren.“ Daraus wurden 23 Jahre als Gruppenleiter bei den Sozialen Förderstätten in Bebra und später in Bad Hersfeld.

Daneben engagierte sich der Gershäuser ehrenamtlich: Als Wehrführer und Gemeindebrandinspektor, im Kirchenvorstand, Sportverein, als Ortsvorsteher von Gershausen und Gemeindevertreter und Kreistagsabgeordneter für die CDU. Als einer der Ersten ließ der Rentner sich in Licherode zum Senioren-Umwelttrainer ausbilden. Jetzt bringt er Kindern im Kirchheimer Generationengarten näher, wie Lebensmittel angebaut werden. Hans Fink hält sich fit. Neben dem Reiten spielt er Volleyball, geht schwimmen und fährt im Winter Langlaufski am Eisenberg. Gemeinsam mit seiner Frau hält er Haus und Garten in Schuss und freut sich, dass die drei Töchter ihre Familien haben und die sieben Enkel alle studieren oder auf dem Weg zum Abitur sind.

„Wenn das kein Glück ist“, unterstreicht er.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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