Firma Bickhardt Bau AG nutzt 3D-Technik

Funksignale statt Fahrdraht beim Autobahnbau am Kirchheimer Dreieck

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Sebastian Bock richtet die Tachymeter Totalstation exakt aus. Er ist die Schnittstelle zwischen Vermessungs- und Einbauteam.

Dir Baufirma Bickhardt Bau AG setzt beim Autobahnbau am Kirchheimer Dreieck eine neue 3D-Technik zur Vermessung ein. Diese eignet sich besonders für komplexe Baustellen. 

„Wir befinden uns hier auf einer äußerst komplexen Baustelle mit vielen Fahrspuren mit verschiedenen Neigungen und am Ende muss alles übergangslos zueinander passen. Deshalb haben wir uns hier für den Einsatz der neuen Technik entschieden“. erläutert Thomas Kötter, Fachbauleiter Asphalt der Kirchheimer Bickhardt Bau AG.

Wir stehen auf der A4 in Fahrtrichtung Osten, am Kirchheimer Dreieck etwa da, wo die Spange von der A7 aus Richtung Süden einmündet und der Fachmann spricht von der vollautomatischen 3D Steuerung, die den Asphalt-Einbaufertiger hinter uns auf Kurs hält. Dabei fährt der Fertiger entlang einer virtuellen Linie, die aus diversen Parametern zusammengestellt ist. Zunächst wird durch die Vermessungsabteilung des Unternehmens ein so genanntes elektronisches Deckenbuch vorbereitet, in dem im Prinzip die Lage und Neigungen der Fahrbahnen dargestellt sind. Das wird in das Steuersystem der Maschine eingespielt. Zudem empfängt das Arbeitsgerät GPS-Signale über zwei auf dem Dach montierte Antennen und kann so zentimetergenau in der Lage geortet und gesteuert werden.

Was jetzt noch fehlt, sind exakte Höhenangaben. Dazu werden bei dem Leica PaveSmart 3 D System – so die offizielle Bezeichnung – so genannte Tachymeter Totalstationen eingesetzt. Diese Stationen steuern die Höhe der Einbaubohle millimetergenau und sorgen auch für die richtige Menge und Verteilung des Einbaumaterials.

Zwei dieser Stationen im Abstand von rund 250 Meter, eine vor, eine hinter dem Fertiger sind für die genauen Angaben nötig. Die Tachymeter wiederum beziehen ihre Positionsdaten über mindestens drei vermessungstechnische Festpunkte, die bundeseinheitlich an markanten, ausgewählten Orten vorhanden sind, als Basis für alle vermessungstechnischen Arbeiten genutzt werden und nur im Ausnahmefall durch zusätzliche eigene Festpunkte im Bereich der Baustellen ergänzt werden müssen. So lassen sich die Tachymeter innerhalb weniger Minuten auf- oder umstellen und als Signalgeber einrichten.

Bisher muss der Maschinenführer den Fertiger entlang eines sogenannten Fahrdrahts in Position halten. Dazu werden im Abstand von jeweils fünf Metern tausende von Eisenpins zu beiden Seiten der Fahrbahn eingeschlagen und daran ein in Lage und Höhe millimetergenau eingemessener Draht befestigt. Der gibt den Weg des Fertigers mittels mechanischer Verbindung oder per Ultraschall vor, eine Heidenarbeit für ein Vermessungsteam. Zudem stört der Draht die materialanliefernden LKWs beim Rangieren.

Neben der Einsparung von Zeit und Kosten soll mit dem neuen Verfahren auch eine höhere Einbaugenauigkeit und ebenere Straßenoberflächen erzielt werden. Der Mann auf der Maschine hat dabei fast nur noch Kontrollfunktionen, wobei sich das System auch ständig selbst überwacht und bei einer auftretenden Störung den Fertiger sofort stoppt. Noch sei das 3D-System aus verschiedenen Gründen nicht auf allen Baustellen einsetzbar, erläutert Bauleiter Michael Schmidt. Dafür könne es andererseits auch zur Steuerung anderer Maschinen benutzt werden, beispielsweise bei Fräsarbeiten oder beim Einbau von Erd- oder Schotterschichten im Unterbau der Straßen. Der für die PR zuständige Thorsten Sindel, geht davon aus, dass die „digitale Fernsteuerung“ der Fahrzeuge schon in naher Zukunft Standard sein wird.

Von Bernd Löwenberger

Quelle: Hersfelder Zeitung

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