Fehlalarm in Heringen

Eichenprozessionsspinner wieder in Kirchheim entdeckt: Giftraupe hat sich eingenistet

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Manfred Koch zeigt, wo die Nester auf dem Parkplatz am Schwimmbad in Kirchheim waren.

Bauhof-Mitarbeiter haben in diesem Jahr 40 Nester der giftigen Raupe am Freibad-Parkplatz und an der Grundschule Aulatal entfernt.

Die Gemeinde Kirchheim wird den Eichenprozessionsspinner nicht los. Im vergangenen Jahr wurden rund 20 Nester entdeckt.

Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch (SPD) befürchtet, dass sich der Schädling in und um Kirchheim nun dauerhaft eingenistet haben könnte. „Vielleicht ist der Eichenprozessionsspinner durch das veränderte Klima nun in unserer Region heimisch geworden.“

Die feinen Brennhaare der Raupen können bei Kontakt zu Hautjucken, Atemnot und zu einem allergischen Schock führen. Sie brechen leicht ab und können auch über die Luft übertragen werden. Für eine Eiche kann der Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner nach zwei Jahren in Folge den Tod bedeuten. Die Raupen schlüpfen zwischen April und Mai. Sie verpuppen bis Juli. Dann entwickeln sich die Raupen zu Nachtfaltern, von denen keine Gefahr ausgeht.

Die Nester in Kirchheim wurden mit Wasser besprüht und in einen verschließbaren Eimer gelegt. Dann wurden sie verbrannt. Anschließend wurde die Baumrinde abgeflämmt, um Brennhaare und möglicherweise noch versteckte Larven zu beseitigen. „Beim Abflämmen wurde besonders darauf geachtet, dass die Bäume keinen Schaden nehmen – gerade bei den hohen Temperaturen“, sagt Koch.

Auch bei der Stadt Heringen wurde zuletzt ein Nest gemeldet. Dabei handelte es sich aber um einen Fehlalarm. „Wir haben an der Stelle kein Nest entdeckt“, sagt Bauhof-Chef Thomas Fritsch. Gleiches gilt für die Stadt Rotenburg. „Wir haben Gott sei Dank noch keine Probleme“, sagt Rotenburgs Forstamtleiter Hans-Werner Führer.

Und auch in Bad Hersfeld wurde kein Schädling gesichtet. Weder in der Stadt noch in den Wäldern. „Und wir sind froh über jeden Monat, in dem der Eichenprozessionsspinner nicht bei uns ist“, sagt Meik Ebert, Pressesprecher der Stadt Bad Hersfeld.

Prozession zur Futtersuche

Die  haarigen Raupen treten hauptsächlich an Eichen, aber zunehmend auch an anderen Bäumen in Wäldern und Städten auf. Der Name Eichenprozessionsspinner ist dabei auf die Gewohnheit der einzelnen Raupen zurückzuführen, sich zu typischen Prozessionen zusammenzuschließen. So machen sie sich größer und erscheinen damit Fressfeinden wie Vögeln als Schlange.

Nester sind oft gut versteckt

Alle Nester der Eichenprozessionsspinner an Kirchheims öffentlichen Plätzen wurden höchstwahrscheinlich entfernt, sagt Bürgermeister Manfred Koch. „Wir haben die giftige Raupe mit bestem Gewissen bekämpft“, so Koch. Bauhof-Mitarbeiter suchten kritische Bereiche, in denen sich vor allem Kinder aufhalten, fast täglich ab. Koch hatte die Schule und den Kindergarten in Kirchheim darum gebeten, auf Ausflüge in ein nahe gelegenes Wäldchen zu verzichten. 

Doch nicht jedes Nest könne leicht entdeckt werden – vor allem in dicht bewachsenen Waldstücken. Zudem hängen einige Nester sehr hoch in den Baumkronen. Sie mussten mithilfe eines Hubsteigers entfernt werden. Auch auf einem privaten Grundstück wurde ein Nest gemeldet. Es wurde von privaten Schädlingsbekämpfern beseitigt. 

Koch hatte zunächst gehofft, dass sich der Schädling nicht in der Region einnisten würde. „Letztes Jahr dachte ich noch, dass vielleicht ein Nachtfalter von einem Lkw abgefallen sei. Doch vermutlich ist der Grund für die Ausbreitung das sich verändernde Klima.“ Vor einem Jahr hatte die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim die Nester entfernt. „Obwohl die Feuerwehr sehr gründlich gearbeitet hatte, ist der Eichenprozessionsspinner wieder aufgetaucht“, sagt Koch. 

Wie häufig der Schädling in der Zukunft in und um Kirchheim noch auftreten wird, wollte der Bürgermeister nicht prognostizieren. „Ich kann nicht beurteilen, wie schlimm es in den nächsten Jahren wird."

Von Jan Wendt

Quelle: Hersfelder Zeitung

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