Wie ein Sechser im Lotto

Kirchheimer hat Stammzellen für eine Leukämiekranke gespendet

lebensretter: Joachim Ruppel aus Kirchheim bei der Stammzellenspende in Frankfurt. Rechts Ehefrau Silke, die ebenfalls Mitglied in der Feuerwehr ist. Foto: Steinert/nh

Kirchheim. Die Chance, für einen Leukämiekranken einen geeigneten Stammzellenspender zu finden, liegt bei eins zu mehreren Millionen. „Das ist wie ein Sechser im Lotto“, unterstreicht Joachim Ruppel.

Für eine junge Blutkrebs-Patientin dürfte der 52-jährige Kirchheimer einem Lottogewinn gleichkommen.

Angefangen hat alles im Februar 2004: Die Wildecker Feuerwehren hatten eine Typisierungsaktion für ihren Gemeindebrandinspektor initiiert. Joachim Ruppel war mit der Kirchheimer Feuerwehr angereist und wurde in der deutschen Stammzellspenderdatei registriert.

Anfang 2016, fast 12 Jahre später, klingelte bei Ruppel das Telefon. Er komme möglicherweise als Spender in Frage. Weitere Voruntersuchungen folgten.

Ein für Mitte des Monats angesetzter Spendetermin wurde verschoben. „Der Patientin ging es zu schlecht“, erklärt der Kirchheimer – und die entnommenen Stammzellen müssten innerhalb von 24 Stunden transplatiert sein. Begleitet von Ehefrau Silke fuhr Joachim Ruppel Ende März zur Stammzellenspende ins DRK-Blutspendezentrum Frankfurt. Sein Arbeitgeber, die Melsunger Edeka-Zentrale, habe sein Vorhaben unterstützt und sogar die Lohnausfallkosten übernommen, die normalerweise die Stammzellspenderdatei trägt. Dem Kirchheimer wurden die Zellen mit der sogenannten peripheren Blutstammzellenspende entnommen. Über zwei Venenzugänge wurde sein Blut durch eine Apparatur geleitet, welche die Stammzellen herausfilterte. Fünf Tage lang war ihm vorher ein Medikament gespritzt worden, das die Stammzellenproduktion anregt. „Vier bis fünf Stunden sollte die Entnahme eigentlich dauern“, erzählt der Kraftfahrer. Bereits nach zweieinhalb Stunden sei aber der Plastikbeutel mit der wässrig-roten Flüssigkeit gefüllt gewesen. Durch das angeregte Zellwachstum habe er ein wenig Knochenschmerzen gehabt, berichtet Ruppel – sonst sei keine der möglichen Nebenwirkungen des Medikaments eingetreten. Von der Empfängerin seiner Stammzellen weiß der Kirchheimer nur soviel: Eine Frau aus Deutschland, 1986 geboren. Mit etwas Abstand zur Spende sei ein anonymer Kontakt möglich, nach zwei Jahren auch ein persönliches Treffen. Der 52-Jährige würde sich freuen, wenn das zustande käme. Womöglich ein Leben gerettet zu haben, sei auf jeden Fall ein gutes Gefühl.

Gemeinsam mit seinen Feuerwehrkameraden will Ruppel weitere Menschen zur Typisierung ermutigen. „Viele haben Angst, weil sie denken, dass die Spende aus dem Rückenmark entnommen wird“, vermutet Ruppels Frau Silke. Ein Irrglaube. Neben der Blutstammzellenspende gebe es noch die Möglichkeit der Entnahme aus den Beckenknochen.

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