Zwölf Zeugen und kein klares Bild

Kirmesschlägereien beschäftigten das Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld 

Bad Hersfeld. Der erste Teil der Geschichte begann mit dem löblichen Vorsatz einer Gruppe von jungen Männern aus dem Raum Rotenburg, eine Disco-Veranstaltung nahe Spangenberg zu später Stunde und voll des Alkohols Richtung Heimat zu verlassen.

Der letzte Teil der Geschichte spielte sich jetzt vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld ab, wo gegen einen 19-jährigem Auszubildenden wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen verhandelt wurde.

Zwischen Anfang und Ende lagen zwei Gewalttaten, deren detaillierte Aufklärung wie so oft bei Kirmes- und Disco-Schlägereien ein Ding der Unmöglichkeit war, weil das Erinnerungsvermögen von Beteiligten und Zeugen durch die vergangene Zeit und die damals erreichten Promillezahlen erheblich getrübt ist.

Klar wurde jedoch, dass in beiden Fälle nichtige Anlässe wie ein falsches oder nur falsch aufgefasstes Wort ausreichten, um erst die Fäuste fliegen zu lassen und schließlich sogar auf ein am Boden liegendes Opfer einzutreten.

An die Spangenberger Geschichte, geschehen am 13. März 2016, konnte sich der Angeklagte immerhin noch grob erinnern und räumte auf Anraten seines Verteidigers Harald Ermel die Vorwürfe ein. Die Details und das eventuelle Mitmischen eines 23-jährigen Alheimers blieben jedoch im Dunkeln. Das Verfahren gegen den Mitangeklagten wurde gegen Zahlung von 200 Euro eingestellt.

Den zweiten Vorfall von der Obergeiser Kirmes am 23. Oktober vergangenen Jahres hatte der Suff jedoch komplett aus dem Gedächtnis des Rotenburgers gelöscht. Leidtragender war hier ein 21-Jähriger aus Ludwigsau, der plötzlich am Boden lag, getreten wurde und nachher mit einer Gehirnerschütterung und anderen Verletzungen ins Krankenhaus musste. Gesehen hatten die Zeugen alles Mögliche, aber nur wenig Hilfreiches. Alleine auf einen Security-Mann, der zwar nicht die Vorgeschichte, aber den Tritt beobachtet hatte, war eine Verurteilung zu stützen.

Der Aufwand für einen solchen Prozess ist erheblich: Das Urteil fiel erst am Nachmittag, nachdem sage und schreibe zwölf Zeugen vernommen worden waren.

Für den Angeklagten sollte sich diese Ausführlichkeit jedoch lohnen: Statt der durchaus möglichen Jugendstrafe kam am Ende für einfache Körperverletzung ein Anti-Agressionstraining heraus plus die Zahlung von jeweils 200 Euro als Entschuldigung für die beiden Opfer. (ks)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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