Kita, Kurse und Ersatzomas: Unterstützung für Familienzentrum

Historisches Gebäude für ein historisches Unterfangen: Das alte Finanzamt an der Weidenberggasse in Rotenburg soll künftig eine Kindertagesstätte und ein Familienzentrum beherbergen. Dafür haben sich bereits die Ausschüsse einstimmig ausgesprochen. Gestern Abend war das Projekt Thema in der Stadtverordnetenversammlung. Ein Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Archivfoto: sis

Rotenburg. „Das Familienleben wird immer bunter, aber nicht leichter", sagt Petra Rang. Sie weiß das von Berufs wegen.

Die Leiterin der Kindertagesstätte an der Egerländer Straße in Rotenburg und Koordinatorin der städtischen Kindertagesstätten hat gemeinsam mit ihrem Fachdienstleiter Thorsten de Weerd ein Konzept für ein Familienzentrum erarbeitet.

Ihre Erläuterungen dienen den Stadtverordneten zur Entscheidungsfindung. Sowohl Haupt- und Finanzausschuss als auch Sozialausschuss haben in dieser Woche einstimmig den Ankauf des ehemaligen Finanzamtes an der Weidenberggasse befürwortet, um das Gebäude als Kindertagesstätte (Kita) mit angegliedertem Familienzentrum zu nutzen. Damit würde die Kita an der Egerländer Straße ersetzt. Sie müsste eigentlich grundlegend saniert und erweitert werden - wir berichteten.

Klassisches Modell bröckelt

Die Einrichtung eines Familienzentrums wird als wichtig angesehen, weil das klassische Familienmodell „Vater-Mutter-Kinder“ bröckelt. Es gibt mehr alleinerziehende Elternteile, berufstätige Eltern und auch mehr Eltern, die bei der Kindererziehung Unterstützung benötigen. Das geht aus den Erläuterungen hervor, die Petra Rang und Thorsten de Weerd für die Kommunalpolitiker erarbeitet haben.

Das Familienzentrum in verbindung mit der Kita soll Beratungsangebote, Kurse und Freizeitangebote für Rotenburger aller Altersklassen anbieten sowie eine Betreuung vom Grundschulalter bis zum Seniorenbereich. Dort soll aber auch das Leben in der Gemeinschaft verbessert werden - zum Beispiel durch Feste.

„Das Ganze soll so niedrigschwellig wie möglich laufen“, erklärt Rang. Sie ist gerade zu einer Fortbildung im Odenwald, bei der es um die Bedarfsanalyse geht.

Einfache Beispiele: Über das Familienzentrum können Babysitter vermittelt werden. Oder junge Familien, die nach Rotenburg ziehen, können sich über das Zentrum eine „Oma“ oder einen „Opa“ suchen, die bei der Kinderbetreuung helfen. Das Angebot gilt natürlich für alle Rotenburger, weil es die klassische Großfamilie kaum noch gibt.

Kochen und Sprache lernen

Im Familienzentrum könnten auch Sprachkurse für Flüchtlingseltern stattfinden, während das Kind in der Kita betreut wird. Oder es können Kochkurse für junge Mütter angeboten werden - wichtig in Zeiten, in denen alle Kochshows gucken, aber keine Bratkartoffeln mehr hinbekommen.

Unterstützung sollen auch Alleinerziehende erhalten. In 20 Prozent der Haushalte sorgen die Frauen für das Familieneinkommen. Sie müssen entlastet werden - zum Beispiel durch Kinderbetreuung auch in den Ferien. Wichtig sei die Anbindung an die Kita, weil dort die Familienarbeit mithilfe einer Institution beginnt. Mit ins Boot sollen Kreis, Kirche, Awo, Schulen - kurz, alle, die schon jetzt mit Familien zu tun haben.

Von Silke Schäfer-Marg

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