Klangwunder aus starken Kehlen

Fabelhafter Auftritt des Don-Kosaken-Chors in Cornberg

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Stimmig: Aus voller Brust und mit Hingabe schmetterten die Don Kosaken in der Cornberger Klosterkirche ihren Gesang.

Cornberg. Eine umwerfende Stimmgewalt und wundervolle russische Weisen: Die gab es am Wochenende in der Klosterkirche Cornberg zu hören. In der Hauptrolle: Der Don-Kosaken-Chor.

Einmal so dastehen - und singen. Den Körper aufrecht, die Arme zum Rücken geführt, damit das Zwerchfell sich dehnen kann. Den Kehlkopf für Tieftöne entspannt, für die Höhe angespannt, für die große Lautstärke mit heftigem Glottisschlag (= dem Aufspringen der Stimmritze, die von den elastischen Stimmbändern umschlossen wird). Und dann Vokale, Konsonanten bilden, die vom Luftstrom aus dem Brust- und Bauchraum in Schwingung versetzt werden. Die Physis des Singens, wie sie die 16 Sänger des Don-Kosaken-Chores mustergültig vor Augen und Ohren führten.

Wo einst, zwischen 1296 und 1526, die Benediktinerinnen ihre Stundengebete sangen, da antworteten nun starke russische Männer auf ihre Weise unter dem gotischen Sterngewölbe. Die Klosterkirche Cornberg war am Sonntagnachmittag voll besetzt und die Zuhörer ein ums andere Mal begeistert.

Alles hat überwältigende Tradition und tiefe Verwurzelung im südrussichen Heimatboden, seit der legendäre Chormeister Serge Jaroff (1896-1985) dieses Kulturgut nach Westen exportierte: die gegürtete und gestiefelte schwarze Kosakenkluft mit rotem Streifenbesatz an den Hosen, die Zweiteilung des Programms in einen sakralen und einen Volksliedsektor und natürlich die Singaktion selbst.

Wie oft mögen sie - auch unter dem aktuellen und sensibel führenden Chorleiter Wanja Hlibka das „Alliluija“ und „Gospodi pomiluij“ (Herr, erbarme dich), die „Vechernij zvon“ (Abendglocken), „Podmoskovskije vechera“ (Moskauer Nächte) und „Kalinka“ angestimmt haben - und doch tönt all das urwüchsig und wie eben erlebt. Und wenn sich gegen Ende, nach eineinhalb Stunden, die Stimmung gelockert hat, dann kehren sie gar den Angeber, den Straßensänger und Trunkenbold hervor -Männer halt.

Für das Publikum schön zu sehen, wie das Stimmspektrum von links nach rechts sich reiht vom kopfstimmigen Diskant, fast Sopran, über den Tenor und Bariton bis zum Tiefbass. Auch wie die Solisten - fast jeder kommt dran - gern die Arme nach vorn an den Hosenbund nehmen und das Kollektiv dann oft summend begleiten. So entstehen drei- und vierstimmige Klangwunder von meist getragenem Duktus, die einen ganzen vokalen Himmel auszukosten scheinen und in Dmitrij Bortnjanskijs „Ich bete an die Macht der Liebe“ münden. Zugaben, Dank, weihnachtliche Wünsche und das Versprechen, einmal wiederzukommen.

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