Überrascht sind alle

Bürgermeisterwahl in Cornberg: Das sagen die Verlierer und die Gewinnerin zum Ergebnis

Bürgermeisterwahl 2020 in Cornberg: Katja Gonzalez Contreras (oben) ist zur Nachfolgerin von Achim Großkurth gewählt worden. Sie setzte sich gegen (von links) Franziska Bolz, Alfred Knoch und Dieter Kempka durch.
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Bürgermeisterwahl 2020 in Cornberg: Katja Gonzalez Contreras (oben) ist zur Nachfolgerin von Achim Großkurth gewählt worden. Sie setzte sich gegen (von links) Franziska Bolz, Alfred Knoch und Dieter Kempka durch.

65,1 Prozent im ersten Wahlgang bei drei Gegenkandidaten: Die neue Cornberger Bürgermeisterin Katja Gonzalez Contreras hat ein starkes Ergebnis eingefahren.

Cornberg – Auch die 47-Jährige selbst hat die Deutlichkeit überrascht. Der Grund für den deutlichen Sieg? Den Löwenanteil der Stimmen holte die Cornbergerin mit 83,1 Prozent in ihrem Heimatort, wo es 672 Wahlberechtigte gibt. Rockensüß und Königswald haben zusammen nur 443. „Viele Cornberger haben mir im Wahlkampf signalisiert, dass sie gerne eine Bürgermeisterin aus ihrem Ortsteil haben wollen. Ich habe aber auch in Rockensüß und Königswald sehr gute Gespräche geführt. Für mich ist klar, dass wir immer die Gemeinde als Ganzes betrachten müssen und keine Unterschiede zwischen den Ortsteilen machen dürfen“, sagt sie.

Nun sind es nur noch vier Wochen bis Amtsantritt – eine außergewöhnlich kurze Übergangszeit. In der Kreisverwaltung ist die 47-Jährige als Arbeitsvermittlerin für Schwerbehinderte und Menschen in der Rehabilitation zuständig und außerdem Social Coach für Hartz-IV-Empfänger. Sie hilft bei Arztbesuchen, Rentenanträgen und vermittelt auch hier Arbeitsstellen. In beiden Arbeitsfeldern ist sie derzeit alleine tätig. Die Details zum Nachbesetzungsprozess sollen laut Kreisverwaltung „schnellstmöglich geklärt werden.“ Die Wahlsiegerin hat noch Urlaubstage übrig und kann Überstunden abbauen. Die Zeit möchte sie nutzen, damit es mit Amtsinhaber Achim Großkurth zumindest eine „Mini-Übergabe“ gibt. „Er hat aber auch schon signalisiert, dass er nicht aus der Welt ist und bei Fragen jederzeit zur Verfügung steht.“

Überrascht ist die Cornbergerin, dass der Erste Beigeordnete Alfred Knoch nur 18 Prozent bekommen hat. Das sagt auch Knoch selbst. „Ich denke, dass das Alter den Ausschlag gegeben hat“, sagt der 61-Jährige. Außerdem habe es wohl vielen nicht gefallen, dass er so deutlich gesagt habe, dass er die Arbeit des aktuellen Bürgermeisters weiterführen will. Der Rockensüßer gratuliert seiner Kontrahentin und wünscht ihr „eine glückliche Hand“. Tritt der Erste Beigeordnete nach der deutlichen Wahlschlappe, die ihn sehr enttäuscht, nun zurück? „Ich denke nicht daran, jetzt in den Sack zu hauen.“

Franziska Bolz (8,1 Prozent) sagt zum Wahlergebnis: „Ich gratuliere Frau Gonzalez Contreras und finde es gut, dass eine Frau gewählt worden ist. Ich hoffe, dass sie nun ihr Können unter Beweis stellen kann.“ Sie habe eigentlich mit einer Stichwahl gerechnet. Will sie trotzdem künftig Kommunalpolitik machen? „Auf jeden Fall. Wir überlegen, eine neue Bürgerliste zu gründen.“

Dieter Kempka (8,4 Prozent) betrachtet das Wahlergebnis nüchtern. Es sei ein fairer Wahlkampf mit unterschiedlichen Meinungen gewesen. „Enttäuscht bin ich natürlich. Ich wünsche der neuen Bürgermeisterin alles Gute, auch wenn ich glaube, dass es für sie wegen der finanziellen Rahmenbedingungen schwierig wird.“ Er wisse nicht so ganz, ob sein schlechtes Ergebnis mit seiner Person zusammenhängt oder damit, dass die Menschen nicht bereit für eine Gemeindefusion sind.

Dafür war Kempka ebenso deutlich eingetreten wie Bolz – beide zusammen kommen auf nur 16,5 Prozent. „Ich glaube, dass die meisten Bürger Angst davor haben“, sagt die 35-Jährige. Diese Angst, beim Zusammenschluss mit einer größeren Kommune zum Beispiel Kita und Schule zu verlieren, sei im Wahlkampf aktiv geschürt worden. Knoch freut sich hingegen trotz seiner Niederlage, dass die Bürger eine Fusion offenbar nicht wollen. Das ist auch der Eindruck der Wahlsiegerin. „Aber wenn, dann müsste es von den Bürgern kommen – und nicht von Kandidaten, die das schon vor der Wahl anleiern“, sagt sie. Franziska Bolz hatte im Wahlkampf zahlreiche Nachbarbürgermeister besucht.

Von Christopher Ziermann

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