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Kirche ruft zum Klimafasten auf

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Praktische Tricks, die das Klima schonen: Julian Rösner und Nadine Löhken vom Orga-Team der Ortsgruppe Fridays for Future in Bad Hersfeld empfehlen Stoffbeutel, Obstnetze, Mehrwegtrinkflaschen und Tupperdosen anstelle von Einmal-Artikeln.
Praktische Tricks, die das Klima schonen: Julian Rösner und Nadine Löhken vom Orga-Team der Ortsgruppe Fridays for Future in Bad Hersfeld empfehlen Stoffbeutel, Obstnetze, Mehrwegtrinkflaschen und Tupperdosen anstelle von Einmal-Artikeln. © Laura Hellwig

Heute beginnt die Fastenzeit. Unter dem Motto „So viel du brauchst...“ ruft die evangelische Kirche in diesem Jahr zum Klimafasten auf.

Bad Hersfeld - Der Fokus soll auf dem Thema Ernährung liegen. Mit der Aktion sollen Menschen dafür gewonnen werden, in den kommenden sieben Wochen die eigene Ernährung, den Einkauf sowie die Zubereitung von Lebensmitteln in den Blick zu nehmen, heißt es in der Pressemitteilung der evangelischen Landeskirche. Neben den bereits genannten Themen gibt es noch zahlreiche andere Lebensbereiche, in denen man für das Klima fasten kann. Im Gespräch mit dem Orgateam der Ortsgruppe Fridays for Future haben Nadine Löhken und Julian Rösner einige kleine aber hilfreiche Tipps und Tricks verraten, wie jede und jeder im Alltag dem Klima etwas Gutes tun kann. „Es geht nicht um Verbote. Es geht darum, bewusster mit einigen Dingen umzugehen“, sagen die beiden.

Einkaufen

Erst kürzlich wurde wieder ein neuer Wurst- und Fleischautomat eines ortsansässigen Bauern in Betrieb genommen. Diese neue Form der Direktvermarktung hat, ebenso wie der klassische Hofladen, viele positive Nebeneffekte. „Man hat dadurch eine Verbindung zu den Lebensmitteln“, sagt Rösner. Zudem unterstützt man die heimische Wirtschaft und spart Transportwege und somit CO2.

Geld sparen und weniger Lebensmittel verschwenden kann man, indem man gezielter Einkaufen geht, Essenspläne erstellt und Listen schreibt, sagt Löhken.

Ein Joghurt und eine Packung Käse müssen außerdem nicht direkt in die Mülltonne fliegen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum kürzlich abgelaufen ist. „Wir können uns da auf unsere Sinne verlassen“, rät Rösner. Oft könne man sehen oder riechen, ob ein Produkt nicht mehr genießbar ist.

Verpackungen

Löhken und Rösner empfehlen, im Supermarkt mehr zu losem Obst und Gemüse zu greifen. Auf diese Weise spare man nicht nur an Verpackungsmüll, zumeist handle es sich dabei auch um Bio- oder regionale Produkte.

Zwar gibt es seit Januar dieses Jahres ein Verbot von Plastiktüten im Einzelhandel, die Einwegtüten für Obst und Gemüse sind aber von diesem Verbot ausgenommen. Stattdessen kann man ein wiederverwendbares Obstnetz benutzen.

Nicht nur der Verpackung wegen sollte man auf Fertiggerichte verzichten. Die darin enthaltenen Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker tun der Gesundheit ohnehin nicht besonders gut. Auch selbst kochen kann schnell gehen, oder aber man kocht größere Portionen und friert diese ein.

Im Hygiene-Bereich gibt es ebenfalls einige plastikfreie Artikel, zum Beispiel Bambus-Zahnbürsten oder wiederverwendbare Reinigungspads, die Wattepads ersetzen können.

Alltag

In den eigenen vier Wänden sind es häufig die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen können. „Man sollte das Licht nicht so lange anlassen und auch nur in den Räumen, in denen sich Leute aufhalten“, weiß die achtjährige Magdalena, Löhkens Tochter. Außerdem sollte man die Wohnung eher auf konstanter Temperatur halten, das spare mehr Energie, als das wiederholte, komplette Hochfahren der Heizung in einer ausgekühlten Wohnung. „Für einen selbst sind das nur Cent-Beträge aber im großen Ganzen macht es etwas aus.“ Aufgrund der Corona-Pandemie sind Flohmärkte und Basare häufig ausgefallen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, auf den Kauf neuer Kleidung zu verzichten, etwa indem man unter Freunden tauscht. Tausch- und Gebrauchtwaren-Börsen gibt es außerdem auf verschiedenen Internetplattformen. Vor dem Kauf eines besonders preiswerten Shirts sollte man hinterfragen, wie ein solcher Preis zustande kommen kann, rät Rösner. Häufig verbergen sich dahinter Menschen, die unter miserablen Bedingungen arbeiten müssen.

Mobilität

Die Idee, statt dem Auto das Fahrrad zu nehmen, oder zu Fuß zu gehen, ist nicht neu. Rösner und Löhken regen aber an, noch mal zu überdenken, ob ein kurzer Weg mit dem Auto tatsächlich schneller überbrückt werden kann. Denn mit roten Ampeln und Parkplatzsuche ist die Zeitersparnis oftmals nicht allzu groß. Beim Einkaufen könnte man zudem Fahrgemeinschaften mit Nachbarn, Freunden oder Familienmitgliedern bilden, rät Löhken.

Fazit

„Zwar ist Klimafasten vielleicht nicht immer der einfachste Weg und bedeutet auch eine kleine Umstellung, aber es tut nicht weh. Es ist ein Prozess.“ Auch wenn jeder Mensch nur eine Sache in seinem Alltag verändert, könne etwas bewegt werden. „Man sollte offen sein für etwas Neues und einfach mal Dinge ausprobieren“, meint Rösner. Insgesamt gehe es darum, sich in der Fastenzeit Problematiken bewusst zu machen und das eigene Handeln zu hinterfragen, resümiert das Fridays-for-Future-Orgateam.

Von Laura Hellwig

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