Kommunalwahl

Kleiner Knall mit großer Wirkung: Koalition in Wildeck verliert Mehrheit

Jemand steckt einen Briefumschlag in den Schlitz eines silbernen Kastens.
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Nach der Kommunalwahl ist vor der Partnersuche: In Wildeck wird es spannend, die bisherige Koalition aus SPD und FDP hat ihre Mehrheit verloren. Die fünf Parteien des Parlaments müssen sich nun neu sortieren. (Symbolbild)

Das Wildecker Parlament muss sich nach der Kommunalwahl neu sortieren. Die Koalition von SPD und FDP hat ihren einen Sitz Vorsprung verloren und keine Mehrheit mehr.

Wildeck – Auch wenn es keinen Erdrutsch gab bei den Ergebnissen – die Kommunalwahl in Wildeck hat das Parlament einmal kräftig durchgeschüttelt. Jetzt ist neu sortieren angesagt. Ein kleiner Knall mit großer Wirkung. Der Startschuss für die Partnersuche ist gefallen. Es wird spannend in Wildeck.

Die bisherige „Regierungskoalition“ von SPD und FDP hatte bislang eine knappe Mehrheit von einem Sitz. Jetzt hat die bisherige „Opposition“ von FWG, CDU und Grünen zusammen gerechnet einen Sitz mehr. Die Machtverhältnisse werden aber nicht automatisch umgekehrt. So einfach ist das nicht in Wildeck.

Für die Partnersuche gibt es verschiedene Varianten. Entweder schmiedet sich eine neue Mehrheitskoalition zusammen oder Antragsteller müssen sich parteiübergreifend jeweils um Mehrheiten für ihre Ideen bemühen. Die Wahlbeteiligung lag mit 58,51 Prozent knapp über der Beteiligung von 58,19 Prozent im Jahr 2016.

Freie Wähler sind die Wahlsieger

Klarer Sieger der Wahl in Wildeck ist die FWG. Mit ihrem deutlichen Zuwachs erhält sie einen Sitz mehr im Parlament. „Wir können sehr zufrieden sein. Im Vergleich zur letzten Wahl haben wir uns erneut gesteigert“, so die Bilanz von Spitzenkandidat Bernd Sauer. Dies sei eine Bestätigung für die geleistete Arbeit und eine große Motivation, sich weiterhin für das Wohl der Gemeinde einzusetzen.

Einen Grund für den Erfolg sieht er auch in dem neuen Team, das ein breites Spektrum von aufstrebenden und erfahrenen Kommunalpolitikern biete. „Durch die überwundenen Mehrheitsverhältnisse ergeben sich jetzt neue Konstellationen. In den kommenden Tagen werden entsprechende Gespräche geführt, um ein starkes Bündnis für Wildeck zu finden“, betont Sauer.

Rote Gewinner: SPD ist mit Abstand die stärkste Fraktion

Leichte Gewinne verbucht auch die SPD. Sie ist mit Abstand die stärkste Fraktion. Es bleibt aber bei den zehn Sitzen. „Die SPD Wildeck hat mit 44,27 Prozent aller Stimmen einen klaren Wählerauftrag für die Gemeindevertretung erhalten“, betont Spitzenkandidat Michael Kaufmann. „In drei von fünf Ortsteilen wurde eine absolute Mehrheit im Ortsbeirat erreicht. Unsere personelle Verjüngungskur ist uns gelungen.“ Die SPD habe zusammen mit der FDP und Bürgermeister Wirth sehr gute Arbeit geleistet. „Die Auswirkungen der Wahl auf die Arbeit im Parlament sind noch nicht abzuschätzen. Wir als SPD Wildeck werden Sondierungsgespräche einzelnen Parteien unterbreiten, um den Wählerauftrag umzusetzen. Ob diese Parteien gesprächsbereit sind, wird sich zeigen“, sagt Kaufmann.

Grüne Gewinner: Fraktion hat zwei Sitze im Parlament

Auch die Grünen gehören zu den Gewinnern. Mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent werden sie in Zukunft zwei Sitze im Parlament haben. „Fast sechs Prozent sind ein gutes Ergebnis für die Grünen in einer vom Kalibergbau geprägten Gemeinde.“ So ordnet die Spitzenkandidatin der Grünen, Martina Selzer, das Ergebnis ein. „Uns ist klar, dass wir hier im dörflichen Umfeld nicht die Zustimmung erhalten wie in den Städten. Wir arbeiten weiterhin sachbezogen daran, dass sich das ändert.“ Das Ergebnis zeige auch, dass die gewissenhafte Arbeit der Grünen honoriert werde. „Wir glauben, dass sich mit den veränderten Mehrheiten die Atmosphäre entspannt und die Debatten an Fairness und Sachlichkeit gewinnen“, betont Selzer.

Die Grafik zeigt eine Übersicht des vorläufigen Endergebnisses der Kommunalwahl für das Gemeindeparlament in Wildeck. Mit einem Klick auf die Pfeile oben rechts ist die gesamte Grafik zu sehen.

Schwarze Verlierer: CDU verpasst Wahlziel deutlich

Eine heftige Schlappe bedeutet das Wahlergebnis für die CDU. Vollmundig hatte der Vorsitzende des Gemeindeverbands und Spitzenkandidat der CDU, Jörg Feiler, im Vorfeld die Parole ausgegeben: „Die CDU will stärkste Kraft im Parlament werden.“ Doch die Wähler haben da nicht mitgespielt. Als einziger der fünf Spitzenkandidaten wurde auch Feiler selbst nicht ins Parlament gewählt.

„Wir hätten uns alle ein besseres Ergebnis gewünscht und erhofft“, betont Feiler. „Im Kreis hat die CDU etwa vier Prozent verloren, dem Trend konnten wir uns auch in Wildeck nicht entziehen. Auch konnten wir die allgemeine positive Stimmung Ende 2020 nicht bis zum Wahltermin halten“, analysiert Feiler das Ergebnis. Die CDU will sich jetzt intern besprechen und das Gespräch mit anderen Fraktionen suchen.

Gelbe Verlierer: FDP-Einbußen kippen bisherige Koalition

Einen schweren Schlag bedeutet das Wahlergebnis auch für die FDP. Sie büßt einen Sitz ein. Die Folge: der Verlust der Mehrheit für die bisherige Koalition mit der SPD. „Wir haben unser Ziel nicht erreicht“, sagt der sichtlich enttäuschte Spitzenkandidat Gerhard Bick. Eine Erklärung hat die FDP nicht dafür. „Wir haben neue Köpfe gebracht, Mitglieder dazugewonnen und einen themenbezogenen Wahlkampf geführt“, sagt Bick. Das sei wohl nicht angekommen. „Jetzt müssen wir uns an einen Tisch setzen. Den Auftrag zur Regierungsbildung müsste die SPD als stärkste Fraktion bekommen. Jetzt müssen offene Gespräche geführt werden, um eine Lösung zu finden.“ Fest stehe, dass SPD und FDP auch in Zukunft zusammenarbeiten werden, betont Bick. (René Dupont)

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