1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Knappes Angebot treibt die Preise: Wie sich der Ukraine-Krieg auf die heimische Landwirtschaft auswirkt

Erstellt:

Von: Carolin Eberth

Kommentare

Weizen, Mais, Gerste, Raps und Sonnenblumen: Die Preise für Produkte aus der heimischen Landwirtschaft steigen immer weiter an.
Weizen, Mais, Gerste, Raps und Sonnenblumen: Die Preise für Produkte aus der heimischen Landwirtschaft steigen immer weiter an. © Carolin Eberth

Der Krieg in der Ukraine macht sich im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nicht nur mit der Ankunft von Flüchtlingen bemerkbar, sondern auch bei den Landwirten.

Hersfeld-Rotenburg – Die Preise für Energie, Kraftstoff, Weizen, Mais, Schweinefleisch, Futter, Düngemittel, Landmaschinen und schließlich auch Lebensmittel schießen durch die Decke. Doch wie hängt das alles zusammen? Und was bedeutet das für die Landwirte in unserer Region?

„Russland und die Ukraine zählen zu den größten Weizenexporteuren der Welt und werden auch als Kornkammer Europas bezeichnet. Durch den Krieg sind die Weizenpreise im Vergleich zum Vorjahr enorm angestiegen. Dauert der Krieg weiter an, droht eine weitere Erhöhung, etwa weil auf Feldern in der Ukraine nicht ausgesät werden kann“, erklärt Stefanie Wittich-Vogel vom Kreisbauernverband Hersfeld-Rotenburg.

In der EU seien Länder wie Frankreich und Deutschland zwar ebenfalls große Akteure auf dem internationalen Getreidemarkt, doch das Problem sei, dass sich die Preise für Weizen am Weltmarkt orientieren und somit auch für Deutschland steigen, auch wenn hierzulande der Bedarf gedeckt werden könne.

Ukraine-Krieg treibt die Lebensmittelpreise im Landkreis in die Höhe

Weitere wichtige Agrarexporte aus der Ukraine seien auch Mais, Raps und Sonnenblumen. Produkte daraus werden ebenfalls teurer. „Die Versorgung in Deutschland mit Weizen und Agrarprodukten ist trotz des Kriegs sichergestellt. Anders sieht es in ärmeren Ländern aus. Dort könnte es zu Hungersnöten kommen, weil diese auf große Getreidelieferungen aus der Ukraine angewiesen sind und die hohen Preise nicht zahlen können“, sagt Wittich-Vogel.

Dass sich Kunden in Deutschland darauf einstellen müssen, dass beispielsweise Backwaren in Zukunft mehr kosten werden, liegt laut Wittich-Vogel an den gestiegenen Weizenpreisen, allerdings zum großen Teil auch an den hohen Energiekosten, die unter anderem auch eine Folge des Krieges seien. „Ein Brötchen kostet nur circa einen Cent mehr, wenn sich der Weizenpreis verdoppelt. Die weiteren Preisanstiege sind dann unter anderem die Folge von den hohen Energiekosten.“

Auch die Tierfutterkosten steigen in Hersfeld-Rotenburg wegen des Ukraine-Kriegs

Der Ukraine-Krieg beeinflusst jedoch nicht nur die Versorgung mit Getreide und Ölsaaten, sondern auch die heimische Versorgung mit Eiweißfuttermitteln aus Sonnenblumen, Raps und Soja für Rinder, Schweine und Geflügel. „Die Gründe liegen auf der Hand: Die rekordhohen Preise für Sojabohnen und Raps treiben auch die Kosten für Eiweißfutter auf immer neue Höchstmarken“, verdeutlicht Wittich-Vogel. Während Ackerbauern von den hohen Preisen profitieren, wenn sie etwas zu verkaufen haben, würden die Futterkosten für Tierhalter in schwindelerregende Höhen steigen.

Schweinepreise explodieren: Darauf haben Schweinehalter im Landkreis lange gewartet.
Schweinepreise explodieren: Darauf haben Schweinehalter im Landkreis lange gewartet. © Carolin Eberth

Schweine- und Dünerpreise ebenfalls von Anstieg durch Ukraine-Krieg betroffen

Erst vor rund fünf Wochen sprachen wir mit Landwirt Sven Mares aus Hohenroda über die niedrigen Schweinepreise. Lag der Preis für ein Kilo Schweinefleisch am 10. Februar noch bei 1,20 Euro, liegt er mittlerweile bei 1,85 Euro. Und auch der Rindfleischpreis befindet sich auf einem Allzeithoch – mit steigender Tendenz.

Der Aufschwung sei also endlich da – und er ist bitter, bitter nötig, wie Sven Mares sagt. „Ein Treiber sind natürlich die gestiegenen Futter- und Energiekosten. Aber das war ja in der Vergangenheit eigentlich auch nicht das Thema und hat zu keinem Preisanstieg geführt“, sagt Mares und verweist auf die niedrigen Preise der vergangenen Monate.

Eine gestiegene Nachfrage durch erfolgte oder bevorstehende Corona-Lockerungen sowie ein nicht mehr vollständig ausreichendes Angebot an Schweinen würden ebenfalls zu steigenden Schweinepreisen führen.

Sorgen machen vielen Höfen im Landkreis zudem drastische Preissprünge für Stickstoffdünger durch den Krieg in der Ukraine, sagt Stefanie Wittich-Vogel. Zwar seien schon vor dem Krieg die Preise auf Rekordstand gewesen. Der weitere Preisschock komme nun aber zur Frühjahrsbestellung und damit zum Zeitpunkt des größten Bedarfs. „Vor allem die hohen Gaspreise machen den Dünger teuer. Denn Gas ist wichtig für die Herstellung von stickstoffhaltigen Düngemitteln.“ Dadurch sei der Naturdünger Gülle für Landwirte noch wertvoller geworden, erklärt Wittich-Vogel. (Carolin Eberth)

Auch interessant

Kommentare