Hinter Gittern schaffte 19-jähriger Straftäter die Kehrtwende

Knast rettete jungem Rotenburger das Leben

Bad Hersfeld. Ein Gefängnisaufenthalt hat einem 19-jährigen Rotenburger möglicherweise das Leben gerettet.

Der drogensüchtige Straftäter war beim Betäubungsmittelkonsum nämlich schon beim höchst gefährlichen Crack (rauchbares Kokain) angekommen, als er im Mai vergangenen Jahres eine Jugendstrafe von 13 Monaten antreten musste und hinter Gittern auf „kalten Entzug“ gesetzt wurde.

„Das war das Beste, was Ihnen passieren konnte“, sagte gestern Staatsanwalt Harry Wilke, als dem jungen Mann wegen Drogenhandels in zwei Fällen ein weiteres Mal vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld der Prozess gemacht wurde. Wilkes Erfahrung nach ist Crack für Drogenabhängige das „untere Ende der Fahnenstange“, weil es konsumiert wird, wenn auch Heroin nicht mehr wie erhofft wirkt. Sucht und körperlicher Verfall seien jedoch noch viel schlimmer. Dass ein so junger Mensch wie der Rotenburger schon Crack konsumiere, habe er in 22 Berufsjahren nicht erlebt, sagte Wilke.

Neun drogenfreie Monate hatten dem Angeklagten jedoch offensichtlich gut getan. Vor Gericht widerrief er gestern ein Geständnis, mit dem er sich selbst bezichtigt hatte, eine Plastikdose mit knapp 100 Gramm Marihuana besessen zu haben. Wie sich jetzt herausstellte, hatte der Rotenburger einen offenbar in den Drogenhandel verwickelten Bekannten schützen wollen. Jetzt erklärte er sich bereit, im bevorstehenden Prozess gegen den Dealer auszusagen, der als Zeuge auftrat. In einem zweiten Fall war der Angeklagte in Frankfurt beim Drogendeal an den Falschen geraten: Der vermeintliche Kunde war ein verdeckter Ermittler der Polizei.

Für die beiden zusätzlichen Taten bekam der 19-Jährige vom Jugendschöffengericht drei weitere Monate auf seine Jugendstrafe draufgepackt. Das Urteil, das den Anträgen von Staatsanwalt und Verteidiger entsprach, wurde sogleich rechtskräftig. zum tage

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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