Alexander Wetzel hilft bei Kampf gegen die Flammen

Brand in Cornberg: 30-Jähriger wird auf dem Heimweg zum Helden

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Nächtlicher Feuerwehreinsatz: In Rockensüß brennt am Mittwoch der Dachstuhl eines Wohnhauses, die Polizei schätzt den Schaden auf 50.000 Euro. Doch die Bewohner haben Glück im Unglück: Ohne die Hilfe des 30-jährigen Alexander Wetzel hätte es für sie noch viel schlimmer kommen können.

In einem Haus in Cornbergs Ortsteil Rockensüß brennt der Dachstuhl, die Bewohner schlafen - und haben Glück im Unglück. Denn ein Radfahrer riecht den Rauch und wird zum Retter.

Rockensüß – Mitten in der Nacht, um Viertel nach eins, hämmert ein Mann mit den Fäusten gegen die Tür von Familie Kastenhuber, klingelt Sturm und brüllt sich die Seele aus dem Leib. Die Rockensüßer erwachen irgendwann aus dem Tiefschlaf, öffnen ein Fenster im Flur und fragen, was da los ist. „Bei euch brennt es“, ruft der 30-jährige Alexander Wetzel – und wird damit vom Störenfried zum Retter. Denn es brennt nur wenige Meter entfernt vom Bett von Tanja und Jörg Kastenhuber, in deren Schlafzimmer. Kurz darauf rückt die Feuerwehr an und löscht den Dachstuhlbrand.

Für Alexander Wetzel wird es eine sehr kurze Nacht. Der Königswälder ist nach einer kleinen Geburtstagsfeier bei einem Kumpel in Rockensüß mit dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg, als er den Brandgeruch wahrnimmt. „Wenn ich nachts Fahrrad fahre, trage ich eine Kopflampe, die sehr lichtstark ist. Ich bin zurückgefahren und habe nach den Flammen gesucht“, berichtet Wetzel, der glücklicherweise auch Feuerwehrmann ist.

Glück im Unglück: Der Retter ist ein Feuerwehrmann

Schließlich entdeckt er Qualm, der zwischen den Dachziegeln des Wohnhauses am Tiefen Weg emporsteigt. Nachdem er die Familie geweckt hat, beginnt er sofort mit dem Feuerlöscher die Flammen zu bekämpfen. „Ich war nicht als Feuerwehrmann da, sondern als Ersthelfer – ohne Ausrüstung. Ich musste abwägen, ob ich etwas tun kann, ohne mich zu gefährden.“ Er kann.

Sind ihrem Retter dankbar: von links Leon, Jörg und Tanja Kastenhuber. Als ihr Dachstuhl in der Nacht zu Mittwoch brannte, kam zufällig Alexander Wetzel (rechts) mit dem Fahrrad vorbei.

Als Auslöser für den Brand macht er eine Halogenlampe in der Decke des Schlafzimmers aus. „Ich habe dann mit einem Schraubenzieher die Halogenspots rausgekloppt und die Flammen mit dem Feuerlöscher zurückgedrängt“, sagt Wetzel. Löschen kann er den Brand so nicht, doch er gewinnt wertvolle Zeit, bis die Kameraden der Feuerwehr eintreffen.

Weil die Sirenen nicht funktionieren ruft der Retter noch einige Helfer an

Die Alarmierung läuft nicht ganz reibungslos: In Cornberg, Rockensüß und Königswald funktionieren die Sirenen nach einer Umstellung in der Technik nicht – das Problem ist mittlerweile behoben, heißt es vom Landkreis auf Anfrage. Die Einsatzkräfte werden zwar auch über die gerne auch „Pieper“ genannten Pager und Mobilfunk-Apps alarmiert, doch die hören im Tiefschlaf nicht alle.

Als Wetzel merkt, dass die Sirenen nicht heulen, ruft er selbst noch einige Feuerwehrleute an. Bei den Kollegen aus dem Werra-Meißner-Kreis funktionieren die Sirenen hingegen: Von dort kommt Verstärkung aus Sontra, Berneburg und Hornel. Von der Drehleiter der Sontraer Wehr aus werden Dachziegeln entfernt, um den Brand von außen bekämpfen zu können.

Alexander Wetzel unterstützt bei den Löscharbeiten, erst gegen halb 5 fällt er in Königswald in sein Bett. Anderthalb Stunden später steht der Landwirt schon wieder im Stall.

Rauch riechen und weiterfahren? Für Retter Alexander Wetzel keine Option

Doch wie konnte es überhaupt sein, dass das Ehepaar einen Brand im eigenen Schlafzimmer nicht bemerkt hat? „Der Qualm ist vor allem in den Dachstuhl abgezogen, im Zimmer selbst war die Rauchentwicklung nicht so stark“, erklärt Wetzel. Nachdem Tanja und Jörg Kastenhuber aufgewacht sind, können sie den Rauch auch nicht sehen, weil im Schlafzimmer die Sicherung rausgeflogen ist. „Ich bin sehr froh, dass ich genau um diese Uhrzeit nach Hause gefahren bin. Die Schlafzimmertür war geschlossen – die wären wahrscheinlich an einer Rauchvergiftung gestorben“, vermutet Wetzel. Und: Wäre er mit dem Auto unterwegs gewesen, hätte er den Geruch wohl nicht bermerkt.

Ein Feuer riechen und einfach weiterfahren? Für Alexander Wetzel absolut keine Option. „Ich will auch, dass mir in so einer Situation geholfen wird“, sagt der 30-Jährige. Tanja und Jörg Kastenhuber, deren Sohn Leon ebenfalls im Haus wohnt und als Feuerwehrmann selbst am Einsatz beteiligt war, sagen: „Wir sind unglaublich froh und dankbar, dass Herr Wetzel so schnell reagiert hat.“ (Von Christopher Ziermann)

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