Nach zweiter Messung

Zu laut: Konroder Glocke läutet nur noch 21 Sekunden am Tag

Läutet seit Donnerstag seltener: Bei der zweiten Lärmmessung des Regierungspräsidiums Kassel hat die Glocke im Turm von Konrode den maßgeblichen Immissionsrichtwert um zwölf Dezibel überschritten. Archivfoto;: Thomas Landsiedel
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Läutet seit Donnerstag seltener: Bei der zweiten Lärmmessung des Regierungspräsidiums Kassel hat die Glocke im Turm von Konrode den maßgeblichen Immissionsrichtwert um zwölf Dezibel überschritten. Archivfoto;: Thomas Landsiedel

Im Streit um die Lautstärke des Glockengeläuts im Schenklengsfelder Ortsteil Konrode liegt nun das Ergebnis einer zweiten Lärmmessung vor.

Konrode - Diese neuerliche Messung hat das Regierungspräsidium Kassel im Auftrag der Gemeinde vorgenommen. Wie Schenklengsfelds Erste Beigeordnete Beate Lüders auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, wurden bei der neuerlichen Messung am 3. November sowohl der maßgebliche Immissionsrichtwert von 60 dB(A) (Dezibel Bewertungskurve A) um 12 dB(A) überschritten, als auch mehrmals die zulässigen kurzzeitigen Geräuschspitzen, für die ein Spitzenpegelkriterium von 90 dB(A) gilt.

Als Konsequenz sucht der Gemeindevorstand derzeit nach Dämmmöglichkeiten für den Glockenturm. Bis über diese entscheiden worden ist, wird in dem Schenklengsfelder Ortsteil vorerst seltener und deutlich kürzer geläutet: Statt wie bislang dreimal täglich – um 6.30 Uhr, 11.30 Uhr und 18 Uhr – jeweils zwei Minuten lang, wird das Läutwerk seit vergangenem Donnerstag nur noch um 11.30 Uhr für eine Dauer von 21 Sekunden in Gang gesetzt. Diese verkürzte Läutdauer entspreche den gesetzlichen Vorgaben, was der Gemeinde vom zuständigen Mitarbeiter des Regierungspräsidiums bestätigt worden sei, so die Erste Beigeordnete. Zusätzlich läute die Glocke weiterhin zu Beerdigungen und während der Kranzniederlegung am Volkstrauertag.

Der im Jahr 1968 errichtete Glockentrum war im vergangenen August zum lokalen Politikum geworden, für das der Volksmund inzwischen die Bezeichnung „Glockengate“ geprägt hat: Nachdem eine Anwohnerin wegen der Lautstärke mit einer Klage gegen die Gemeinde als Betreiber des Glockenturms gedroht hatte, war das Geläut abgeschaltet worden – offenbar ohne entsprechenden Beschluss des Gemeindevorstandes. Besonders pikant: Zu den Anwohnern, die sich über die Lautstärke beklagt hatten, gehört auch die Ehefrau von Bürgermeister Carl Christoph Möller. Der Rathauschef äußert sich inzwischen auf Nachfragen unserer Zeitung nicht mehr zu den Vorgängen rund um die Glocke, sondern verweist wegen Befangenheit auf seine Stellvertreterin.

Die Abschaltung des Geläuts hatte in Konrode hohe Wellen geschlagen und eine Unterschriften-Aktion für dessen Erhalt hervorgerufen. Auf Beschluss des Gemeindevorstandes wurde das Läuten vier Tage später auch wieder aufgenommen. Bei der ersten von der Gemeinde beantragten Lärmmessung des Regierungspräsidiums wurde im vergangenen September der zulässige Spitzenpegel von 90 dB(A) noch um ein Dezibel unterschritten. Gemessen wurde allerdings bei Gegenwind, weshalb das RP schon damals eine Überschreitung des Spitzenpegels bei Mitwind für wahrscheinlich hielt und der Gemeinde empfahl, das Läutwerk zu deaktivieren oder den Schallpegel auf einen Spitzenwert von maximal 75 dB(A) zu senken.

Da das Messergebnis unter dem gesetzlichen Grenzwert lag, beschloss der Gemeindevorstand jedoch, die Glocke vorerst dreimal täglich weiter läuten zu lassen und beim Regierungspräsidium Kassel eine zweite kostenlose Messung zu beantragen, um auf deren Basis eventuelle Lärmminderungsmaßnahmen einleiten zu können (unsere Zeitung berichtete).

Von Jan-Christoph Eisenberg

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