Anstieg durch britische Mutante

Landkreis mit Corona-Inzidenz von 279,8: Ein Fünftel der Infizierten sind Kinder

Hersfeld-Rotenburg: Corona-Schnelltests gelten als wichtiges Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Unser Symbolbild zeigt Heimleiterin Cornelia Knierim und Marion Mende im Altenhilfezentrum Hospital.
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Hersfeld-Rotenburg: Corona-Schnelltests gelten als wichtiges Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Unser Symbolbild zeigt Heimleiterin Cornelia Knierim und Marion Mende im Altenhilfezentrum Hospital.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg erhöhen sich die Corona-Infektionszahlen. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Der Landkreis reagiert.

Hersfeld-Rotenburg – Die Kinderbetreuungseinrichtungen im Landkreis scheinen sich zu Hotspots für Corona-Neuinfektionen entwickelt zu haben. Mittlerweile sind elf Einrichtungen von der Pandemie betroffen, erklärte Kreissprecher Pelle Faust am Mittwoch auf Anfrage. Am Dienstag waren es noch neun.

Bekanntlich hat der Kreis auf diese Entwicklung reagiert: Krippen, Kitas und Schulen bis zur Jahrgangsstufe 6 sind ab Donnerstag (25.03.2021) geschlossen – hessenweit steht der Landkreis allein mit dieser Entscheidung, wie das Sozialministerium bestätigte. In Wiesbaden hat man auch registriert, dass landesweit das Infektionsgeschehen der Kinder bis zum Grundschulalter seit zwei Wochen relativ konstant ist.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Zahlreiche Neuinfektionen bei Kindern und Jugendlichen

Das ist im Landkreis anders: Während sich die Sieben-Tage-Inzidenz „nur“ verdoppelt hat, haben sich die Neuinfektionen bei Kindern bis sechs Jahre in einer Woche verachtzehnfacht. Bei Kindern im Grundschulalter (sechs bis zehn Jahre) hat sich der Wert nur etwas mehr als verdoppelt. Bei zehn- bis 15-Jährigen hat sich der Wert vervierfacht, bei 15- bis 20-Jährigen ist der Anstieg sogar etwas niedriger als in der Gesamtbevölkerung. Am Mittwoch (24.03.2021) gab es im Landkreis insgesamt 487 aktive bestätigte Fälle. Rund ein Fünftel davon sind Kinder und Jugendliche.

Mit Kita- und Schulschließung reagiert der Kreis auf die Entwicklung, die offenbar mehrere Ursachen hat. Dazu gehört, dass 75 Prozent der Neuinfektionen auf die britische Mutante zurückzuführen sind, die als extrem stark und schnell ansteckend gilt. Die Tendenz sei steigend, erklärte der Kreissprecher. Eine weitere Rolle spielt offenbar, dass in Krippen und Kitas keine Maskenpflicht herrscht, was das Infektionsgeschehen beeinflusst.

Anstieg der Corona-Infektionen im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Kitas und Schulen geschlossen

Besonders in Familien und in Betrieben sei eine erhöhte Ansteckung durch das mutierte Coronavirus festzustellen. Der sogenannte R-Wert, also der Ansteckungswert liegt im Landkreis bei 1,7. Der Wert zeigt an, dass jeder Infizierte durchschnittlich 1,7 weitere Menschen ansteckt. Bundesweit liegt dieser Wert nur bei 1,2. Das Pandemiegeschehen verlangsamt sich nicht, solange der Wert nicht unter 1 liegt.

Auch im benachbarten Wartburgkreis liegen die Infektionszahlen weit über 200. Ob es eine Wechselwirkung zwischen Ein- und Auspendlern gibt, konnte man im Gesundheitsamt kurzfristig nicht klären, weiß aber um Clusterbildungen im Ostkreis. Man arbeite mit dem Gesundheitsamt des Wartburgkreises zusammen, erklärte Pressesprecher Faust. Denn: Bei Schnelltests, zum Beispiel in Betrieben, zähle der Wohnort für die Statistik und sei letztlich auch für weitere Ansteckung und Nachverfolgung relevant.

Kreis Hersfeld-Rotenburg: Corona-Schnelltests in Betrieben

K+S, der große Arbeitgeber für beide Landkreise zum Beispiel, plant derzeit „auf Hochtouren“, um die Testkapazitäten für die 4000 Mitarbeiter zu erhöhen, erklärte Sprecher Ulrich Göbel auf Anfrage. Bisher hätten Mitarbeiter das Schnelltest-Angebot des werkszugehörigen medizinischen Dienstes wahrgenommen, wenn es in den Abteilungen Verdachtsfälle gab. Im Übrigen halte man sich an ein Hygienekonzept, das der Krisenstab zu Beginn der Pandemie entwickelt habe. Dazu gehöre auch die Kontaktreduzierung. Bislang offenbar mit Erfolg: Die Zahlen zeigten keinen höheren Krankenstand als in den Vorjahren.

2200 Mitarbeiter arbeiten unter Tage. Die Anzahl der Mitarbeiter in den Förderkörben sei reduziert worden. Sie trügen Masken und sollten auf der Fahrt nicht sprechen. Das gelte auch für Fahrten unter Tage. Außerdem seien Schichten und Schichtwechsel zeitlich entzerrt worden. Unter Tage gebe es sehr viele Einzelarbeitsplätze, was Kontakte während einer Schicht ohnehin reduziere. (Silke Schäfer-Marg)

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