Müll im Fluss: Bauhof entsorgt, AZV zahlt

Abfall aus Gewässern im Kreis Hersfeld-Rotenburg gelangt in die Nordsee

Hersfeld-Rotenburg. Nicht nur ein optisches, sondern auch ein letztlich gesundheitsgefährdendes Ärgernis ist der Müll in den Flüssen der Region. 

Plastikabfälle, aber auch Baumabschnitt und Kompost sind immer wieder am Ufer und im Wasser zu sehen. „Es ist zumindest nicht mehr geworden“, erklärt Alexander Lorch, Leiter des Kasseler Postens der Wasserschutzpolizei. Dabei verweist er nicht nur auf Abfälle, die direkt ins Wasser geworfen werden, sondern auch auf solche, die in Ufernähe liegen – und dann bei höheren Wasserständen einfach mitgeschwemmt werden – über die Weser in Richtung Nordsee. Andreas Lingner, Pressesprecher beim Abfallwirtschafts-Zweckverband (AZV) des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, bestätigt diese Einschätzung: „Kein merkbarer Anstieg in der Statistik.“

Wer ist für Beseitigung des Mülls verantwortlich?

Doch wer ist für die Beseitigung eigentlich verantwortlich? „Wir nicht“, erklärt ganz klar Bettina Rahn, Pressesprecherin des Wasser- und Schiffahrtsamts (WSA) Hann. Münden. Zwar fallen die schiffbaren Teile der Fulda und Werra in das Zuständigkeitsgebiet der Behörde, für die Beseitigung des Unrats ist das WSA aber nicht haftbar zu machen. 

„Weil das Gewässer öffentlich zugänglich ist, sind die Kommunen gefragt“, sagt Rahn. Alexander Lorch erklärt dazu: „Das ist die Sichtweise des Wasser- und Schiffahrtsamts, das sich für die Schiffbarkeit der Gewässer verantwortlich fühlt. Ab Mecklar abwärts fällt aber die Fulda als Bundeswasserstraße in ihre Zuständigkeit. Oberhalb ist die Fulda eine Landeswasserstraße, da sind in der Tat die Kommunen in der Verantwortung.“ 

Und die übernehmen, wie Andreas Lingner vom Abfallwirtschafts-Zweckverband erklärt, das Einsammeln der Hinterlassenschaften. Was wo entsorgt werden darf, darüber informiert sie der AZV. Und: Er zahlt die Entsorgung.

Gefahr für die Tiere – und unsere Nahrung

Auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche schwimmen hunderttausende Teile Plastikmüll. Darauf verweist der World Wildlife Fund (WWF). Die Umweltschutzorganisation warnt vor den schlimmen Folgen insbesondere für die Tierwelt: Seevögel, Schildkröten und Fische halten die Plastikteilchen für Nahrung und verenden qualvoll. Auch die Nordsee, in die das Wasser aus Fulda und Werra über die Weser fließt, ist betroffen. 

Und nicht zuletzt gelange der Plastikmüll über die Fische auch in die menschliche Nahrungskette. Der WWF rechnet vor, dass drei Viertel des Mülls in den Meeren Plastikabfall sind. Von jährlich 78 Millionen Tonnen Plastikverpackung weltweit gelangt ein Drittel unkontrolliert ins Meer. Bis zur völligen Zersetzung des Plastiks vergehen laut WWF bis zu 400 Jahre. 

Landkreis trägt die Kosten

Am Ende trifft’s die Kommunen, genauer gesagt: die Mitarbeiter der Bauhöfe. Sie sind dafür verantwortlich, dass Müll, der in den Flüssen im Kreis landet, eingesammelt wird – sofern das möglich ist – und auf die Deponie transportiert wird. Die Kosten trägt der Abfallwirtschafts-Zweckverband des Landkreises, wie AZV-Pressesprecher Andreas Lingner das Verfahren erläutert. 

„Es wäre Unsinn, wenn wir das Einsammeln übernehmen – die Mitarbeiter der Kommunen haben schließlich die Ortskenntnis“, begründet Lingner den Weg, der auch ein bürokratischer ist. Denn ist der Müll erstmal gesammelt und registriert, melden die Bauhöfe an den AZV, welcher Art der Unrat ist: Gartenabfälle, Kunststoff, Altreifen? „Der AZV schickt dann per Formblatt zurück, was wo und wie entsorgt werden muss“, erläutert Andreas Lingner. 

Dieses Verfahren gebe es „seit vielen Jahren“. Und seit vielen Jahren mache dieser Mehraufwand die Kommunen „stinksauer“, wie Lingner fortfährt – „zu Recht“. Zumal es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg schließlich die Möglichkeit gebe, Abfall kostenlos über den Sperrmüll zu entsorgen oder selbst auf die Deponie zu fahren. 

Rubriklistenbild: © Ingo Wagner / dpa

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