Bürgermeister kritisieren Kassenärztliche Vereinigung

Ärztemangel erreicht Städte im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Nicht nur in den kleineren Kommunen im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es Sorge um die hausärztliche Versorgung, auch in den Städten kommt sie mittlerweile an.

Der Ärztemangel macht sich zunehmend auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg bemerkbar.

Hersfeld-Rotenburg - Der Eisenbahnerstadt droht eine Ruhestandswelle bei ihren Hausärzten. Erst Ende Juni hatte eine Praxis mit zwei Arztstellen in der Mühlenstraße altersbedingt geschlossen – die Nachfolgersuche blieb erfolglos. Bebraner müssten für einen Termin immer häufiger auf Ärzte außerhalb der Biberstadt ausweichen, etwa in Ronshausen und Rotenburg, so Knoche. Und kritisiert: „Wir werden, wie alle im ländlichen Raum, von der Kassenärztlichen Vereinigung im Stich gelassen.“

Laut KV Hessen besteht in Bebra mit nunmehr sechs Arztsitzen ein „fiktiver hausärztlicher Versorgungsgrad von 72 Prozent“ – bis Ende Juni waren es noch 96 Prozent. „Das ist nicht wirklich gut“, so Sprecher Karl Roth auf Anfrage. Beide Stellen sollten nachbesetzt werden, bisher sei das nicht gelungen. Hinzu kommt, dass weitere vier Ärzte in Bebra 60 Jahre oder älter sind und bis voraussichtlich 2025 aus dem Beruf ausscheiden.

Der drohende Engpass sei schon länger bekannt, kritisiert Knoche. Die Stadt will nun selbst aktiv werden, um etwa mit einer Werbekampagne Ärzte nach Bebra zu locken. Ein Modell, das Schule machen wird, vermutet Dr. Sebastian Auel. „Die Ärzteschaft im gesamten Kreisgebiet ist überaltert“, warnt der Obmann der KV in Hersfeld-Rotenburg. Der Schnitt liege bei etwa 60 Jahren. Auch in Bad Hersfeld habe es vergebliche Nachfolgersuchen gegeben. „Die Kommunen müssen sich bemühen, für Hausärzte attraktiv zu sein“, so Auel. Der Beruf habe im niedergelassenen Bereich viel an Attraktivität verloren. Die hohe Arbeitsbelastung, der bürokratische Aufwand, das höhere finanzielle Risiko gegenüber angestellten Ärzten: „Bei vielen wiegt die Work-Life-Balance dann schwerer.“

Einen „akuten Versorgungsengpass“ gebe es in Heringen nicht, sagt Bürgermeister Daniel Iliev. Auch Bad Hersfeld hat die hausärztliche Versorgung nicht als besonderes Problem identifiziert. In Rotenburg sei sie „nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung aktuell noch bedarfsdeckend“, so Rathauschef Christian Grunwald. Das werde sich aber absehbar ändern. Auch er übt Kritik an der KV: Den Kommunen bleibe nur, sich selbst zu helfen.

Bei der Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) handele es sich um „Sätze aus dem Stehsatz der ländlichen Bürgermeister“, sagt Karl Roth, Sprecher der KV Hessen. „Die Gleichung: Wo sich kein Nachfolger findet, hat die KV versagt, ist attraktiv, aber reicht zu kurz.“ Die bestehenden Probleme, die sich im ländlichen Raum möglicherweise besonders bemerkbar machten, seien Produkt einer jahrzehntelang verfehlten Strukturpolitik und nicht der Vermittlung und des Marketings der KV. „Das ist unser Brot-und-Butter-Geschäft“, so Roth. Auch der Vereinigung seien die Hände gebunden: Man könne sich keine Ärzte backen. Alle Beteiligten müssten gemeinsam eine Lösung finden und sich intensiver austauschen. Das sei beispielsweise beim Medibus-Projekt der Fall. Und: „Die Kommunen müssen für Ärzte attraktiver werden.“ 

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa-Bildfunk

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