Corona in Hersfeld-Rotenburg

„Mutter aller Krisen“ wegen Corona: 700 Betriebe im Kreis Hersfeld-Rotenburg melden Kurzarbeit an

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Ausnahme: Während zahlreiche Branchen wegen der Coronakrise eine Zwangspause einlegen müssen, laufen auf vielen Baustellen die Arbeiten weiter.

Die Corona-Krise trifft in der Region Hersfeld-Rotenburg den Arbeitsmarkt ins Mark. Arbeitsagentur-Chef Dombrowski bezeichnet die Pandemie als „Mutter aller Krisen“.

Hersfeld-Rotenburg - Allein aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind zwischen dem 16. und 27. März rund 700 Anzeigen auf Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda eingegangen, so Agentur-Chef Waldemar Dombrowski, der von einer „noch nie da gewesenen Herausforderung“ spricht. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 lag die Anzahl der Kurzarbeitanzeigen im kompletten Arbeitsagenturbezirk im zweistelligen Bereich.

Waldemar Dombrowski, Arbeitsagentur

„Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Corona-Krise die Mutter aller Krisen ist“, sagte Dombrowski im Gespräch mit unserer Zeitung. Wie viele Beschäftigte im Landkreis von Kurzarbeit betroffen sind, sei noch nicht klar. Denn wenn Betriebe Kurzarbeit planen, müssen sie das bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Ohne Anzeige ist später keine Zahlung möglich. Betriebe müssen dann innerhalb von drei Monaten die erforderlichen Abrechnungslisten einreichen. Erst danach liegen konkrete Daten vor.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Psychische Unsicherheit bei vielen Betroffenen

In der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, die über 220 Mitarbeiter beschäftigt, laufen derweil die Telefonleitungen heiß, wie Dombrowski berichtet: „Bei uns kümmern sich 66 Mitarbeiter zusätzlich ums Thema Kurzarbeit.“ Die Arbeitszeiten seien von 6 auf 20 Uhr ausgeweitet worden, um dem Ansturm standzuhalten. Im gesamten Agenturbezirk habe es zwischen dem 16. und 27. März – neuere Zahlen gibt es noch nicht – insgesamt 2200 Kurzarbeitanzeigen sowie 1100 Erstberatungen gegeben. Dombrowski: „Das ist eine ganze Menge Holz.“

Die Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt durch die Covid-19-Pandemie schätzt er indes größer ein als während Finanzkrise 2008. „Damals waren vor allem Banken und Teile der Industrie betroffen, jetzt sind es fast alle Bereiche“. Ausnahmen seien etwa der Versandhandel, die Lebensmittelbranche sowie medizinische und pflegerische Berufe.

Hinzu komme die psychische Unsicherheit bei Arbeitnehmern und Betrieben. Laufende Bewerbungsverfahren seien in den vergangenen Wochen beendet, Menschen in Probezeit seien entlassen worden. „Die Hilfspakete von Bund und Land helfen, aber wenn der Shutdown länger dauert als zwei Monate, könnte es für einzelne Betriebe kritisch werden“, sagte Dombrowski.

Von Sebastian Schaffner

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