Personensuche oder Gebäudebrände

DRK-Kreisverband Rotenburg setzt im Notfall eigene Drohnenstaffel ein

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Da fliegt sie, die neue Drohne: Bernd Hildebrand, stellvertretender Staffelleiter, links, muss die Aufnahmen im Blick behalten. Staffelleiter Steffen Jungermann steuert das Gerät.

Hilfe aus der Luft im Krisenfall: Der DRK-Kreisverband Rotenburg bietet seit kurzem eine besondere Serviceleistung an. 

Der DRK-Kreisverband Rotenburg ist jetzt einer von drei in Hessen, die in Krisensituationen eine eigene Drohnenstaffel einsetzen können. Seit diesem Monat verfügt der Verband über eine Drohne mit hochauflösender Nachtsicht- und Wärmebildkamera sowie einer Tageskamera mit starkem Zoom-Objektiv.

Zwölf ehrenamtliche DRK-Mitarbeiter gehören zur Staffel, sechs von ihnen wurden bereits umfassend im Drohnenflug und der Bildauswertung geschult und haben eine entsprechende Prüfung abgelegt. Sie können nun bei Personensuchen, in Großlagen wie Überflutungen oder Waldbränden, bei Gefahrguteinsätzen oder Gebäudebränden eingesetzt werden.

Diese Dienstleistung bietet der Kreisverband auch anderen Rettungsinstitutionen und der Polizei im Landkreis an. Sogar Landwirte können ihre Felder abfliegen lassen, um sicher zu gehen, dass ihre schweren Maschinen bei der Ernte keine Rehkitze zermalmen. Rund 35 000 Euro hat die Ausrüstung gekostet und wurde über Spenden und das Budget der Kreisbereitschaftsleitung finanziert, berichtet Geschäftsführer Alexander Stephan.

Sichten: Während der Pilot die Drohen steuert, beobachtet ein Sichter die Aufnahmen. 

Im August war die Drohne von einem Spezialanbieter für Drohnen im Sicherheits- und Rettungsbereich ausgeliefert worden. Seit zwei Wochen ist sie einsatzfähig. Und wie: Nur drei Minuten dauert es, bis das inzwischen eingespielte Team, das sensible Gerät in der Luft hat.

Die Drohne kann bis zu fünf Kilometer weit fliegen, ihre Flughöhe wurde auf 100 Meter programmiert. Das Fluggerät kehrt automatisch zum Ausgangspunkt zurück, wenn der Kontakt zum Piloten abreißt, erläutert Steffen Jungermann, der Staffelleiter.

Der Vorteil des neuen Gerätes: Große Flächen können sehr schnell abgesucht werden, um dann zum Beispiel die Rettungshundestaffel noch gezielter einsetzen zu können. Die Aufnahmen der Drohne werden in kürzester Zeit an die Einsatzleitung weitergeleitet. Damit alles reibungslos funktioniert, heißt es für die Teams: üben, üben, üben. 

Bevor sie starten darf, wird die Drohne eingenordet. Das heißt, ihr Startpunkt und der Pilotenstandort müssen wie mit einem Kompass elektronisch vermessen und gespeichert werden, damit das neue 35 000 Euro teure Fluggerät des DRK-Kreisverbandes Rotenburg jederzeit wieder zurückfindet. Das Ganze geht fix, man merkt, dass das Drohnenteam eingespielt ist. Immer wieder trainiert die Drohnenstaffel den Einsatz. Zwar gibt es im Team einen Gruppenführer, einen Piloten, einen Sichter und einen Techniker, „aber eigentlich können alle alles“, sagt DRK-Geschäftsführer Alexander Stephan. Die Idee, Rettung per Drohneneinsatz zu erleichtern, war in der Jahreshauptversammlung 2018 entstanden. Einsätze durch Hubschrauber seien aufwendig und teuer, wurde festgestellt. deshalb befasste man sich beim DRK mit dem Thema Drohne. Die Finanzierung wurde immer aus Spenden und aus Eigenmitteln gestemmt. Öffentliche Zuschüsse gab es bislang nicht. Das Gerät, eigentlich nur eine Trägerdrohne, die immer wieder neu mit aktueller Technik bestückt werden kann, wurde bei einem Spezialisten bestellt und hat mit einer Feld-, Wald und Wiesendrohne aus dem Baumarkt nichts zu tun. Für die Bedienung waren Schulungen nötig, außerdem musste das Team einen Drohnenführerschein gemäß der Luftfahrtverordnung ablegen, muss sich mit Datenschutz und Personenrechten sowie Luftraumregeln auskennen. Die neue Drohne hat sogar eine Abwurfeinrichtung und kann Verletzte an schwer zugänglichen Stellen zum Beispiel mit Wasser oder Verbandmaterial bis acht Kilo beliefern, bis die menschlichen Retter eintreffen. Mindestens einmal wöchentlich wird der Einsatz der Drohne geübt – immer mit An- und Abmeldung bei der Polizei. Wer neu im Team ist, muss erst mal mit einer kleinen Drohne üben, deren Verlust nicht so schwerwiegend wäre wie der des neuen Geräts. Beim DRK-Kreisverband hofft man, mit dem neuen Gerät auch weitere ehrenamtliche Helfer anzusprechen. Zum Beispiel solche, die kein Blut sehen können und deshalb das DRK nie fürs Ehrenamt in Erwägung gezogen haben. Die aber eine Leidenschaft für Technik haben. Die neue Drohne ist kein Spielzeug. Aber mal ehrlich: Wenn sie fliegt, gucken alle im Team mit glänzenden Augen hinterher.

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