Im ehemaligen Buchcafé

Eine Disco nur für Frauen zum Weltfrauentag in Bad Hersfeld

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Organisieren eine Frauendisco am 8. März: Barbara Dibowski (links) und Elisabeth Rehs. 

Hersfeld-Rotenburg – Den Internationalen Frauentag am 8. März einfach so verstreichen lassen, ohne etwas zu tun, das war für Elisabeth Rehs und Barbara Dibowski undenkbar.

Sie gehören zu den Gründerinnen und Initiatorinnen der Frauenbewegung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und haben sich jahrzehntelang für die Sache der Frauen engagiert.

In diesem Jahr ist nun alles anders. Erstmals seit vielen Jahren gibt es – nach der Auflösung des Frauennetzwerks – keine Organisation mehr, die Frauenkulturwochen oder Aktionen rund um den Internationalen Frauentag organisieren würde. Damit wollten Rehs und Dibowski ebenso wenig abfinden wie Ute Boersch, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Kreises. Deshalb haben sie für den kommenden Freitag, den 8. März eine Frauendisco organisiert, ein Tanzfest, bei dem Frauen unter sich in einem geschützten Raum und ohne Männer nach Herzenslust tanzen können. Die Disco beginnt um 19 Uhr in den Räumen des ehemaligen Buchcafés, jetzt Freiraum, in der Badestube 20.

Der Internationale Frauentag wird seit dem Jahr 1911 begangen. Er wurde von Clara Zetkin und Käthe Duncker als Kampftag für Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und die Emanzipation von Arbeiterinnen ins Leben gerufen. Er fand erstmals am 19. März 1911 statt. Seit 1921 wird er am 8. März gefeiert.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird der Internationale Frauentag seit den 1980ern begangen, immer schon als eine Mischung von Fest und Aktion. Frauenkabarett-Veranstaltungen, organisiert vom DGB, Demos, Workshops, Straßenaktionen und seit 1997 ein internationales Fest mit Beiträgen ganz unterschiedlicher Frauengruppen gehörten dazu. Weil das Angebot schließlich den Rahmen für eine Veranstaltung sprengte, wurden rund um den 8. März vom damaligen Frauennetzwerk Kulturwochen ins Leben gerufen, in denen eine Fülle verschiedener Veranstaltungen – Lesungen, Filme, Tanz, Diskussionen, Gesundheitsthemen, Ausstellungen – von Frauen für Frauen angeboten wurden. Auch der Weltgebetstag am ersten Freitag im März war traditionell in das Programm eingebunden.

Aus Mangel an jüngeren Frauen, die bereit gewesen wären, sich im Vorstand des Frauennetzwerks zu engagieren, wurde der Verein im vergangenen Jahr aufgelöst.

Allerdings wurden nicht alle Aktivitäten aufgegeben. Die Tanzaktion „One Billion Rising“ fand am 14. Februar statt und nun ist eine Frauendisco am 8. März geplant, ganz ohne Männer, so wie das früher bei den Frauenfesten immer war.

Barbara Dibowski und Elisabeth Rehs sind überzeugt davon, dass der Kampf für Frauenrechte auch heute notwendig ist: 

  • Noch immer gibt es Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern, bei uns im Kreis ist die Lohndifferenz sogar besonders hoch. 
  • Nach wie vor ist die Versorgung der Kinder für berufstätige und vor allem alleinerziehende Mütter nicht gewährleistet. Die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten lassen sich, gerade bei Schichtarbeit, nicht mit den Arbeitszeiten vereinbaren, sagt Rehs. 
  • Empörend findet Dibowski die Rückschritte bei den Paragrafen 218 und 219. Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, finden keine Klinik im näheren Umfeld, an die sie sich wenden können. 
  • Auch das Problem der Gewalt gegen Frauen gibt es unverändert, obwohl vor Jahrzehnten die Hoffnung bestand, dass es weniger Gewalt geben werde, wenn das Problem öffentlich werde. Verstärkt ist in den vergangenen Jahren Stalking hinzugekommen. 
  • Die Beratungsangebote des Vereins „Frauen helfen Frauen“ werden stärker genutzt als je zuvor. 423 persönliche Gespräche und 97 telefonische Beratungen leistete der Verein im Jahr 2018, berichtet Rehs. 
  • Noch immer ist die finanzielle Situation des Frauenhauses und der Beratungsstelle prekär. Es gibt keine dauerhaft gesetzlich geregelte Finanzierung, sondern nur vertragliche und freiwillige Leistungen.

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