Fachärzte protestieren gegen Vier-Wochen-Garantie

Hersfeld-Rotenburg. Die Fachärzte wehren sich: Termine innerhalb von vier Wochen für alle Patienten mit Überweisung sollen sie ab dem 23. Januar vorhalten.

Doch wie soll das gehen, wenn es viel zu wenige Augenärzte, Neurologen und Psychotherapeuten im Kreisgebiet gibt? Dr. Johannes Flicker, der sich in dieser Angelegenheit als Sprecher der Fachärzte sieht, formuliert die Kritik. Es gebe in einigen Bereichen viel zu wenige Fachärzte, betont er.

Dennoch fordert das Gesetz die Vier-Wochen-Frist und hat die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, Terminservicestellen einzurichten.

Die KV Hessen spricht im Zusammenhang mit der Vier-Wochen-Garantie von reiner Symbolpolitik. Man setzte das Gesetz um, halte es aber für überflüssig, sagte Sprecher Karl Roth. So werden die Fachärzte von der KV aufgefordert, pro Woche mindestens zwei Termine für die Behandlung von Patienten freizuhalten, die die KV dann über eine Servicestelle vermitteln kann.

Flicker führt zusammen mit drei Kollegen eine radiologische Praxis in Rotenburg mit Zweigstelle in Bad Hersfeld - die einzige im gesamten Kreis. Er ist empört über die Vier-Wochen-Garantie. So dürfe seine Praxis gar nicht mehr Kernspins (MRT) machen als bisher, weil die KV die Arbeitszeit der Radiologen praktisch eingefroren habe. Auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen könnten nicht mehr Kernspins angeboten werden, weil diese gar nicht bezahlt werden, die Geräte aber hohe Kosten verursachen.

Mehrere Monate muss man auf einen Termin beim Neurologen, Psychiater, auch bei manchen Frauenärzten warten. Eine Fachärztin, die wie viele andere nicht genannt werden möchte, sagt, die Ärzte würden mit Bürokratie überfrachtet, die Zahl der Patienten begrenzt, ebenso das Honorar. Nicht fehlende Ärzte oder Termine seien das Problem, sondern die Tatsache, dass die Praxen betriebswirtschaftlich kaum überleben könnten.

Hintergrund: Servicesstellen für Termine 

Patienten sollen ab 23. Januar 2016 schneller einen Termin beim Facharzt bekommen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) müssen Termin-Servicestellen vorhalten. Hier soll Versicherten mit dringlicher Überweisung innerhalb von vier Wochen ein Termin vermittelt werden. Wer einen Augenarzt oder Gynäkologen benötigt, braucht laut Auskunft des KV-Sprechers Karl Roth weder eine Überweisung noch eine vom Hausarzt bestätigte Dringlichkeit. Das sieht das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung vor. Eine gute medizinische Versorgung soll auch in Zukunft keine Frage des Wohnorts sein, das ist der Hintergrund der Regelung.

Rubriklistenbild: © Schankweiler-Ziermann

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