Geringeres Aufkommen vor allem wegen K+S-Schwäche

Gewerbesteuer: Schlechtes Ergebnis im Kreis Hersfeld-Rotenburg 

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Spürbar zurückgegangen: Das Gewerbesteueraufkommen im vergangenen Jahr im Kreis-Hersfeld-Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg. Die Gewerbesteuereinnahmen in Hersfeld-Rotenburg sind 2016 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel (25,9 Prozent) gesunken.

Das teilt das Statistische Landesamt Hessen mit. Die Städte und Gemeinden haben im vergangenen Jahr über die Gewerbesteuer 57.884.456 Euro eingenommen. Knapp 15 Millionen weniger als noch 2015. Die Zahlen bezeichnen die Vorauszahlungen, das heißt ohne Abzug der Gewerbesteuerumlage.

Gewerbesteuer-Motor K+S

Grund für den Rückgang sind vor allem die massiven Einbrüche in Philippsthal und Heringen. Beide Kommunen sind stark abhängig von der wirtschaftlichen Lage des Düngemittelherstellers K+S, der im vergangenen Jahr auf die fehlende Versenkerlaubnis mit Kurzarbeit reagieren musste. Philippsthal musste einen Rückgang von 67,9 Prozent (um 10,4 auf 4,9 Millionen Euro) verkraften. Bei Heringen schrumpften die Einnahmen immerhin noch um 54,4 Prozent (um 7,8 auf 6,6 Millionen Euro). Beide Kommunen reagierten mit Haushaltssperren auf die Entwicklung.

Erstmals seit 2013 trieb die Kreisstadt Bad Hersfeld damit wieder die meisten Gewerbesteuern ein. Sie verdiente etwas mehr als 13 Millionen Euro. Am unteren Ende der Skala lag 2016 Ludwigsau mit 140.425 Euro. Der letzte Platz der Statistik wechselt von Jahr zu Jahr. Ludwigsau folgt auf Cornberg, Nentershausen und Breitenbach, die in den vergangenen Jahren jeweils die niedrigsten Gewerbesteuereinnahmen verzeichneten.

„Die Zahlen zeigen, wie wichtig K+S als Unternehmen für die Region ist. Ich bin zum einen zuversichtlich, dass für 2017 aufgrund der Übergangsregelungen wieder bessere Ergebnisse vorliegen werden. Andererseits zeigt es aber auch, dass wir uns in unserer Region für die Zukunft breiter aufstellen müssen“, sagte Landrat Dr. Michael Koch.

Gewinner und Verlierer

Gewerbesteuereinnahmen Hersfeld Rotenburg 2016

Warum der Landkreis Hersfeld-Rotenburg bei den Gewerbesteuereinnahmen im Vergleich zum Vorjahr so eingeknickt ist, ist mit der Krise bei K+S schnell erklärt. Die Verluste sind in absoluten Zahlen in Heringen und Philippsthal mit deutlichem Abstand am Größten. Doch auch in anderen Kommunen des Kreises gibt es bemerkenswerte Veränderungen.

Cornberg

Mit 1027,1 Prozent konnte die Gemeinde Cornberg die höchste Steigerung verbuchen. Grund dafür ist ein Fehlbetrag aus dem Jahr 2015. „Dazu führten Rückzahlungen von Vorauszahlungen aus Vorjahren in Höhe von insgesamt rund 109 000 Euro“, erklärt Bürgermeister Achim Großkurth.

Da sich die Einstufung von Vorauszahlungen an den Einnahmen der Vorjahre orientiert, kann dies bei sinkenden Einnahmen zu hohen Rückzahlungsansprüchen der Betriebe gegenüber den Kommunen führen. Dies war bei der Gemeinde Cornberg im Haushaltsjahr 2015 der Fall. Im Haushaltsjahr 2016 habe hingegen die allgemeine konjunkturelle Entwicklung zu höheren Gewerbesteuereinnahmen als geplant geführt.

Ludwigsau

Als „wenig aussagekräftig“ bezeichnet Bürgermeister Thomas Baumann die Betrachtung der jährlichen Gewerbesteuerentwicklung. Es gebe zu starke Schwankungen, wegen Voraus- beziehungsweise Nachzahlungen, um ein verlässliches Bild zu haben. Das betreffe vor allem große Firmen. Den Rückgang um gut 80 Prozent in seiner Gemeinde sieht der Bürgermeister daher auch gelassen. „Für das Jahr 2017 sieht es bei uns schon deutlich besser aus“, sagt Baumann.

Haunetal

Über ein Plus von fast 76 Prozent konnte sich die Marktgemeinde Haunetal freuen. Bürgermeister Gerd Lang ist trotzdem nicht euphorisch: „Die Gewerbesteuern schwanken regelmäßig und sind nur schwer kalkulierbar beziehungsweise nicht steuerbar“, sagt der Verwaltungschef. Von der generellen Konjunkturlage abgesehen, hängen die Gewerbesteuern wie in vielen anderen Kommunen auch in Haunetal im Wesentlichen von einem großen Steuerzahler ab. (lad/fis/kai/nm)

Zum Tage von Lasse Deppe: Immer noch gut

Keiner in Hessen steht schlechter da als der Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Rumms, das sitzt. Aber nur so lange, bis man sich die Zahlen der Gewerbesteuervorauszahlungen genauer angeschaut und eingeordnet hat. Denn schon ein Blick über die Kreisgrenze hinaus zeigt, wie gut die Region trotz des massiven Rückgangs dasteht.

Über die Gesamteinnahmen unserer Gemeinden im Jahr 2016 würde man im Werra-Meißner-Kreis wohl jubeln. Die Kommunen dort kassieren nicht einmal die Hälfte von dem, was in Hersfeld-Rotenburg gezahlt wird. Was den Nachbarn fehlt, ist natürlich ein Arbeitgeber mit der Größe von K+S. Der dortige Jubel, nicht von einem großen Gewerbesteuerzahler abhängig zu sein, macht also wenig Sinn.

Bitter ist die Lage natürlich vor allem in den Kali-Kommunen Philippsthal und Heringen, die mit den Einnahmen geplant haben und mit Haushaltssperren reagieren mussten. Beide Kommunen werden in Zukunft gewappnet sein und vorsichtig planen. Besser wäre es zumindest.

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