Hinter Pilotprojekt der mobilen Arztpraxis stehen viele Fragezeichen

Bürgermeister sehen den „MediBus“ kritisch

Hersfeld-Rotenburg. Mit ihrer Ankündigung, dem Hausärztemangel mithilfe einer mobilen Praxis, dem sogenannten „MediBus“ zu begegnen, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen für Unverständnis und Unmut unter den betroffenen Bürgermeistern gesorgt.

„Das Projekt zu verkünden, ohne mit uns gesprochen zu haben, war falsch“, sagt Nentershausens Bürgermeister Ralf Hilmes. Die Ärzteversorgung auf dem Land sei ein sensibles Thema – „Ob es mit so einem Bus gelöst werden kann, halte ich für fraglich“, sagt Hilmes. Schließlich sei der Besuch beim Arzt Vertrauenssache. 

Das sieht auch sein Alheimer Amtskollege Georg Lüdtke so: „Es sind Konflikte absehbar, die vorher hätten besprochen werden sollen.“ Eine tolle Sache wäre es, wenn der Bus in den Orten stehen würde, die ohnehin schlecht angebunden seien, findet Lüdtke. „Er sollte aber nicht dort stehen, wo es schon Ärzte gibt.“

Als Zumutung für die Menschen im ländlichen Raum bezeichnet Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer die Bus-Lösung. „Wir haben hier genauso eine Versorgung verdient, wie sie für Patienten in den größeren Städten vorgesehen ist“, fordert Glänzer. Er rufe alle heimischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten dazu auf, sich für vernünftige Lösungen einzusetzen und die KV nicht mit solchen unsinnigen Ideen alleine laufen zu lassen. „Wir sind ja hier schließlich nicht in Sibirien“, sagt er.

Bebras Bürgermeister Uwe Hassl bezweifelt, ob ein solches Angebot überhaupt angenommen wird. „Die Idee ist zwar gar nicht so schlecht – so lange noch niedergelassene Ärzte da sind, ist das Projekt wohl aber nur etwas für Menschen auf dem Lande, die keine Angehörigen haben, um zum Arzt zu gelangen“, sagt Hassl.

Sehr gespannt ist man in Cornberg: „Da wir zurzeit leider keine hausärztliche Versorgung vor Ort haben, sehen wir dem mit großem Interesse entgegen“, sagt Bürgermeister Achim Großkurth. 

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