Gesetz regelt, wer arbeiten darf

Polizei, Krankenhäuser und Co.: Hier wird in Hersfeld-Rotenburg auch Weihnachten gearbeitet

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Auf unserem Bild zu sehen sind (von links) Ralf Sandrock, Rüdiger Ritter, Annika Glock, Julian Eberhardt und Sebastian Schmidt. Drei der fünf Polizeibeamten sind auch an Heiligabend an der Arbeit.

Die Weihnachtsfeiertage sind für viele Menschen im Kreis eine Zeit der Besinnung - Polizei und Rettungsdienst sind jedoch vom Arbeitsverbot ausgenommen.

Sie kommen nach Hause, treffen sich mit Familie oder Freunden, feiern gemeinsam das Weihnachtsfest oder genießen einfach die freien Tage. Die freie Zeit ist allerdings nicht jedem vergönnt. Weil auch an Feiertagen die öffentliche Ordnung aufrechterhalten werden muss, sind beispielsweise Polizei und Rettungsdienst vom Arbeitsverbot ausgenommen.

„Wir haben auch an den Feiertagen eine reguläre Besetzung“, berichtet Polizeisprecher Dominik Möller. „Das Leben geht schließlich auch an Weihnachten weiter.“ So verbringen viele Polizisten die Festtage im Kreise ihrer Kollegen. Man sei bei den Feiertagsdiensten um eine faire Schichtverteilung bemüht, sagt Möller weiter. „Die Dienstgruppen wechseln sich ab. In der Regel gleicht sich das dann über die Jahre aus.“ Auch versuche man, Rücksicht auf die Familiensituation zu nehmen. „Wir versuchen, es so zu regeln, dass Kollegen mit kleinen Kindern an Heiligabend nach Möglichkeit nicht arbeiten müssen. Die kommen dann eben an Silvester“, sagt Polizist Ralf Sandrock von der Wache in Rotenburg. Ob an Weihnachten mehr oder weniger los sei, lasse sich nicht genau sagen. Das sei jedes Mal ganz unterschiedlich.

Auch in der Einsatzleitstelle des Landkreises wird regulär gearbeitet. Tag und Nacht sitzt jemand an den Telefonen, um Notrufe entgegenzunehmen. „Hier läuft der Betrieb ganz normal weiter“, sagt Mitarbeiter Lars Bartolmai. Die einzige Besonderheit: „An den Feiertagen gibt es weniger geplante Krankentransporte.“ Das Drei-Schicht-System ermögliche es den Mitarbeitern zumindest teilweise, an den Feiertagen zu Hause zu sein.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Hersfeld trifft man keine speziellen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. „Weihnachten ist insgesamt eher weniger los“, sagt Pressesprecher Jonas Seitz. Während beim Lullusfest eine Art Bereitschaftsdienst eingerichtet werde, sei das an Weihnachten nicht nötig. „Viele Leute denken immer an den brennenden Adventskranz oder Weihnachtsbaum. So etwas kommt aber nur ganz selten vor.“

Wer darf an Weihnachten arbeiten?

Wer an Feiertagen arbeiten darf, ist im Hessischen Feiertagsgesetz und im Arbeitszeitgesetz geregelt. Grundsätzlich ist die Arbeit an Feiertagen verboten. Allerdings kann auf manche Tätigkeiten nicht verzichtet werden. Deswegen gibt es in beiden Gesetzen eine Reihe von Ausnahmen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Arbeiten nicht auch an einem regulären Werktag erledigt werden können. Sonderregeln gibt es beispielsweise auch in der Gastronomie oder beim Bäcker.

Bus, Bahn und Taxi 

So mancher ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, um an Heiligabend und den Feiertagen in die Kirche oder zu Freunden und Verwandten zu kommen. Die Busse und Bahnen im NVV-Gebiet fahren auch an Feiertagen. „Im Prinzip ist das für uns ein ganz normaler Verkehrstag“, sagt NVV-Sprecher Armin Noll. „Allerdings gibt es teilweise spezielle Fahrpläne.“ So fahren Busse und Bahnen an Heiligabend bis 15 Uhr nach Samstagsfahrplan, danach gibt es einen Sonderfahrplan.

 

Bei den Taxis ist immer Betrieb: Heinz-Wilhelm Jakob fährt seine Kunden am zweiten Weihnachtsfeiertag.

Auch beim Taxi-Service Bad Hersfeld wird an Weihnachten gearbeitet. „Heiligabend ist besonders viel los, bis 5 oder 6 Uhr“, sagt Gregor Smolorz, der das Unternehmen leitet. An den folgenden beiden Tagen sei es aber dann ruhiger. Hinzu komme, dass sein Unternehmen auch die Sammeltaxis für den Linienverkehr stelle. Grundsätzlich versucht er, seinen Kollegen zumindest einen Feiertag freizuhalten.

Krankenhäuser 

„Am Heiligen Abend und den restlichen Feiertagen sind täglich über 300 Mitarbeiter im Einsatz“, sagt Werner Hampe, der beim Klinikum Hersfeld-Rotenburg für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Dies entspreche der ungefähren Mitarbeiterzahl an den übrigen Wochenenden des Jahres. Die Verteilung der Dienste werde zunächst auf freiwilliger Basis vorgenommen. Der Anspruch in den Abteilungen ist aber schon so, dass möglichst die Familienmütter und -väter nicht den Spätdienst machen müssten.

Auch im Kreiskrankenhaus wird über die Feiertage gearbeitet, in diesem Jahr haben unter anderem Dienst: (von links) Lena Fleimann, Petra Mähler-Creon, Adina Udila, Esther Görzen, Lena Harthausen, Dr. Szilvia Nagy, Theresa Adomeit, Leonie Jahnke und Raphael Görzen.

Und die Patienten? „Aus Erfahrung muss man sagen, dass die meisten Menschen auf Biegen und Brechen versuchen Weihnachten zuhause zu verbringen und die Angehörigen auch darauf dringen, dass ‘ihr’ Patient möglichst zum Fest bei seiner Familie ist“, so Hampe. Ähnlich ist es auch im Rotenburger Kreiskrankenhaus. „Jeder der irgendwie kann, geht nach Hause“, sagt die Personalleiterin Oberin Karla Krause-Heid. Im Krankenhaus habe man dann nur noch ungefähr die halbe Auslastung. An Heiligabend findet ein Gottesdienst statt, an dem Angehörige, Patienten und Mitarbeiter teilnehmen. Rund 60 Pfleger seien an den Feiertagen im Einsatz. Für den Notfall gebe es eine Rufbereitschaft, damit genügend Personal zur Verfügung steht. Grundsätzlich gilt: Entweder an Weihnachten oder an Silvester wird gearbeitet.  

Rettungsdienste 

Der Dienst der Rettungsdienste unterscheidet sich nicht von dem im Rest des Jahres, berichtet Sebastian Hinske. Er leitet den Rettungsdienst des DRK im Altkreis Rotenburg. „Die Feiertage sind leider bei uns ein Tag wie jeder andere“, berichtet er. Das Einsatzaufkommen sei an Weihnachten schwer vorauszusagen. Auf den Straßen sei meist etwas weniger los, dafür gebe es tendenziell mehr Einsätze im häuslichen Umfeld. „An Heiligabend fährt unser Vorstand raus und verteilt kleine Geschenke an die Mitarbeiter auf den Rettungswachen“, sagt Hinske weiter.

Gastronomie 

Schon im Vorfeld der Festtage gehen viele gern ins Restaurant. „In der Gastronomie ist in der Weihnachtszeit immer Hochbetrieb“, sagt Hanns-Karl Madelung. Er ist Chef des Kreisverbandes Waldhessen der Dehoga. „Die Betriebe sind sehr froh, dass es Mitarbeiter gibt, die auch an den Feiertagen zur Verfügung stehen.“ Man bemühe sich sehr darum, dass die Arbeit fair aufgeteilt sei. Wie der ganze Dezember seien auch die Weihnachtsfeiertage sehr umsatzstark. 

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