„Ich wollte nie Landrat werden, aber ich habe es nie bereut.“

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt geht in den Ruhestand

Endlich wieder mehr Zeit für den Garten: Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt testet schon mal den Ruhestand auf der kleinen Brücke über den Teich im Garten seines Hofes Hofes in Nentershausen-Dens. Foto: Janz

Hersfeld-Rotenburg. Heute wird Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt nach zwölf Jahren an der Spitze der Kreisverwaltung bei einem Festakt in den Ruhestand verabschiedet.

Mit Marcus Janz und Kai A. Struthoff ließ Schmidt bei einem Gespräch im Garten seines Hofes in Dens die Zeit Revue passieren.

Herr Landrat, wir haben Sie als einen äußerst pflichtbewussten Menschen kennengelernt, der die Zwölf-Stunden-Tage zelebriert und nachts noch Akten frisst. Graust es Ihnen nicht vor dem Ruhestand? 

Dr. Karl-Ernst-Schmidt: Die Beschreibung passt auf mich, das stimmt. Ich freue mich daher nicht auf den Ruhestand, weil ich die Arbeit gern gemacht habe. Aber ich habe auch keine Angst davor. Hier, rund um mein Haus und den Hof, gibt es genug zu tun.

Wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken, worauf sind Sie besonders stolz?

Schmidt: Ich bin der Meinung, dass öffentliche Verwaltungen für die Bürger und die Unternehmen da sind. Früher war das nicht immer so. Deshalb freue ich mich, dass sich unsere Kreisverwaltung unter meiner Leitung zu einem bürgerfreundlichen Dienstleister entwickelt hat. Das fängt mit den Öffnungzeiten an, aber es entspricht inzwischen auch dem Selbstverständnis unserer Mitarbeiter. Das erfüllt mich mit Befriedigung. Aber natürlich freue ich mich auch darüber, dass der Kreis wirtschaftlich sehr gut dasteht.

Wir dachten mehr an konkrete Projekte?

Schmidt: Natürlich bin ich auch zufrieden, dass wir in dieser Zeit nahezu 100 Millionen Euro für unsere Schulen ausgegeben, den ÖPNV und die Schülerbeförderung verbessert und auch in unsere Kreisstraßen investiert haben. Darüber hinaus haben wir uns aktiv mit den Herausforderungen des „Demografischen Wandels“ auseinandergesetzt, so etwa durch Ansiedlung einer Hochschule. Insgesamt verzeichnen wir seit 2010 eine Halbierung des Bevölkerungsrückgangs.

Welche Ihrer Ziele haben Sie nicht erreicht? 

Schmidt: Ich wollte die Jugend- und Freizeiteinrichtungen auf Fehmarn und in Schwaltenweiher im Allgäu verkaufen. Das ist bisher nicht vollständig gelungen. Ich musste politische Kompromisse eingehen. Aber ich hoffe, dass der Verkauf doch noch gelingt, denn wir müssen die Verluste für den Kreis reduzieren. Außerdem bedauere ich es, dass die Neuorganisation der Gesundheitslandschaft - Stichwort Klinikfusion - in meiner Amtszeit nicht gelungen ist. Und natürlich hatte ich immer Probleme damit, dass wir uns zu Lasten kommender Generationen verschuldet haben.

Wir haben Sie immer als einen sehr ausgleichenden Menschen erlebt, dem harte Worte fremd sind. Trotzdem haben Sie jetzt noch mit einem Paukenschlag Elke Künholz entmachtet. War das in dieser Form nötig?

Schmidt: Was ist daran ein Paukenschlag? Es liegt in der Kompetenz von Landräten, Dezernate umzustrukturieren. Eben das habe ich getan.

Hätten Sie das nicht längst tun können, und nicht erst am Ende Ihrer Amtszeit?

Schmidt: Die Umstrukturierung war schon lange vorbereitet. Zudem lief aber auch so Einiges nicht optimal im Bereich der Schulverwaltung. Manches hat sich dort über längere Zeit entwickelt. Natürlich ordne ich meine Verwaltung so, wie ich es für richtig halte. Auch Frau Künholz hatte ja Reorganisationen angekündigt, für den Fall dass sie Landrätin geworden wäre. Ich habe mir in dieser Frage nichts vorzuwerfen.

Hätten Sie nicht auch bei anderen Themen früher mal ordentlich auf den Tisch hauen müssen - zum Beispiel nach dem Abzug von Behörden oder beim Thema Windkraft? 

Schmidt: Ich habe immer klar Position bezogen, aber nicht immer öffentlich. Denn was nützt das? Auf den Tisch hauen ist nicht das meine. Es kommt vielmehr auf die Ergebnisse an. Trotzdem habe ich mich natürlich manchmal auch über Entscheidungen des Landes geärgert.

Wir hören immer wieder, dass das Arbeitsklima im Landratsamt nicht gut ist?

Schmidt: Machen Sie doch mal ein Interview darüber mit unserem Personalrat. Sie werden mit Sicherheit einen anderen Eindruck bekommen. Persönlich habe ich mich dennoch immer bemüht, wenn irgend möglich, den Wünschen der Mitarbeiter nachzukommen - etwa bei Arbeitszeitmodellen. Und ich glaube schon, dass ich immer anständig mit den Mitarbeitern umgegangen bin.

Werden wir Sie auch in Zukunft im Landratsamt sehen? 

Schmidt: (lacht) Na ja, vielleicht wenn ich dort einen Antrag abgeben muss. In einigen Funktionen bin ich noch bis zum Ende der Legislaturperiode. Aber sonst habe ich keine Funktionen mehr. Wenn mich Michael Koch anruft, dann sage ich ihm gerne meine Meinung.

Werden Sie dem neuen Kreistag angehören?

Schmidt: Auf keinen Fall! Ich werde ganz sicher nich dafür kandidieren. Natürlich werde ich meine Parteifreunde unterstützen. Das gilt insbesondere für den CDU-Gemeindeverband in Nentershausen. Aber ich mache keine Politik mehr.

Was tun Sie denn dann?

Schmidt: Ich werde mir einen Hund kaufen - eine Brandlbracke, die wir uns schon beim Züchter ausgesucht haben. Gemeinsam werden wir dann auch wieder mehr auf die Jagd gehen. Außerdem kaufen meine Frau und ich uns E-Bikes. Vielleicht spiele ich auch öfter wieder Klavier - aber irgendwelche exotische Pläne haben wir nicht.

Jetzt, am Ende Ihrer Amtszeit, können Sie es uns ja verraten: Haben Sie damals tatsächlich daran geglaubt, gegen Roland Hühn zu gewinnen?

Schmidt: Also: Ich wollte nie Landrat werden, nie die Politik zum Beruf machen. Ich bin eigentlich mehr zufällig in den Kreistag gewählt worden und wurde dann dort auch Fraktionsvorsitzender. Bei der Landratswahl wollte dann kein anderer kandidieren, und deshalb musste ich als Fraktionsvorsitzender ran. Und wenn ich was mache, dann richtig, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt nicht an den Sieg geglaubt haben. Während des Wahlkampfs fing ich dann doch an, zu glauben, dass ich vielleicht gewinnen könnte. Und es kam, wie es kam. Wir waren zwar alle überrascht, aber ich habe es nie bereut!

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