In den 1930er Jahren wurde aus einer Schmiede eine Tankstelle

Nach über 80 Jahren: Kein Nachfolger für Tankstelle in Heinebach in Sicht

Heinebach. Die Tankstelle am Ortsausgang von Heinebach ist eine Institution in der Alheimer Gemeinde.

Seit über 100 Jahren sind dort die Gundlachs am Werk. Erst mit einer Schmiede, seit den 1930er-Jahren mit einer Tankstelle. Doch die Zukunftsaussichten sind düster. Besitzer Otto Gundlach findet keinen Nachfolger.

Das Problem 

Aus dem eigenen Hause wird es niemanden geben. Gundlachs beide Söhne haben sich bereits in anderen Berufen etabliert. Ein Sohn wohnt schon lange nicht mehr in Heinebach. Auch Ehefrau Anneliese, mit der Gundlach seit 1980 die Tankstelle betreibt, geht mittlerweile auf die 60 zu und ist gesundheitlich etwas angeschlagen.

Solange also der 67-Jährige keinen Käufer findet, können er und seine Anneliese nicht in den Ruhestand gehen. Und ohne den Verkauf der Tankstelle ist der Ruhestand der beiden nicht abgesichert. „Eine Schließung ist für uns ein wirtschaftliches Debakel“, sagen sie.

Die Tankstelle 

Die Tankstelle aufzugeben, ohne jemanden als Nachfolger zu finden, würde Gundlach sehr schmerzen: „Nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch aus ideellen Gründen.“ Sein Großvater Martin hat 1904 auf dem Gelände der heutigen Tankstelle eine Schmiede aufgebaut. Dort wurden nicht nur Ochsen und Pferde mit Eisen beschlagen, sondern auch Radreifen bespannt.

Als dann in den 1920er-Jahren die ersten Autos durch die Gemeinde fuhren, spezialisierte sich Großvater Martin auf Fahrzeuge statt auf Ochsen. 1936 wurde schließlich die Tankstelle gebaut und später mit einem Werkstattgebäude erweitert. Aus der Schmiede war nun offiziell eine Tankstelle geworden.

Nach dem Großvater übernahm Otto Gundlach Senior die Geschäfte. Währenddessen machte Junior, der heutige Besitzer, seinen Meisterbrief im Kfz-Handwerk. Als kurz darauf sein Vater mit 60 Jahren einen Schlaganfall erleidet und stirbt, hilft Mutter Hildegard aus. Sie führt den Betrieb bis 1980, dann übernehmen Gundlach und seine Frau.

Die Tankstelle bekommt einen neuen Anstrich, eine automatische Waschstraße wird installiert und eine Gassäule aufgestellt. Die Erdöl-Lieferanten wechseln: von Esso zu Lomo zu Agip und schließlich zu Avia.

Die Zukunft 

Für die Gundlachs heißt es nun langsam, sich Gedanken um die Zukunft zu machen. Beide werden nicht jünger und Otto Gundlach vor allem nicht gesünder. Vor zwei Jahren hatte er einen Schlaganfall. Dass er jetzt noch täglich im Verkaufsraum der Tankstelle stehen kann, hat er seiner Frau zu verdanken. „Sie hat sofort gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt. Halbe Stunde später lag ich schon im HKZ am Tropf“, erzählt der 67-Jährige. Ein moderates Angebot für seine Tankstelle von einem liquiden Käufer wäre das größte Geschenk für die beiden Gundlachs. Denn dann könnte sich Otto Gundlach endlich um seine Gesundheit kümmern. Doch solange vernünftige Angebote ausbleiben, wird er die Tankstelle weiterführen. Die nächsten zwei Jahre auf jeden Fall noch, das hat er nun vertraglich festgemacht.

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