Gebäude wäre zu teuer geworden

Landrat Koch stoppt 21-Millionen-Neubau am Landratsamt in Bad Hersfeld

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So hätte er aussehen können, der geplante Anbau an das Landratsamt in Bad Hersfeld, hier von der Wilhelm-Wever-Straße aus gesehen. Nun steht die Realisierung des Projekts in den Sternen.

Hersfeld-Rotenburg. Der geplante Anbau am Landratsamt in der Friedloser Straße in Bad Hersfeld kann vorerst nicht realisiert werden. Der Grund: die Kosten. 

Wegen der enormen Preissteigerungen im Bausektor wäre das vorgesehene multifunktionale Bürogebäude für rund 200 Mitarbeiter der Kreisverwaltung um bis zu 30 Prozent teurer geworden. Die mit der Projektentwicklung beauftragte OFB (siehe Hintergrund am Artikelende), eine Tochter der Helaba, sah sich deshalb nicht in der Lage, den vereinbarten Fixpreis von maximal 21 Millionen Euro zu halten. Das teilte am Dienstagabend der Geschäftsführer der OFB, Klaus Kirchberger, gemeinsam mit Landrat Dr. Michael Koch mit. „Ich bin darüber sehr enttäuscht“, räumte Koch ein. Aber gerade die Kostensicherheit sei das Hauptargument für die Zusammenarbeit mit der OFB gewesen.

So war geplant, dass der Kreis das fertige Gebäude von der OFB mietet, ein späterer Kauf der Immobilie wäre auch möglich. Finanziert werden sollte dies durch Einsparungen an Mieten, die der Kreis zurzeit noch für andere Objekte zahlt.

Voraussetzung für das Projekt war allerdings, dass die OFB als externer Bauherr ein Gebäude errichtet, das auch für andere Mieter nutzbar wäre und kein reiner „Bestellbau“ für das Landratsamt ist, erläuterte OFB-Chef Kirchberger. Um die Kosten im Rahmen zu halten, sei das Projekt immer mehr abgespeckt worden, wodurch der Anbau letztlich doch komplett auf die Bedürfnisse der Kreisverwaltung zugeschnitten gewesen wäre. In diesem Fall hätte das Bauvorhaben aber europaweit ausgeschrieben werden müssen. „Alles andere wäre ein Verstoß gegen die Vergaberichtlinie“, so Kirchberger.

Dieses Risiko konnte der Kreis nicht eingehen. Deshalb stoppte Landrat Koch das Projekt – vorerst. Der Raumbedarf sei weiter vorhanden, er hoffe, den Anbau noch in seiner Amtszeit realisieren zu können.

Im Landratsamt bleibt es vorerst eng

So recht wollte Landrat Dr. Michael Koch sein Schmand-Schnitzel an diesem Abend nicht schmecken. Eigentlich war nur ein informelles Hintergrundgespräch bei einem Essen mit Journalisten geplant. Doch dann platzte die Bombe: Nachdem die Kreisverwaltung am Wochenende noch einmal gerechnet und die Paragrafen gewälzt hatte, war für den Volljuristen Koch und seine Justiziare klar: Der Anbau ans Landratsamt kann nicht wie geplant realisiert werden. Das Risiko, mit dem Anbau gegen das Vergaberecht zu verstoßen, war zu hoch. 

Für Michael Koch rückt damit ein zentrales Projekt seiner ersten Amtszeit in weite Ferne. Der Raumbedarf des Landratsamtes indes bleibt bestehen, zumal gerade im Sozialbereich Einzelbüros für vertrauliche Beratungsgespräche fehlen. Auch die Leitstelle, die ursprünglich in den jetzigen Kreistagssitzungssaal ziehen sollte, um neuen gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen, hängt nun in der Luft. Koch möchte, dass die Leitstelle auch weiter räumlich im Landratsamt integriert bleibt. 

Dennoch sieht der Landrat keine akuten Probleme wegen des gestoppten Bauprojekts. Alle Mietverträge für Außenstellen der Verwaltung laufen vorerst weiter. Den Löwenanteil der Planungskosten für das Projekt trägt ohnehin die OFB, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Für den Kreis fallen nur die Kosten für ein Gutachten an, die im Haushalt ohnehin eingestellt waren. 

Kreistag entscheidet über neuen Anlauf

Ganz aufgeben will Landrat Koch das Anbauvorhaben aber nicht. In einem neuen Anlauf müsste das Projekt allerdings vermutlich europaweit ausgeschrieben werden, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Danach könnte es dann sein, dass es teurer wird oder kleiner gebaut werden muss, erklärt Koch. Sicher ist, dass die Umsetzung des Bauvorhabens länger dauern wird. „Die Entscheidung liegt beim Kreistag“, macht Michael Koch klar. Am Mittwoch wurden alle Fraktionen und Gremien über den Stopp des Anbauvorhabens informiert.

OfB: Spezialist für Großimmobilien

Die OFB wurde 1958 gegründet. Das Kürzel steht für „Organisieren. Finanzieren. Bauen.“ Sie ist eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen und bei der Entwicklung und dem Projektmanagement großer Büro-, Verwaltungs- und Gewerbeimmobilien aktiv. Nach eigenen Angaben betreut die OFB gegenwärtig ein Investitionsvolumen von 2,4 Milliarden Euro. Die Projekte werden sowohl in enger Partnerschaft mit anderen Unternehmen als private Partnerschafte oder als öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP/PPP) zusammen mit der öffentlichen Hand realisiert. Die Hauptniederlassung ist in Frankfurt. Geschäftsführer ist seit April 2017 Klaus Kirchberger.

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