Massive Kritik an Konzept für Bahntrasse durchs Geistal

So könnte sie aussehen: die Neubaustrecke im Geistal. Unser Leser Christian Schade aus Neuenstein-Gittersdorf hat diese Fotomontage erstellt. Die ICE-Brücke hat er bei Obergeis fotografiert und die Fotos auch schon auf Facebook veröffentlicht. Fotomontage: Schade/nh 

Hersfeld-Rotenburg. Der Bundesverkehrswegeplan 2030 sorgt für Beunruhigung im Landkreis: In dem Werk, in dem mögliche Straßen- und Bahnbauprojekte der nächsten eineinhalb Jahrzehnte gelistet sind, taucht auch eine Neubautrasse der Deutschen Bahn durch das Geistal auf.

Die Planung sorgt bei Parteien, Fraktionen und Bürgerinitiativen für Empörung. Kritisch äußern sich auch beide Bundestagsabgeordneten.

Die Trasse könnte die Nord-Süd-Verbindung von Bebra nach Fulda mit der ICE-Trasse Kassel - Fulda - Würzburg verbinden. Sie berührt, von Norden gesehen, Bebra-Blankenheim und führt nordöstlich der Ludwigsauer Ortsteile Mecklar, Reilos und Friedlos vorbei. Sie verläuft dann nahe Bad Hersfeld, Heenes, Allmershausen, Gittersdorf, Ober- und Untergeis und biegt dann nach Süden ab. Nahe Mecklar, am Wehneberg sowie bei Untergeis sind mehrere Tunnel vorgesehen.

„Nach allem, was bislang bekannt ist, halte ich eine Bahntrasse durch das Geistal für verkehrs- und umweltpolitisch für eine Fehlentscheidung", bezieht CDU-Bundestagsabgeordneter Helmut Heiderich Stellung. Auch finanziell sei ein solches Projekt nicht zu verantworten. Heiderich fordert die Verantwortlichen im Ministerium auf, die Unterlagen zu veröffentlichen, auf denen die Planung basiert. Besonders kritisch ist aus Heiderichs Sicht, dass Bad Hersfeld vom ICE-Verkehr abgekoppelt würde.

Bundestagsabgeordneter und Europaminister Michael Roth (SPD) hält die „Aufregung um das Projekt derzeit für überzogen". Roth: „Damit eine echte Bürgerbeteiligung möglich ist, steht nun vor allem die Deutsche Bahn in der Pflicht, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren. Auf Grundlage dessen können dann wir dann mit der Bahn die erste Planungsstufe erörtern."

Weitere Reaktionen:

„Das Stochern im Nebel muss ein Ende haben. Ich habe deshalb die Verantwortlichen im Ministerium gebeten, die Überlegungen und Kostenkalkulationen bei einem Vort-Ort-Termin zu erläutern. Das wäre auch eine gute Gelegenheit, um den massiven Bedenken aus der Bevölkerung und der Kommunalpolitik Gehör zu verschaffen.“

Bundestagsabgeordneter Helmut Heiderich (CDU)

„Ich begrüße die intensive Diskussion vor Ort, denn Infrastrukturprojekte können nur gelingen, wenn Kommunalpolitik und Bürgerschaft das Projekt ebenfalls unterstützen. Genau deshalb hat das Bundesverkehrsministerium bei der Erarbeitung des Bundesverkehrswegeplans in diesem Jahr ja auch erstmals eine sechswöchige Bürgerbeteiligung vorgesehen. Damit eine echte Bürgerbeteiligung möglich ist, steht nun die Deutsche Bahn in der Pflicht, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren. “

Europaminister und Bundestagsabgeordneter Michael Roth (SPD)

„Das Projekt würde das untere Rohrbachtal und Fuldatal zerschneiden.“

Rainer Koch, Vorsitzender der SPD-Fraktion in Ludwigsau

„Zudem wird mit dem geplanten Trassenverlauf durch das Geistal und Ludwigsau zusätzlicher Naturraum zerschnitten. Schlimmer noch sind die unzumutbaren Umstände für die betroffenen Menschen: Auf der einen Ortsseite die B 27 und die bestehende Bahntrasse, auf der anderen Ortsseite eine neue Bahntrasse.

Bürger für Ludwigsau (BfL)

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