Um individuelle Lösungen bemüht

Pflegekinder: Hilfe im Kreis Hersfeld-Rotenburg auch nach der Volljährigkeit

Hersfeld-Rotenburg. Wenn Kinder in Heimen und Pflegefamilien volljährig werden, entfällt in der Regel auch die staatliche Unterstützung. Weil man mit 18 aber nicht unbedingt auch schon erwachsen ist, kümmert sich die Jugendhilfe des Landkreises Hersfeld-Rotenburg um diese jungen Menschen auch über die Volljährigkeit hinaus.

„Bei uns wird mit 18 nicht einfach Schluss gemacht“, sagt Anette Kranz, die Leiterin des Jugendamtes. Der ländliche Raum unterscheide sich dabei von Großstädten und Ballungsgebieten. Denn die weitergehende Unterstützung wird nur auf Antrag gewährt. „Das ist hoch problematisch“, machte jüngst Prof. Dr. Klaus Wolf von der Forschungsgruppe Pflegekinder der Uni Siegen bei einer Fachtagung im Bundesfamilienministerium in Berlin auf die aktuelle Situation aufmerksam.

Wo die Fallzahlen hoch und die Kassen leer sind, ist der Umgang mit den sogenannten Careleavern (aus dem Englischen "care" für Sorge und "leave" für verlassen) strikter als in Osthessen. Hier laufen die finanzielle Unterstützung und die Begleitung durch das Jugendamt weiter, wenn Bedarf, Notwendigkeit und Mitwirkungsbereitschaft vorliegen.

Mehr als 150.000 Kinder wachsen bundesweit in Pflegefamilien und betreuten Wohnformen auf. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind es lediglich um die 100, in den vergangenen Jahren mit leicht steigender Tendenz. Vier bis sechs von ihnen fallen jedes Jahr in die Gruppe der „Careleaver“, die zum Zeitpunkt der Volljährigkeit oft mitten in Ausbildung und Schule stecken. Die Verselbstständigung und Verabschiedung ins Erwachsenenleben kommen da meist zu früh.

„Junge Leute gehen heute generell nicht mehr mit 18 aus dem Haus,“ weiß Anette Kranz, „das verschiebt sich nach hinten.“ Dieser Entwicklung müsse auch die Rechtslage Rechnung tragen. Eine erste Änderung des Sozialgesetzbuches ist zwar vom Bundeskabinett beschlossen, aber noch nicht vom Bundestag verabschiedet.

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Rubriklistenbild: © dpa

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