Interview

Vom „Stift“ zum Vorstandschef: Reinhard Faulstich ist seit 40 Jahren bei der Sparkasse

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Ein Leben für die Sparkasse: Der Vorstandsvorsitzende Reinhard Faulstich, hier vor der Filiale am Bad Hersfelder Rathaus, ist seit 40 Jahren dabei. 

Seit 40 Jahren arbeitet Reinhard Faulstich bei der Sparkasse, seit zehn Jahren führt er die Bank als Vorstandsvorsitzender – auch in finanzpolitisch schwierigen Zeiten.

Aus Anlass des besonderen Berufsjubiläums sprach er mit Kai A. Struthoff.

Herr Faulstich, am 1. August feiern Sie Ihr 40-jähriges Dienstjubiläum. Hätten Sie sich damals, als Sparkassen-Azubi, träumen lassen, dass Sie einmal Vorstandsvorsitzender bei eben dieser Sparkasse sein würden?

Eigentlich nie. Ich wollte zwar immer bei der Bank arbeiten, aber ich habe angefangen wie jeder „Stift“ damals und die Sparkasse über die einzelnen Geschäftsstellen kennengelernt. Erst Mitte der 1980er Jahre habe ich meine Liebe für das Kreditgeschäft entdeckt. Da ich ursprünglich über den zweiten Bildungsweg komme, habe ich kontinuierlich durch Weiterbildung darauf hingearbeitet, voranzukommen.

Das Berufsbild des vertrauenswürdigen und angesehenen Bankangestellten hat sich seit damals etwas verändert: Stichwort: Bankenkrise, Lehman-Pleite, Aktien-Zockerei. Das betrifft zwar nicht die Sparkassen, aber schmerzt sie das trotzdem?

Ja, auf jeden Fall. Bei meiner Aufnahmeprüfung damals waren wir über 200 Bewerber für 12 Ausbildungsplätze. Damals gab es einen Eignungstest mit Kopfrechnen und so weiter in der Jahnhalle. Es ist heute sehr viel schwieriger, junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Wir bringen in der Sparkasse die Werte mit, die Vertrauen ausmachen – es tut deshalb schon weh, wenn wegen Einzelnen das Vertrauen in einen ganzen Berufszweig erschüttert wird.

Die Deutsche Bank hat gerade angekündigt, weltweit 18 000 Stellen abzubauen und den Konzern umzustrukturieren. Haben derartige Entwicklungen bei angeblich „systemrelevanten Banken“ auch Auswirkungen auf die Kreditinstitute hier vor Ort?

Wir entwickeln unsere Strategien eher langfristig und unabhängig von den Großbanken. Wir versuchen, an dem ursprünglichen Wertegefüge der Sparkassen festzuhalten, und möchten allen Bevölkerungsschichten eine finanzielle Teilhabe ermöglichen – völlig unabhängig von einem Großkundengeschäft. Wir pflegen die Geschäftsbeziehungen zum Mittelstand. Mit dem großen Investmentbanking haben wir hier vor Ort ohnehin nichts zu tun.

Mit Christine Lagarde kommt jetzt eine neue EZB-Chefin, die vermutlich die Niedrigzinspolitik ihres Vorgängers fortsetzen wird. Das belastet auch die Geschäfte der Sparkassen und Raiffeisenbanken vor Ort. Wie gehen Sie damit um?

Ich glaube, das wird überschätzt. Ein EZB-Chef kann die Belange ein Stück weit steuern. Aber die Niedrig- und Minuszinspolitik hängt vor allem mit den unterschiedlichen Volkswirtschaften in Europa zusammen. Das wird uns weiter begleiten – ob nun mit Herrn Weidmann oder mit Frau Lagarde. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Zinsen noch weiter sinken. Die Kreditkunden werden sich darüber freuen. Deshalb werden aber vermutlich immer mehr Banken auch dazu übergehen, Privatkunden mit „Verwahrentgelten“ zu belegen.

Ihre Kollegen von der VR-Bank setzen auf Betongold und bauen vermehrt Immobilien, weil das Geld selbst nichts mehr einbringt. Ist das auch für die Sparkasse eine Strategie?

Wir investieren seit Jahren in Immobilienanlagen – nicht unbedingt nur hier im Kreis – und auch in Wertpapieranlagen. Das hat bei der Sparkasse ein beachtliches Volumen. Der Markt hier im Kreis ist aber zu eng, als dass wir uns hier einem Wettbewerb aussetzen wollen. Eigene Immobilien bauen wir kontinuierlich aus – zum Beispiel in Bebra mit Wohnungen und einer Geschäftsetage. Aber wir wollen und dürfen anderen Marktteilnehmern auf diesem Gebiet keine Konkurrenz machen.

Immer mehr Banken, auch hier in der Region, setzen auf Fusionen mit benachbarten Kreditinstituten. Ist das für die Sparkasse auch eine Option?

Üblicherweise folgt die Sparkassen-Struktur der politischen Struktur. Das heißt: ein Landkreis, eine Sparkasse – und das haben wir hier. Die Sparkasse ist auch ungefähr doppelt so groß wie die größte Genossenschaftsbank im Kreis. Wir können daher alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen – auch wenn das zuweilen belastet. Für weitergehende Spekulationen über mögliche Fusionen gibt es keinen Anlass.

Die Sparkasse hat sich gerade einvernehmlich von ihrem Vorstandsmitglied Gerhard Hess getrennt. Wie geht es jetzt weiter?

Der Verwaltungsrat hat alle erforderlichen Schritte für eine Wiederbesetzung in die Wege geleitet. Wir gehen davon aus, dass das in diesem Jahr noch erfolgen kann. Unabhängig davon ist aber die Sparkasse so gut aufgestellt, dass im Zwischenzeitraum alle Geschäfte getätigt werden können. Denn es gibt außerdem mit Herrn Goldschmidt und Herrn Sippel zwei stellvertretende Vorstandsmitglieder, sodass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden können.

Zur Person

Reinhard Faulstich (57) ist in Friedewald aufgewachsen. Nach der mittleren Reife an der Geistalschule hat er 1979 seine Lehre bei der Sparkasse begonnen. Es folgte der 15-monatige Wehrdienst. Faulstich legte die Prüfungen zum Sparkassen-Fachwirt und -Betriebswirt ab und hat in Bonn die Ausbildung zum Diplom-Sparkassenwirt absolviert. 1992 übernahm er die Gesamtverantwortung für den Kreditbereich der Sparkasse, 2000 wurde er stellvertretendes Vorstandsmitglied, 2002 ordentliches Vorstandsmitglied. Seit 2010 ist er Vorstandsvorsitzender. Faulstich ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Friedewald. In seiner Freizeit wandert und reist er gern, liest viel und schätzt das kulturelle Angebot der Region.

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