Geringfügig Beschäftigten droht Altersarmut

Rund 10.000 Mini-Jobber im Kreis: IG Bau fordert mehr Hilfe

Hersfeld-Rotenburg. Die rund 10.000 Mini-Jobber im Kreis Hersfeld-Rotenburg sollen bessergestellt werden. Das fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt bundesweit. Die IG Bau schlägt dazu eine Reform der geringfügigen Beschäftigung vor.

Demnach sollen Minijobs schon ab dem ersten Euro in die Sozialversicherung einbezogen werden. „Mini-Jobs waren als flexible und vorübergehende Lösung gedacht. Aber für viele Beschäftigte sind sie zum Dauerzustand geworden“, sagt Klaus Michalak von der IG Bau Nordhessen.

Die IG Bau will gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) erreichen, dass der Arbeitgeber künftig auch für einen Verdienst unter 450 Euro Sozialabgaben zahlen muss. Die Gewerkschaft fordert eine neue „Gleitzone“ vom ersten Euro an: Demnach sollen Arbeitgeber bei geringen Verdiensten den Großteil der Sozialabgaben tragen.

„Sozialpolitisch ist die Initiative zu unterstützen“, kommentiert Kreis-Sozialdezernentin Elke Künholz den Vorstoß, sagt aber auch: „Wer in seinem Berufsleben überwiegend geringfügigen Beschäftigungen nachgeht, für den wird ein Risiko von Altersarmut, also dem Bedarf an Grundsicherungsleistungen im Alter, bleiben.“ Bei der Frage nach der Umsetzung komme es auf den politischen Willen der Regierungsparteien im Bund an. Künholz: „Bei der derzeitigen Großen Koalition dürfte das kein Thema sein.“

Vor allem Reinigungs- und Büroarbeiten

Nicht kommentieren möchte die Agentur für Arbeit den Vorschlag. Horst Kramer, Geschäftsführer der Agentur für Bad Hersfeld-Fulda, sagt: „Grundsätzlich sollten alle, die für längere Zeit einen Minijob ausüben, die möglichen Folgen für die Zukunft im Blick haben.“

Zum 30. September 2016 gab es 9888 Mini-Jobber im Kreis. Reinigungstätigkeiten (1400 Beschäftigte) sowie Büroarbeiten (1010) liegen vor den Branchen Logistik sowie Tourismus/Gastgewerbe (beide 980). Der Anteil der Mini-Jobber an der Gesamtzahl der Beschäftigten beträgt 17,2 Prozent – knapp unter dem Landesdurchschnitt. (rai)

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Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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