Sommer-Interview mit Hans Georg Vierheller von der FWG

Gespräch im Schatten der Stadtkirche: Der stellvertretende Kreisvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft Hans Georg Vierheller, beim Sommer-Interview mit Kai A. Struthoff im Schilde-Park in Bad Hersfeld. Foto: Janz

Hersfeld-Rotenburg. Beim letzten Sommer-Interview mit den Vorsitzenden der im Kreistag vertretenen Parteien sprach Kai A. Struthoff mit Hans Georg Vierheller, dem 2. Vorsitzenden der FWG.

Der Kreisvorsitzende Jörg Brand war aus familiären Gründen verhindert.

Herr Vierheller, wenn ich mir die jüngsten Einträge auf der Internetseite der Freien Wähler ansehe, finde ich polemische Bemerkungen Ihres Kreisvorsitzenden Jörg Brand zum Thema Flüchtlinge. Unter anderem fordert er einen „Aufnahmestopp: Sofort!“ Wollen Sie sich als eine Art „Mini-Pegida“ profilieren? 

Hans-Georg Vierheller: Auf keinen Fall! Auch uns tun die Flüchtlinge natürlich leid. Aber man muss die Bürger, beispielsweise in Rotenburg, rechtzeitig informieren. Und vor allem dürfen die Kosten für die Unterbringung nicht an den Kommunen hängenbleiben. Dafür müssen Land, Bund und vielleicht auch die EU aufkommen - denn das ist ja letztlich ein europäisches Problem. Für Polemik ist beim Thema Flüchtlinge jedenfalls kein Platz - das ist meine Meinung und wohl auch die der Freien Wähler.

Wir erleben die FWG als einen ziemlich bunt zusammengewürfelten Haufen von Individualisten. Wo und wofür stehen Sie politisch und was verbindet Sie eigentlich? 

Vierheller: Uns verbinden die Themen, die die Menschen im Kreis beschäftigten. Wir legen auch mal den Finger in die Wunde - zum Beispiel bei der 380-kV-Leitung oder bei Suedlink, die wir total ablehnen. Ansonsten sind wir politisch für alle Bürger offen und reden mit jedem - nur Rechtsradikalismus lehnen wir strikt ab!

Manchmal beackern Sie etwas abwegige Themen, wie Sie, Herr Vierheller, die ICE-Trasse durch den Kurpark, von der alle Experten sagen, dass sie zu unseren Lebzeiten nicht kommt. 

Vierheller: Die Bahntrasse ist noch nicht vom Tisch. Ich habe gehört, dass inzwischen sogar schon Aufträge für den Trassenausbau nach Eisenach vergeben werden. Deshalb muss man am Ball bleiben und sich rechtzeitig wehren. Das sieht man doch auch bei der Lärmbelästigung durch die A4 hier bei uns in Hersfeld. Wir müssen uns alle mehr engagieren.

Wo legen Sie noch den Finger in die Wunde? 

Vierheller: Wir kämpfen auch für den Erhalt von K+S in unserer Region. Diese vielen Arbeitsplätze dürfen auf keinen Fall verloren gehen. Wenn K+S an die Kanadier verkauft würde, wären nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch die Gewerbesteuer hier bei uns schnell weg. Deshalb muss die große Politik dagegen kämpfen.

Ihr Parteifreund Klaus Billing aus Haunetal hat unlängst vorgeschlagen, die Gemeinde aufzulösen und mit einer Nachbargemeinde zu fusionieren. Ist das tatsächlich ein Modell, dass die FWG favorisiert? 

Vierheller: Es gibt ja viele Kommunen, die schon jetzt eng zusammenarbeiten. Ich glaube, das wird in Zukunft noch zunehmen. Aber ich halte nichts davon, den Bürgern etwas aufzuzwingen. Doch ausschließen kann man vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sicher nichts.

Mit welchen anderen Themen ziehen Sie in den Kommunalwahlkampf? 

Vierheller: Wir greifen alles auf, was uns von den Bürgern zugetragen wird. Bei uns kann auch jeder mitmachen, ohne parteilich gebunden zu sein. Aber wir wollen im Wahlkampf nichts versprechen, was wir nicht halten können.

In der Diskussion um den Windpark Wehneberg haben Sie sich damals zurückgehalten. Wie stehen Sie zur Windkraft? 

Vierheller: Energiewende? Jein! Wichtig ist, die Bürger rechtzeitig zu informieren. Außerdem müssten auch bei uns die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände zwischen Wohnbebauung und Windrädern so verändert werden wie in Bayern. Die Energiewende darf nicht auf Kosten der Bürger gehen! Und zum Wehneberg: Ich hatte der Bürgerinitiative damals gesagt, dass sie früher hätte aktiv werden müssen. Vielleicht hätte der Windpark dann verhindert werden können.

Haben Sie genug politisches Personal, um überall bei der Kommunalwahl anzutreten? 

Vierheller: Wir haben in vielen Gemeinden eigene Ortsvereine. Schwer ist es aber, auch eine Kreistagsliste aufzustellen. Dennoch haben wir das vor und hoffen auf wieder mindestens vier Sitze und einen Sitz im Kreisausschuss. Vielleicht können wir sogar zulegen.

In Bad Hersfeld hat die FWG im Streit um die Festspiele die Fraktion mit Grünen und SPD platzen lassen. Jetzt haben Sie alle keine Mehrheit mehr. Wie soll das weiter gehen? 

Vierheller: Na, schauen wir mal, wie die Wahl ausgeht. Wir sind offen und reden mit jedem. Ich persönlich möchte mich aber nicht mehr so fest an andere Parteien binden. Und was die Festspiele angeht: Mit Dieter Wedel sind wir jetzt auf einem guten Weg. Wenn nun auch noch die Zahlen stimmen, dann ist doch alles okay.

Sie sind lange in der Kommunalpolitik tätig und übernehmen auch als Stadtrat in Bad Hersfeld viele Aufgaben. Wird das politische Ehrenamt genügend gewürdigt, oder sind Sie am Ende nur der Buhmann für alle Unzufriedenen? 

Vierheller: Ja, das ist leider oft so. Man wird von vielen Menschen um Hilfe gebeten, aber wenn man jemand mal keinen Gefallen tun kann, dann wird man doch hart angegriffen. Manchmal frage ich mich schon, ob ich mir das noch antun muss. Trotzdem will ich - wenn es meine familiäre Situation erlaubt - wieder für die Stadtverordnetenversammlung und den Kreistag kandidieren.

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