Keiner will Vereinsarbeit erledigen

Vereinen im Kreis Hersfeld-Rotenburg fehlt das Führungspersonal

Hersfeld-Rotenburg. Vorstand im Verein sein - das wollen nur noch wenige. Viele Vereine im Landkreis haben massive Probleme, ihre Führungsposten zu besetzen. Doch was tun im Notfall?

Solche Anfragen erreichen Andrea Wetterau und Susanne Bettenhausen fast täglich. Die beiden Rechtspflegerinnen führen am Amtsgericht Bad Hersfeld das Vereinsregister. Sie betreuen 1025 eingetragene Vereine im gesamten Landkreis.

„Einen neuen Vorstand können wir leider nicht zaubern - wir können nur beraten“, sagt Wetterau. Zwar sei das Bestellen eines sogenannten Notvorstands im Bürgerlichen Gesetzbuch vorgesehen - aber nicht für die Fälle, in denen schlicht der Vorstands-Nachwuchs fehle. „Ich kann zwar verstehen, dass sich die Vereine in ihrer Not an diese Idee klammern - Voraussetzung ist aber dringender Handlungsbedarf, und der fehlt fast immer“, erklärt Bettenhausen. Nur in Fällen, in denen ein Verein ohne Vorstand zum Beispiel verklagt werde oder Reparaturen in Auftrag geben muss, weil er sonst seine Verkehrssicherungspflicht nicht mehr erfüllen kann, sei dies gegeben. Ein Notvorstand sei im Landkreis Hersfeld-Rotenburg daher in den vergangenen drei Jahren kein einziges Mal berufen worden.

„Alle wollen gerne die Angebote nutzen, aber keiner will die Vereinsarbeit erledigen“ - diese Entwicklung habe sich im vergangenen halben Jahr nochmals verstärkt, haben die Rechtspflegerinnen beobachtet. Besonders problematisch sei es, 1. Vorsitzende zu finden.

„Vor 20 Jahren gab es mindestens zwei bis drei Bewerber für die jeweiligen Vorstandspositionen - das hat sich stark gewandelt“, berichtet Sportkreisvorsitzender Paul Mähler. 300 Vereine mit 53 500 Mitgliedern zählen zum Sportkreis Hersfeld-Rotenburg. Der 67-Jährige, selbst kürzlich erst als Vorsitzender wiedergewählt, hat bei der Vorstandsbesetzung der Vereine unterschiedliche Trends ausgemacht.

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