Stallpflicht in Hersfeld-Rotenburg

Vogelgrippe weitet sich aus: Geflügel im Kreis steht jetzt unter Arrest

Stallpflicht für Huhn und Gans seit Montagnachmittag: Noch bevor es eine landesweite Aufstallung gab, reagierten die meisten Geflügelzüchter im Kreis auf die derzeit grassierende Vogelgrippe. Sie brachten ihre Tiere sicher im Stall unter. Foto:  dpa

Hersfeld-Rotenburg. Viele Landwirte in der Region haben reagiert und ihr Geflügel in den Stall gebracht. Grund dafür ist die derzeit grassierende Vogelgrippe. Seit Montagnachmittag gilt eine landesweite Stallpflicht.

Obwohl bis Montagnachmittag nur für einige Gebiete im Kreis eine Stallpflicht ausgesprochen worden war, hatten auch Geflügelzüchter, die nicht davon betroffen waren, bereits am Wochenende reagiert und aufgestallt. Mittlerweile wurde eine landesweite Stallpflicht vom Hessischen Umweltministerium verordnet.

Die Vorkehrungen

Wie einige von den Züchtern unserer Zeitung gegenüber erklärten, hätten sie bei Bekanntwerden der Geflügelpest vor einigen Tagen sogleich Vorkehrungen getroffen und ihre Tiere im Stall untergebracht. Außerdem wurden alle Sicherheitsmaßnahmen wie ständige Desinfektion, Schuhwechsel und Einweg-Schutzkleidung bei Betreten der Geflügelställe noch verstärkt, versichert ein Züchter aus dem Kreis. Dazu dürften nur Angestellte des Betriebs die Stallungen betreten. Namentlich möchte der Züchter, so wie einige andere seiner Berufsgenossen, nicht genannt werden - aus Sorge, dass sein Betrieb mit der Vogelseuche in Verbindung gebracht werde.

Eine Ausnahme macht Gerhard Keßler, der 14.000 Legehennen am Stadtrand von Bebra hält. Er spricht offen über die Probleme, die die Geflügelzüchter derzeit ereilen. Für ihn sei die Seuche eine tickende Zeitbombe. Vielen seiner Tiere habe er deshalb einen „Stallarrest“ verordnet, noch bevor am Montagnachmittag eine landesweite Aufstallung von den Behörden ausgesprochen wurde.

Doch den Arrest durchgehend einhalten, konnte er erst nach der Verordnung des Landes. Seine Tiere seien nämlich als Hennen in Freilandhaltung deklariert, so dass er dem Geflügel vor der landesweiten Aufstallung noch Ausgang geben musste. Mit der landesweiten Stallpflicht habe sich das Problem jetzt geklärt. Betriebe mit Freilandhaltung hätten es nun leichter, ihre Tiere zu schützen, ohne die Haltung des Geflügels neu deklarieren zu müssen.

Die Folgen

Für Helmut Schäfer vom Geflügelhof Schäfer im Alheimer Ortsteil Niedergude ist eine bundesweite Stallpflicht die einzig richtige Entscheidung. Dafür habe er schon alles vorbereitet. Die Ställe sind fertig. 50 bis 60 Gänse werde er jetzt schlachten und einfrieren. Die restlichen seiner Gänse kommen in den Stall.

Das Aufkommen der Vogelgrippe bedeutet für Schäfer jede Menge Mehraufwand und für seine Gänse viel Stress: „Sie kennen gar keinen Stall. Angst habe er davor, dass im Kreis ein infiziertes Tier aufgefunden wird. Innerhalb eines Sperrbezirks werden die Betriebe stillgelegt. Eine Horrorvorstellung für Schäfer: Einen großen Teil seines Umsatzes macht er nämlich in der Weihnachtszeit.

Das sagt der Geflügelwirtschaftsverband

Die Hoffnung auf eine bundesweite Stallpflicht hegte am Montagmorgen auch Dr. Klaus-Peter Linn vom Geflügelwirtschaftsverband Hessen. Sie wurde am Nachmittag erfüllt.

„Die Vogelgrippe ist nichts neues“, erklärt der Fachmann. Experten gehen davon aus, dass Zugvögel für die Ausbreitung verantwortlich sind. Es müsse jetzt gehandelt werden - die Stallpflicht sei der erste Schritt. Mit der richtigen Hygiene und Haltung, in Verbandskreisen als Biosicherheit bekannt, könne die Ausbreitung der Seuche bekämpft werden.

Wichtig sei es, dass jeder die Anordnung einhalte. Daher rät Linn auch allen Hobbyzüchtern dazu, ihre Tiere im Stall unterzubringen oder so einzuzäunen, dass sie keinen Kontakt zu Wildvögeln bekommen.

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