Zahlen sind seit 2014 rückläufig

Weniger Jugendliche im Kreis Hersfeld-Rotenburg lassen sich konfirmieren

Hersfeld-Rotenburg. Etwa 600 Jugendliche lassen sich in diesem Jahr in den Kirchenkreisen Bad Hersfeld und Rotenburg konfirmieren oder wurden bereits konfirmiert. Dabei sind die Zahlen in den vergangenen Jahren seit 2014 rückläufig.

Die Segnungsgottesdienste finden in der Regel zwischen Ostern und Pfingsten statt – eine Ausnahme ist beispielsweise Heringen, wo die Konfirmation bereits etwas früher stattfindet. 382 Jugendliche sind aktuell in den Gemeinden des Kirchenkreises Bad Hersfeld zum Konfirmandenunterricht angemeldet. 218 sind es im Bereich Rotenburg. Das teilen Dekan Dr. Frank Hofmann (Hersfeld) und Dekanin Gisela Strohriegl (Rotenburg) mit.

Hinzu kommen im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung noch einige Jungen und Mädchen, die den Konfirmandenunterricht in den Gemeinden besuchen, die zu benachbarten Kirchenkreisen gehören.

2014 waren noch 438 junge Leute im Kirchenkreis Bad Hersfeld konfirmiert worden und 281 im Kirchenkreis Rotenburg, in den folgenden Jahren sanken die Zahlen kontinuierlich.

Mit Glaubensfragen und Wertvorstellungen auseinandersetzen

Gisela Stohriegl glaubt dennoch, dass die offizielle Aufnahme in die christliche Gemeinde nach wie vor eine sehr wichtige Rolle spielt. Der Konfirmandenunterricht biete Raum, sich mit Glaubensfragen und Wertvorstellungen auseinderzusetzen. Der Rückgang bei den Konfirmationen decke sich zudem mit dem Rückgang der Bevölkerung in unserer ländlichen Region. 90 Prozent eines „evangelischen Jahrgangs“ lassen sich konfirmieren, so Strohriegl. Eine Prognose für die Zukunft will sie allerdings nicht wagen.

Frank Hofmann ist ebenfalls optimistisch. In einer sich immer stärker individualisierten Gesellschaft sei die Teilnahme am Konfirmandenunterricht zunehmend eine individuelle Entscheidung. „Daher ist die hohe Bereitschaft erfreulich“, sagt der Dekan. 

Von Nadine Maaz

Hintergrund: Konfirmation in Ziegenhain erfunden

Mit der Konfirmation als feierlichem Segnungsgottesdienst bekennen sich junge Menschen zu ihrem christlichen Glauben. Die Konfirmanden bekräftigen damit ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde, die zuvor mit der Taufe geschehen ist, heißt es auf der Homepage der Evangelische Kirche Deutschlands (EKD). Mit 14 Jahren sind die Jugendlichen religionsmündig und erhalten alle Rechte innerhalb der evangelischen Kirche. Die Vorbereitung findet im Konfirmandenunterricht statt. Die Konfirmation geht auf die Reformationszeit zurück – erfunden wurde sie sozusagen im Schwalmstädter Stadtteil Ziegenhain. 1539 wurde dort die heute weltweit geübte Praxis beschlossen. (Quelle: EKD)

Einen Tag im Mittelpunkt stehen

Konfirmanden haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von dem bedeutenden Fest, bei dem sie das erste Mal bewusst im Mittelpunkt einer großen Feier stehen. Wir sprachen mit Sarah Hofmann (13) und Juliane Kunzendorf (14), die zusammen mit Lasse Mohr am 6. Mai in Iba konfirmiert werden. Sie hatten allerdings keinen Konfer-Unterricht zu dritt, sondern zusammen mit zehn oder zwölf anderen Konfirmanden bei Pfarrer Maximilian Hetzel in Weiterode.

Juliane Kunzendorf (14, links) und Sarah Hofmann (13) werden zusammen mit Lasse Mohr am 6. Mai in Iba konfirmiert.

Über Gott und Jesus habe man in der Konfer-Stunde gesprochen, erklärt Juliane, während Sarah fand, dass es auch viel um persönliche Sachen ging, um Steckbriefe, Vorlieben und so etwas. Eine „Prüfung“, bei der zum Beispiel gezeigt werden musste, dass die jungen Leute das Vaterunser beten und das Glaubensbekenntnis sprechen können, gibt es nicht mehr. 

Beten gehört allerdings für Sarah zum Leben dazu. In schwierigen Situationen helfe es manchmal, vor allem, wenn man keinen habe, mit dem man sonst reden könne. 

Juliane dagegen kann mit Beten nicht viel anfangen. Sie ist aber getauft und hat die Konfirmation ihrer Freundin miterlebt. Das hat ihr so gut gefallen, dass sie sich auch ein solches Fest gewünscht hat. „Wir feiern bei der Feuerwehr, weil mein Vater da ist“, erklärt Juliane. Sie ist überzeugt, dass sie sich an dieses Fest später immer erinnern wird. Auch für Sarah ist es ein Höhepunkt – ihre Familie feiert zu Hause. Auf die Konferfahrt freuen sich beide schon, sie stand zum Zeitpunkt des Gesprächs noch bevor.

Beiden bedeutet die Konfirmation sehr viel. Während Juliane, die in der Grundschulzeit auch den Kindergottesdienst besucht hat, einfach das Fest erleben möchte, steht es für Sarah mehr in einer Reihe von christlichen Festen nach der Taufe. Es gehe um die Erweiterung des christlichen Glaubens, sagt sie. Die Konfirmation gehört für sie zu ihrem Leben – wie die Taufe. Die Familie kommt zusammen, das ist ihr wichtig. Dass sie selbst im Mittelpunkt stehen wird, ist weniger ihr Ding. Auch die Kleiderfrage hat keine große Bedeutung für sie. Während Juliane sich auf ihr glitzerndes lila Kleid freut – ihre Eltern hatten eher an eine schwarze Hose mit Blazer gedacht – hat Sarah ihr Kleid zusammen mit ihrer Patentante ausgesucht. 

Sie sieht sich zwar nicht als Kleidertyp, wird aber trotzdem eines tragen – der Mutter und der Tante zuliebe. „Da bin ich kompromissbereit“, sagt sie. Es ist schwarz mit Steinchen, mehr wird nicht verraten – es soll eine Überraschung für ihre Mutter Christiane Hofmann werden. Ihr ist es besonders wichtig, dass die Jugendlichen den Glauben kennenlernen, finden müssten sie Gott selbst. Die Konfirmation sei das Bekenntnis zu einem Lebensweg mit Gott, erklärt Christiane Hofmann. Ihr habe der Glaube immer wieder unheimlich viel Kraft gegeben. 

Die meisten Konfirmanden werden mit Geldscheinen beschenkt. Große Anschaffungen planen Sarah und Juliane aber nicht. Beide werden Geldgeschenke auf ihr eigenes Konto legen. Das wolle ihr Vater so, sagt Juliane. Für sie wird dazu extra ein Konto eingerichtet.

Dass das Fest unvergesslich wird, dafür sorgt auch Sarahs Vater. Er hat für den 6. Mai in Iba die Sängerin Heike Heer engagiert, die das Halleluja und von Joan Osborne „One of us“ darbieten wird. Damit die Festgemeinde den englischen Text auch versteht, wird er auch in Übersetzung ausliegen. „Wenn Gott einen Namen hätte...“, so beginnt das Lied.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Rubriklistenbild: © epd-bild/Jens Schulze

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