Jakobikirche Rotenburg: Altes Holzkreuz als Übergangslösung auf dem Altar

Das Kreuz mit dem Kreuz

Unersetzliches Kunstwerk aus dem 14. Jahrhundert: Dieses Kreuz haben zwei Männer gestohlen und verbrannt.

Rotenburg. Übergangslösung in der Rotenburger Jakobikirche: Auf dem Altar steht jetzt ein altes Kreuz aus Holz - Ersatz für das Kreuz mit Kruzifix, das zwei Männer im Vorjahr verbrannt hatten. Der Kirchenvorstand hat sich kürzlich für das Aufstellen des Vorgängerkreuzes entschieden.

Das Kreuz mit dem Kreuz. Das war das Thema einer Rüstzeit, zu dem sich Mitte März der Kirchenvorstand Rotenburg-Altstadt im Haus der Begegnung getroffen hatte.

Gestohlen und verbrannt

„Dieses Thema war nicht nur wegen dem zeitlichen Bezug zur Passionszeit gewählt worden“, sagten Dekanin Gisela Strohriegl und Pfarrer Michael Dorfschäfer in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Vielmehr sollte die theologische und kunsthistorische Bedeutung des Kreuzes untersucht und bearbeitet werden, um im nächsten Schritt Perspektiven für eine Lösung für den Ersatz des im vergangenen Jahr gestohlenen und verbrannten Altarkreuzes in der Jakobikirche zu suchen.

In einem ersten Schritt wurde nach den Worten Strohriegls und Dorfschäfers deutlich, dass das Kreuzsymbol im Alltag an vielen Stellen begegnet: als Schmucksymbol, als Anhänger, als christliches Erkennungszeichen nicht nur auf dem Kirchturm oder als Altarkreuz.

„Der Weg des Leidens bleibt keinem Menschen erspart, auch wenn die Entfernung vom Kreuz verschieden ist.“

Kirchenvorstand der Rotenburger Altstadt

Der Weg Jesu in den Tod am Kreuz nach dem Johannesevangelium - das war ein weiteres Thema, nachdem man Fragen „Was bedeutet das Kreuz für mich?“ beantwortet hatte - siehe Hintergrund.

Dekanin Strohriegl erarbeitete mit dem Kirchenvorstand den Passionsbericht aus dem Johannesevangelium, der den Weg Jesu durch Gefangennahme, den Prozess vor Pontius Pilatus bis hin zum Tod am Kreuz mit den Worten „Es ist vollbracht!“ beschreibt. Dabei wurde die Heilsbedeutung des Todes Jesu deutlich, der für „uns und unsere Sünden gestorben ist“, erläutert die Dekanin: „Wichtig ist dabei, dass das Kreuz nur im Blick auf Ostern, auf die Auferstehung Jesu vom Tod gesehen werden kann.“ Das Kreuz und die Kreuze - am Sonntag, den 14. März, gestaltete der Kirchenvorstand gemeinsam den Gottesdienst in der Jakobikirche. Hier wurde deutlich, dass viele Menschen auch heute „ihr Kreuz tragen“.

„Der Weg des Leidens bleibt keinem Menschen erspart, auch wenn die Entfernung vom Kreuz verschieden ist“, formulierte der Kirchenvorstand.

Und: „Dazu gehören symbolisch die Kreuze von Krankheit, Sterben und Tod, in Krise und Krankheit und am Ende unseres Lebens, im Abschied von geliebten Menschen. Das Kreuz, das Menschen nicht mithalten können im Kampf um Arbeit und Ansehen.“ Die Kreuze von zerbrochenen Beziehungen, der Erdbeben, Kriege und Hungersnöte wurden angesprochen, die Kreuze der gequälten Kreatur und Natur. Die Kirchenvorsteher: „Im Gebet wurden diese Nöte und Kreuze unter das Kreuz Jesu getragen, der die Abgründe unseres Lebens kennt. Mit ausgebreiteten Armen empfängt er uns, festgenagelt aus Hass. Die Kreuze unseres Lebens bleiben abgründig, aber aus diesem Abgrund kommt uns Jesus entgegen, der unser Kreuz durchträgt.“

Gesamtlösung gesucht

Am Ende der Tagung einigte sich der Kirchenvorstand: Als provisorische Übergangslösung wird das Vorgängerkreuz aus Holz auf dem Altar seinen Platz finden. Der Kirchenvorstand formuliert dies so: „Das Holzkreuz auf dem Altar befindet sich momentan dort als eine Übergangslösung.

Es ist das Holzkreuz, auf dem einmal das Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert befestigt war und auf dem Altar stand. Erst gegen Ende der 90er--Jahre bekam das gotische Kruzifix im Zusammenhang mit seiner Restaurierung seinen Platz auf einem neuen Holzkreuz.

Da dieses Kreuz im Jahre 2009 aus der Jakobikirche gestohlen und verbrannt wurde, hat der Kirchenvorstand erst einmal diese Lösung als Übergangslösung gefunden und das alte Kreuz ohne Kruzifix wieder auf den Altar gestellt. Im Zusammenhang mit der Innenraumsanierung der Kirche wird eine Gesamtlösung für den Altarraum entwickelt. Und in diese Lösung wird die Gestaltung eines Altarkreuzes mit einbezogen.

Von Manfred Schaake

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