Wochenendporträt: Andreas Schneider lebt den Karneval

Es kribbelt noch

In Uniform: OCV-Sitzungspräsident Andreas Schneider. Foto:  Apel

Obersuhl. Wenn Breakdancer Mario Gulich von der Gerstunger „T-Group“ auf dem Kopf steht und Dominique Rößler über die Bühne wirbelt, behält Andreas Schneider den Überblick. Seit zwei Jahren ist er Vorsitzender des Obersuhler Carneval-Vereins und schon einige Jahre länger Sitzungspräsident.

„Das hat sich so ergeben“, erzählt er. „OCV-Ehrenpräsident Gerhard Weiß brauchte mal einen Vertreter, weil er einen eigenen Auftritt hatte. Da hat er mich angesprochen, ob ich denn nicht mal drei Ansagen machen könne, und da habe ich es einfach gemacht!“ Ähnlich „zufällig“ kam Schneider auch zum Karneval. Vor gut 15 Jahren fragte ihn Klassenkamerad und OCV-Urgestein Martin Wagner, ob er denn nicht mal Lust habe, vorbeizuschauen. Schneider lehnte dankend ab, weil ihm die ganze Narretei ein wenig langweilig vorkam: „Das ist doch immer dasselbe!“

Dann aber – von Wagner aufgefordert, es besser zu machen – ließ er sich auf einem Bierdeckel schriftlich dazu verpflichten, OCV-Mitglied zu werden und eine Büttenrede zu halten. Die reimte er sogar, und da sein mit reichlich eigener Erfahrung gespickter Auftritt als Snowboarder bestens ankam, ließ ihn der Verein –und er den Verein – nicht mehr los.

Souverän durchs Programm

Heute führt er souverän, mit der nötigen Lautstärke und mit der Begeisterung, die ein „Obernarr“ ausstrahlen sollte, durchs Programm. Bei zwei großen Prunksitzungen und bei der vorherigen Generalprobe, bei der er zum ersten Mal sieht, ob und wie die Sache läuft und bei der er einen Zeitplan macht. Martin Wagner sagt über ihn: „Er ist ein genialer Sitzungspräsident.“ Vielleicht kommt Schneider dabei zugute, dass er in seinem Leben gelernt hat, auf Menschen einzugehen und gut mit ihnen umzugehen. Ein Gutteil schon bei der Bundeswehr in Sontra, bei der er von 1993 bis 1997 als „luftverladbarer Panzeraufklärer“ diente und bei der er Experte für Funkgeräte war. Ein Gutteil aber auch in seinem 1998 von Gerhard Schimmelpfennig übernommenen Elektrofachgeschäft. Zusammen mit Ehefrau Corinna und Daniela Kantelberg verkauft er vom Fernsehgerät bis zur Waschmaschine fast alles, was es gibt, und zusammen mit Techniker Ricardo Philipp repariert er fast „alles, wo ein Stecker dran ist.“

Auch wenn er inzwischen ein „alter Hase“ ist, hat er vor jeder Sitzung Lampenfieber: „Da kribbelt es schon noch, wenn 400 Leute vor einem sitzen.“ Aber Schneider lässt es sich nicht anmerken. Seine Ansagen sind genau recherchiert und in einem ebenso genauen Ablaufplan niedergelegt. Vielleicht kommt da der Techniker durch, der mit kleinsten Teilchen umgehen und alles zu einem harmonischen, großen Ganzen zusammenfügen kann. Der sich aber auch zurücknehmen kann.

Und deshalb macht der oberste OCV-Karnevalist nach dem heute über die Bühne gehenden Kinderfasching, bei dem er bescheiden an der Kasse sitzt, erst einmal Pause. Bis nach den Sommerferien. Dann kribbelt es wieder.

Von Wilfried Apel

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